Laertes' Sohn, dem geweissagt worden war, dass er, fallser nach Troja gehen würde, nach 20 Jahren allein, derGenossen beraubt, als Bettler heimkehren würde. Undda er wusste, dass Männer zu ihm kommen wollten, umihm zuzureden, spiegelte er Wahnsinn vor: setzte sich eineKappe auf und schirrte ein Pferd mit einem Rinde zu-sammen an den Pflug. Palamedes merkte, so wie er ihnerblickte, die Vortäuschung, hob den Telemach, den Sohndes Odysseus, aus der Wiege, warf ihn vor den Pflug undrief: Lass ab von Deiner Vorspiegelung und schliesse Dichden Vereidigten an! Darauf versprach Odysseus zukommen, wurde aber in Folge dieses Vorfalls Feind desPalamedes.
Auch den Achilleus überliefert uns die Sage als Spiegel-fechter. Da seine Vortäuschung aber nur darin bestand,dass er sich verkleidete, also weibliches Geschlecht, nichteine Krankheit, vortäuschte, so darf an dieser Stellenicht näher auf diesen Betrug eingegangen werden.
Eine Krankheitsvortäuschung hat sich ferner, wie im1. Buch Samuelis C. 21 V. 13 berichtet wird, David zuSchulden kommen lassen. David kam auf der Flucht zumKönige Achis und hat sich vor diesem verstellt, um nichterkannt zu werden. Aus den Worten der Bibel, die dieseVerstellung schildern: Und verstellte seine Geberde vorihnen und kollerte unter ihren Händen und stiess sich andie Thür am Thor, und sein Geifer floss ihm in denBart — hat man auf vorgespiegelte Fallsucht schliessenwollen. Ich glaube indess, im Deutschen Archiv für Ge-schichte der Medicin 1878 1. Heft S. 40 u. ff. mit Hilfedes Urtextes nachgewiesen zu haben, dass David nichtFallsucht, sondern Geisteskrankheit vorgespiegelt hat.
Weiterhin werden Solon von Athen und der jüngereBrutus von der Geschichte als Spiegelfechter bezeichnet.Ferner erzähltDionysius von Halicarnass (Antiqu. rom. IX, 50,S. 606 edid. Sylb.), dass die römischen Soldaten unterAppius Claudius, als sie 469 v. Chr. nicht gegen dieVolsker habe kämpfen wollen, sich Verbandmittel um die