Begriff.
Unter Krankheitsvortäuschung (Krankheits -Vorspiege-lung, Krankheits - Erdichtung, Krankheits - Erkünstelung,Simulation) wird das betrügerische Verfahren verstanden,mittels dessen zur Erreichung eines bestimmten Zweckseine nicht vorhandene Krankheit vorgegeben, nachgeahmtoder künstlich erzeugt wird.
Der Zweck dieses Verfahrens ist ein mehrfacher: theilswill sich der Betrüger einer Pflicht, z. B. der Militärpflichtentziehen, ein Andrer will von der beruflichen Arbeitoder von einem Amte befreit werden, ein Dritter willeiner Strafe entgehen, ein Vierter Rechte z. B. auf Unter-stützung erwerben etc.
Die Mittel, mit denen die Täuschung versucht wird,sind Geberden, Worte, Handlungen und sachliche (con-crete) Mittel. Die sachlichen Mittel treten besonders beiden absichtlichen Erzeugungen von Krankheiten, z. B. beiden Selbstverstümmelungen in den Vordergrund.
Geschichtliches.
Das älteste Beispiel einer Krankheitsvortäuschung knüpftsich an Odysseus. Die schon im Alterthum verbreitete Mit-theilung hierüber hat nach Hygin's 95. Sage (vgl. meineDarlegung im „Fcldarzt" 1876 Nr. 16 und 17) folgendenWortlaut: Agamemnon und Menelaos, Atreus' Söhne,kamen, als sie die für den Angriff auf Troja vereidigtenFührer geleiteten, nach der Insel Ithaka zu Odysseus,
Frölich, Vortäuschung von Krankheiten. j