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Erg.-Bd. (1884)
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Virniua. Oenocyanin.

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fremde Farbstoffe hergestellten Rothweine wären zu verwerfen, wenn der Ver-kaufer diesen Umstand dem Käufer verheimlicht. Geschieht die Färbung mitdem rothen Farbstoffe des Weines, so kann darin keine Fälschung erkannt wer-den. Eine Weinfarbenessenz ist schon seit 100 Jahren im Handel und in90 Fällen unter 100 hat man von jeher den Wein in der Farbe verstärkt, esist also die Farbekräftigung eine durch die Zeitlänge berechtigte Gewohnheitgeworden.

Der Farbstoff des Rothweines wird durch wenig Aetzammon blau, durcheinen Ueberschuss Aetzammon aber zerstört, oder er geht in Grün, beim Erwär-men in Braun über. Der Farbstoff der Heidelbeeren zeigt ein ähnliches Ver-halten. In alten Weinen geht das Roth durch Amnion oft schnell in Grün über.Die fixen Alkalien verhalten sich dem Aetzammon ähnlich, die Carbonatenur etwas schwächer und langsamer die Farbe verändernd. Natriumcarbonatund Kalkwasser färben die durch Ammon in Blau übergehenden schmutziggraublau, die durch Ammon grün werdenden schmutzig braungrün, ebenso dieHeidelbeerfarbe. Als bestes Reagens fand Andbee eine Magnesiafläche.Gebrannte Magnesia wird mit Wasser zu einem derben Breie angerührt, in einSchälchen gegeben, darin in dicker Schicht ausgebreitet und eine möglichst glatteOberfläche erzeugt. Man soll einige Tropfen des Weines am Rande des Schäl-chens niederfliessen lassen. Der Wein verzieht sich in dentritischen Verästelungenund geht schnell durch blaugrau oder grüngrau in Graubraun oder Braun über,welche Farben auch beim Austrocknen bleiben. Heidelbeerfarbe geht dagegenin Blau, Malvenroth in Grün über. Diese Farben bleiben auch beim Aus-trocknen. Auf Kreide wird junger Rothwein violett oder bläulich, ältererbläulich oder schiefergrau, Indigo, Fuchsin, Carmin, Farbhölzer bewahren dieFarben, Kermesbeersaft wird gelb.

Ueber das Verhalten des Weinfarbstoffes zu Reagentien hat Andere nochweitere Mittheilungen gemacht (Archiv der Ph. 1880, 1. Hälfte, S. 110 etc.).Andhee fand, dass Weinfarbstoff und Heidelbeerfarbstoff völligidentisch sind. Durch Amylalkohol lassen sich auch beide Farbstoffe aus-schütteln, indem die sauren Lösungen in den Amylalkohol übergehen.

In Spanien und Süd-Frankreich wird der Saft der Beeren von Phjtolaccaderandra seit 200 Jahren zum Weinfärben benutzt. Obgleich dieser Saft pur-girende Eigenschaften besitzt, so überträgt er diese Wirkung nicht auf denWein, weil eben diesem nur sehr wenig, also in sehr unschuldiger Menge zuge-setzt wird.

Der mit Spuren Fuchsin gefärbte Wein ist völlig unschuldig, selbst wennein arsenhaltiges Fuchsin hierzu verbraucht wird, weil im Liter schon 1 cg.ausreicht, die Farbe stark zu kräftigen, abgesehen davon, dass Fuchsin an undfür sich so unschuldig ist wie der Phytolacca - Beerensaft in wenigen Grammen.Dennoch vegetirt immer noch die barocke Ansicht, in den mit unschuldigenFarbmaterialien versetzten oder vielmehr in der Farbe gekräftigten Kothweinenverfälschte Weine zu erkennen und als solche zu brandmarken.

Ueber die Erkennung künstlich gefärbter Weine hat Stein beach-tenswerte Mittheilungen gemacht pharm. Centralh. 1878, S. 4—7. (

Die Darstellung des Oenolius nach der Methode Vabennes bestehtdarin, die abgelagerte Rothweinhefe mit einer bestimmten Menge Kalkbreizu vermischen, den Brei (durch Filtrirpumpo und Pressung) vom Wasser zu be-freien, ihn mit 95-proc. Weingeist zu mischen und dann soviel 50-proc. Schwefel-säure hinzuzusetzen, als zur Umwandlung der Kalkerde in Calciumsulfat aus-reicht. Das Oenolin geht in den Weingeist über. Durch Destillation und Ein-dampfen der weingeistigen Lösung erhält mau das Oenolin als schwarzes Pulver,