Druckschrift 
Erg.-Bd. (1884)
Entstehung
Seite
563
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Jaborandi.

563

Nuancen heller ist; doch befinden sich auch viele vollständig grüne und graueBlätter darunter.

Dieses minder gute Aussehen hindert nicht, der Pernambuco- oder Para-Waare wegen des grösseren Gehalts an Pilocarpin den Vorzug zu geben vor dersich gefälliger dem Auge repräsentirenden Brasilwaare. Letztere ist schöngrün und die Blätter sind stielfrei. Sie kommt nach Gehe aus Matto grosso.Diese stielfreie, schön grüne Waare ist jedenfalls zu verwerfen.

Das vollständige Blatt der Pernambuco-Waare ist unpaarig gefiedert, 59-blättrig, bis 40cm lang; die Blattpaare stehen in einem Zwischenräume von 3bis 7 cm von einander entfernt, je nach der Grösse des ganzen Blattes; das untersteBlattpaar befindet sich 815 cm über dem Anheftungspunkte der Blattspindel.Letztere ist oberseits gefurcht und an der Basis bis 5 mm dick.

Die Blättchen sind ihrer Hauptform nach oblang, weichen jedoch häufig da-von ab, indem sie fast oval oder lanzettlich, auch theilweise verkrüppelt sind;das Endblättchcn ist in der Regel breiter als die übrigen, verkehrt eiförmig oderl'Urch tiefen Einschnitt verkehrt herzförmig. Sie sind bei einer Breite von 2S 6cm 5 bis 15cm lang; doch sind dieselben bisweilen an dem nämlichenBlatte von sehr verschiedenen Dimensionen. Im Uebrigen vergl. pharm. Centralh.l8 80 8. 56 u. f. und Archiv der Pharm. Januarh. 1880 S. 14 u. f.

Jene Brasil-Jaborandi entstammt einer Piperacee, entweder dem Piper^ticulatum Linn. (Enckia reticulata Miquee) oder der Ottonia Anisum^'kengel (Ottonia Jaborandi Kunth, Serronia Jaborandi Guillemin). DieWurzel der ersteren Piperacee wird als Radix Jambarandy seit jeher alsW'ureticum, Stimulans, Sudoriferum, Sialagogum gekannt, auch als Zahnschmerzmittelgebraucht. Die Blätter dieser Brasil-Jaborandi ermangeln erstens der durch-Sc heinenden Oelgefasse, wenn man das Blatt gegen das Licht beschaut,Und zweitens fehlen die Blattstiele. Anstatt Pilocarpin enthalten sie Jabo-an din, wofür der Name Enckianin oder Serronin wohl passender ge-wesen wäre.

Gekkakü und Habdy , dann Harnack und H. Meyer fanden neben Pilo-carpin noch ein zweites Alkaloid, welches den Namen Jaborin erhalten hatt8 ls t in Aether leichter, in Wasser schwerer löslich als Pilocarpin und bilde,ainorphe Salze. Wahrscheinlich ist es ein Verwesungsproduct des Pilocarpins,seine Wirkung soll mit derjenigen des Atropins übereinstimmen. Dieser Umstand«jag die Erklärung geben, warum reines Pilocarpin weit stärker myotisch wirktals die käuflichen Pilocarpinsalze, überhaupt warum die Wirkungen der Pilo-carpinsalze nicht immer dieselben sind, bei manchen Personen überhaupt aus-bleiben. Dräsche hat in einer Sorte Jaborandiblätter ein Alkaloid aufgefunden,welches er Serronin nennt.

Werthbestimmung der Jaborandiblätter und der Präparate daraus. Dieselbebasirt (nach Poehl) auf Extraction mit 1 Proc. Chlorwasserstoff haltendem Was-ser, Ausfällen mit Bleiessig, Versetzen mit Salzsäure zur Fällung gelösten Bleies,füllen des Filtrats mittelst Phosphormolybdänsäure, Auswaschen des Nieder-schlags mittelst salzsauren Wassers und Trocknen desselben bei 100° 0. DasWicht des Phosphormolybdänats mit 0,4566 multiplicirt ergiebt die Menge desPilocarpins. 10g Blätter, frei von jeder Behaarung, ergaben 0,407 Pilocarpinphos-Phormolybdänat, entsprechend 1,86 Proc. Gehalt an Pilocarpin. 10g behaarteBlätter ergaben im Durchschnitt 0,433 Molybdänat, entsprechend 1,97 Proc.Pdocarpin. 10 g Blätter von Pilocarpus pennalifolius L. enthielten nur°>159 Proc. Pilocarpin. Die Tinctur nach Vorschrift des Handbuches (II, 176)««'gab einen Gehalt von 0,328 Proc. Pilocarpin. Extr. fluid, nach demHandb. (II, 176) bereitet ergab 1,808 Proc. Pilocarpin (Poeiil).

36*