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2 (1896) Organische Chemie
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Siedepunktsregelmässigkeiten organ. Verbindungen. 65

Erhitzen eine Zersetzung, indem das Molecül derselben, häufig unter Ab-scheidung von Kohle, in Molecüle einfacherer Verbindungen zerfällt.

Der Schmelzpunkt und der Siedepunkt organischer Körper hängt eines-theils ab von der Anzahl und der Natur der Elemente, welche in dem Molecülederselben enthalten sind, anderentheils aber auch von der Bindungsweiseder Atome unter einander. Einzelne Eeihen von organischen Verbindungenzeigen auch in den Schmelzpunkten und noch mehr in den Siedepunkten gewisseEegelmässigkeiten, welche jedoch nicht derartig sind, dass dieselben gestatten,jene Temperaturen aus der Formel vorher zu bestimmen.

Im Allgemeinen ist ein organischer Körper um so leichter schmelzbar undum so leichter flüchtig, je einfacher das Molecül desselben constituirt ist; jecomplicirter dasselbe ist, um so höher liegen die Schmelz-und Siedetemperaturen und um so leichter findet Zer-setzung beim Erhitzen statt*).

Da geringe Mengen von Feuchtigkeit den Schmelz-punkt herabdrücken, so sind die zu schmelzenden Sub-stanzen vorher sorgfältig zu trocknen. Zur Bestim-mung des Schmelzpunktes, besonders hoch schmelzenderSubstanzen wird ausser den im I. anorg. Theil, S. 24, be-schriebenen einfachen Apparaten bisweilen auch dervon Koth eingeführte Apparat (Fig. 15) verwendet.a wird durch den Tubus c bis zu ä mit flüssigem Paraffingefüllt und der Tubus c durch den Stopfen so geschlossen,dass die äussere Oeffnung des Tubus mit der inneren desStopfens communicirt. Das mit dem Schmelzröhrchenverbundene Thermometer wird bei e in den als Luftbad

___d fungirenden Hohlraum b eingepasst und dann das Paraffin

langsam auf dem Drahtnetze erhitzt.

In einzelnen Keinen homologer Verbindungen lässtsich mit dem Wachsthume des Kohlenstoffgehaltes aucheine Erhöhung des Schmelzpunktes beobachten, ohne dassjedoch derselben Zusammensetzungsdifferenz auch dieselbeDifferenz im Schmelzpunkte entspricht, z. B.:

Schmelzpunkt

Caprinsäure....... C 10 H 20 O 2 29,5°

Laurinsäure....... C 12 H 2 -«0 2 43,5°

Myristicinsäure.....C u H 28 0 2 53,8°

Palmitinsäure...... C 16 H3 2 0 2 62°

Stearinsäure...... C 18 H S6 0 2 69,2°

Cerotinsäure...... C 27 H 54 0 2 79°

Melissinsäure...... C 30 H 60 O 2 88,5°

Die Anfangsglieder obiger Säurereihe zeigen bezüglich

des Schmelzpunktes keine Eegelmässigkeiten, indem die

Ameisensäure: CH 2 0 2 , bei 0°, die Essigsäure: C 2 H*0 2 ,

bei +17° schmilzt, wogegen die Propionsäure: C 3 H 6 0 2 ,

und die Buttersäure: C 4 H 8 0 2 , noch unter 0° flüssig sind.

Die Glieder homologer Eeihen mit unpaarem Kohlenstoffgehalte haben

meist einen niedrigeren Schmelzpunkt, als die um ein Kohlenstoffatom ärmeren

Verbindungen mit paarem Kohlenstoffgehalte, z. B.:

*) üeber die Bestimmung der Schmelz- und Siedepunkte s. I. anorgan. Theil.üeber die Bestimmung des Schmelzpunktes des Paraffins, des Wachses und der Fette s. dort.Schmidt, pharmaeeutische Chemie. II. 0