64 Physikalische Eigenschaften organische!' Verhindungen.
C zwei Atome H. Da nun die Gruppe CH 2 in homologen Verbindungen eineAenderung des specifischen Volumea um 22 bewirkt, so müssen C und H 2 andieser Aenderung gleichen Antheil nehmen, es muss daher dem Kohlenstoff inflüssigen Verbindungen, bei Temperaturen, welche nahe bei dem Siedepunkte
derselben liegen, das specifische Volum 11, dem Wasserstoff — = 5,5 zukommen.
In ähnlicher Weise lassen sich auch die specifischen Volume für andereElementatome berechnen. So beträgt z. B. das specifische Volum des einfachan Kohlenstoff gebundenen Sauerstoffs 7,8, das des doppelt gebundenen 12,2;ferner für:
Schwefel, einfach an Kohlenstoff gebunden . . . 22,6Schwefel, doppelt an Kohlenstoff gebunden . . . 28,6
Chlor.................... 22,8
Brom.................... 27,8
Jod..................... 37,5
Stickstoff, einfach an Kohlenstoff gebunden ... 2,3Stickstoff, zweifach an Kohlenstoff gebunden . . 28,0
Stickstoff in den Nitroverbindungen...... 8,6
Stickstoff in den C3'an Verbindungen...... 17,0
Kennt man in einem organischen Körper die Bindungsart der Sauerstoff-,Schwefel- und Stickstoffatome, so lässt sich nach vorstehenden Werthen dasspecifische Volum der betreffenden Verbindung berechnen, z. B. für Aethyl-alkohol: C 2 H 5 .OH, = 2 X 11 -f- 6 X 5,5 -J- 7,8 = 62,8, während durch denVersuch 62,16 ermittelt wurde (s. oben). Umgekehrt lässt sich die Bestimmungdes specifischen Volums bisweilen benutzen, um die Bindungsweise des Sauer-stoffs, Schwefels oder Stickstoffs an Kohlenstoff in organischen Verbindungenzu ermitteln.
Die von Kopp ermittelten Gesetzmässigkeiten sind jedoch durch neuere,die Structurverhältnisse berücksichtigende Untersuchungen vielfach als un-begründet erwiesen worden.
Bei den Verbindungen der Fettkörperclasse haben die mit „normaler"Kohlenstoff kette ein höheres specif. Gewicht und mithin ein kleineres Molecular-volum, als die mit Seiten- oder Nebenketten (s. S. 44). Aus dem Vergleich derMolecularvolume von „gesättigten" und „ungesättigten" Verbindungen er-ergiebt sich, dass der Eintritt jeder „doppelten" Bindung das Molecularvohmium etwa 4,4 erhöht. Während man erwarten sollte, dass das Vorhanden-sein einer „doppelten" Bindung eine innigere und festere Bindung derKohlenstoffatome, als bei „einfacher" Bindung, bedingen sollte, ist hiernachgerade das Gegentheil davon der Eall.
Die ungesättigten Verbindungen mit ringförmig gebundenen Kohlenstoff-kernen, z. B. die Benzolderivate, besitzen ein wesentlich kleineres Molecular-volum, als diejenigen mit offener Kohlenstoff kette und mehrfacher Bindung derKohlenstoffatome.
Auch feste Körper scheinen bei der Vergleichung des specifischenVolums mit dem Moleculargewicht und der chemischen Zusammensetzung ge-wisse Gesetzmässigkeiten zu zeigen.
Schmelzpunkte und Siedepunkte organischer Körper.
Bei Zufuhr von Wärme verändert eine grosse Zahl von organischenKörpern ihren Aggregatzustand, indem feste Körper sich verflüssigen, flüssigesich in Dampfform verwandeln, ohne dabei eine Zersetzung zu erleiden. Einevielleicht ebenso grosse Anzahl von organischen Körpern erleidet jedoch beim