Theorie der chemischen Structur.
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CH 2 C1 CH !
I =11 • + HCl
CH 2 C1 CHC1
Aethylenchlorid Monochloräthylen Chlorwasserstoff
Wegen der Eigenschaft, sich mit Wasserstoff- oder Halogenatomendurch Addition direct zu vereinigen, hat man die Verbindungen,welche die Kohlenstoffatome zum Theil in mehrfacher Bindung enthalten,auch als ungesättigte bezeichnet. Bei dieser Bezeichnung ging manvon der Annahme aus, dass in den Molecülen dieser Verbindungen wirk-lich freie, also nicht durch andere Atome gesättigte Valenzen vorhandenseien. Es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, dass, mit Ausnahme desKohlenoxyds: CO, überhaupt wirkliche ungesättigte Verbindungen desKohlenstoffs existiren. Auch die scheinbar ungesättigten Verbindungenrepräsentiren im isolirten Zustande gesättigte Moleciile, da in denselbendie Kohlenstoffatome theilweise durch mehr als je eine Affinität mit ein-ander verbunden sind. Obschon in Folge dessen die Annahme unge-sättigter Verbindungen gegenwärtig aufgegeben ist, hat man doch dieseBezeichnung für Verbindungen beibehalten, welche die Kohlenstoffatomezum Theil in mehrfacher Bindung enthalten, während man Körper, indenen die Kohlenstoffatome sich sämmtlich nur in einfacher Bindungbefinden, als gesättigte Verbindungen bezeichnet.
Die gesättigten, bezüglich die sogenannten ungesättigten Ver-bindungen kennzeichnen sich als solche besonders durch ihrVerhalten gegen die Halogene. Während die gesättigten Ver-bindungen unter dem Einflüsse der Halogene, unter Entwickelungvon Halogenwasserstoff, Halogensubstitutionsproducte liefern,bilden die sogenannten ungesättigten Verbindungen mit den Halo-genen, unter Aufhebung der mehrfachen Kohlenstoffbindungen, directeAdditionsproducte (vgl. S. 47 u. 48). Die sogenannten ungesättigtenVerbindungen, welche nur eine doppelte Bindung enthalten, addirenhierbei zwei Atome Halogen, diejenigen, welche zweimal eine doppelteBindung oder einmal eine dreifache Bindung enthalten, addiren dagegenje vier Atome Halogen.
In zahlreichen organischen Verbindungen ist zwischen den Kohlen-stoffatomen nicht nur eine doppelte Bindung vorhanden, sondern derenzwei oder mehrere. Letzteres ist besonders der Fall in einer Gruppekohlenstoffreicher und relativ wasserstoffarmer Verbindungen, welcheman mit dem Namen der aromatischen Verbindungen zusammenfasst.Die einfachste Verbindung dieser Gruppe ist das Benzol: C e H 6 , in welchemvon den 24 Affinitätseinheiten der vorhandenen sechs Atome Kohlenstoff,18 durch gegenseitige Bindung befriedigt sind, mithin nur sechs freieValenzen übrig bleiben. Diese Thatsache findet am einfachsten eine Er-klärung durch die Annahme eines geschlossenen Kohlenstoffringes,in welchem die einzelnen Kohlenstoffatome abwechselnd durch einfacheund durch doppelte Bindung zusammengehalten werden:
Schmidt, pharmaceutische Chemie. II. 4.