Druckschrift 
Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
Entstehung
Seite
998
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

998

Moschus.

I

f

H■

I

Hl11

Schicht streichen lassen, einen bitterlichen Geschmack und den eigenthüm-lichen, starken, lange anhaltenden Geruch besitzen. Die Beutel sind aufder einen Seite convex und hier mit kurzen , brüchigen, in der Mitte zueinem Wirbel zusammenstehenden braunen Haaren besetzt. Auf der andernd. i. der Seite, wo sie auf dem Körper autsassen, sind sie fast flach.

Der Handel mit Moschus ist wahrscheinlich schon sehr alt. Die Haupt-wohnorte des Moschusthieres, die tübetanischen Hochlande sind vielleichtdas Stammland der Menschen. Gewiss ist, dass sich hier die er-sten und uralten Wohnsitze der später nach Vorderindien herabzie-henden altindischen Völkerstämme befanden. Diesen war das Moschus-thier bekannt. Der Name kommt in allen indischen und semitischen Spra-chen vor und gewiss war der Handel bei der Vorliebe der Orientalen fürangenehme Riechmittel schon sehr früh nach Indien, Persien, später nachArabien ausgebreitet. Gegenwärtig haben ihn die Chinesen sich ganz an-geeignet und denselben durch ihr ganzes Gebiet vollständig organisirt. Dieihnen tributpflichtigen Stämme der Westländer bezahlen damit einen Theilihres Tributes. Ausserdem bestehen in den Grenzstädten Stationen, in wel-chen Beauftragte den von den Bergländern herabkommenden Jägern denMoschus eintauschen, ihn einer gleichmässigen Behandlung und Verpackungunterwerfen und nach den Grosshandelsplätzen befördern. Der aus dieserQuelle kommende tunquinische oder chinesische Moschus, Moschus tunqui-nensis, ist der bessere. Es sind kleinere mit braunen Haaren besetzte Beu-tel und der Inhalt ist innerhalb des Felles in einem einzigen dünnen zartenHäutchen. Es ist in hohem Grade wahrscheinlich, dass diese Vorzüglich-keit ausser den für die Entwickelung vielleicht günstigeren südwestliehenWohnorten auch der besseren und sorgfältigeren Behandlung zuzuschreibenist, welche er vor dem, aus nördlich und nordöstlich gelegenen Bergzügenüber Russland in den Handel gelangenden, kabardinischen, oder sibirischenMoschus, Moschus sibiricus, voraus hat. Dieser letztere ist in grössern läng-licheren und flacheren mit längeren weissgrauen Haaren besetzten Beutelneingeschlossen und innen mit vielen Häuten durchzogen. Er besitzt vielweniger den eigenthümlichen, reinen Moschusgeruch.

Bestandtheile. Flüchtige Stoffe, Ammoniak, Harz, Stearin, Elain,Cholestearin, Proteinkörper und Salze.

Verfälschungen. Bei einem so theuren Handelsartikel, wie derMoschus, liegt die Furcht vor Verfälschung sehr nahe. Die Eigenthümlich-keit des Zustandes, in welchem er in den Handel kommt d. h. in einemgeschlossenen Beutel ist aber der beste und wirksamste Schutz davor. EineVerfälschung von Moschus, welcher in einem unaufgemachten, ächten Beutelenthalten, ist nicht gut möglich. Hin und wieder befindet sich ein Bleikorndarin um das Gewicht zu vermehren. Viel häufiger sind darin feste, nichtzerreibliche, in Wasser unlösliche, grösstentheils aus verharzten Fettstoffenbestehende längliche kuglige Körperchen, die aber wahrscheinlich ein ebenso natürliches Exsudat sind, als der Moschus. Man hat, um vor Verfäl-schung sicher zu sein, nur nöthig gute chinesische Beutel zu kaufen. DieFurcht vor Verfälschung des Moschus mit Ochsenblut pflanzt sich nur inden Büchern fort. Im Handel mit China kommt derartiger Moschus nichtvor. Sollte Ochsenblut wirklich als Verfälschung von Moschus vorkommen,so geschieht dieselbe nur in zweiter oder dritter Hand und wäre sie durchden Nachweis von Hämatin oder durch den Eisenhalt der Asche zu offenbaren.

Hirsch. Cervus elephas.Die Hirsche, Cervus, sind Wiederkäuer mit soliden periodisch ab-