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Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
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999
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Hirsch.

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fallenden Hörnern (Geweihen) Fig. 357—359, die meist nur die Männchentragen. Die Geweihe sind die Fortsätze der Stirnbeinhöcker. Sie werdenalljährlich abgeworfen und ersetzen sich in stärkerer und mehrästigererGestalt. Unter den vordem Augenwickeln stülpt sich die Haut zu einemSack, der Thränengrube, ein. In diese wird ein schmieriges Sekret abge-sondert, welches mit der Zeit erhärtet und so mit Haaren vermischt aus-geworfen wird, es sind die sog. Hirschthränen.

Der Hirsch, Edel- oder Rothhirsch, Rothwild, Cervuselephas hat rundliche Geweihe Fig. 358, mit eben solchen rundlichenAesten.

Fig. 357.

Fig. 358.

Fig. 359.

Die Nase ist kahl, der Schwanz von halber Ohrenlänge, der Körper bräun-lich, im Sommer röthlich. Bei beiden Geschlechtern ist oben je ein Eckzahn.Er wirft sein Geweih im Februar ab , davon heisst dieser Monat Hornung.Das einjährige männliche Kalb heisst von der Gestalt des Geweihes Spiesser,das zweijährige Gabler.

Der Damhirsch, Cervus dama, hat schaufelartige Fig. 357, das Reh,Cervus capreolus, kurze wenig ästige Geweihe Fig. 359.

Lebensweise und Wohnorte. Der Edelhirsch hat seine Heimathin Europa. In Asien und Amerika wird er durch andere Arten ersetzt, sodurch den Axishirsch, Cervus axis in Ostindien, den Pampas-Hirsch,Cervus campestris in Südamerika, den virginischen Hirsch, Cer-vus virginianus, den kanadische Hirsch oder Wapiti, Cervuscanadensis in Nordamerika. In Europa war der Edelhirsch überall hei-misch, Russland ausgenommen. Der Edelhirsch und das Reh, Cervus ca-preolus, sind ohne Zweifel die graziösesten Säugethiere unserer Wälder.Der Edelhirsch war in Deutschland sehr häufig, Rudel von hunderten such-ten sich einst zwischen Main, Neckar und in den grossen Wäldern derElbe-, Weser-, Donau- und Oder-Flussgebiete ihre Nahrung Heut habensie sich ausserordentlich vermindert. Er lebt, wo er noch wild vorkommt,zerstreut und flüchtig, sonst meistens nur noch aus Gnade, oder als einegepflegte Zierde und Lieblingsunterhaltung in umhegten Wäldern. Urwüch-sig und in viel ausgedehnterem Masse ist noch das Rehwild vorhanden.

Der Nutzen des Hirsches wird eben durch sein Verschwinden im-mer untergeordneter; Hirschbraten ist eine leckere, aber immer seltenereSpeise. Das Fett, die Geweihe sind nutzbar, aber in geringer Menge vor-handen. Auch sein Werth, in therapeutischer Hinsicht, hat sich aus sol-chem Grunde vermindert. Sonst war dies nicht so. Fast alle Theile desHirsches wurden, um ihrer heilsamen Wirkung wegen, geschätzt und viel-fach verwendet. Es geschieht dies wohl noch heut, aber Hirschtalg, Hirsch-horn, Hirschhornöl, Hirschhornsalz sind blosse Namen. Als Ursprungsquelledieser Arzneien hat der Hirsch längst seine Bedeutung verloren.