S12 Die Organe der Pflanzen.
Allgemeine Botanik.
Die Organe der Pflanzen.
Einfache Organe. Die Bedeutung, welche in der Chemie undMineralogie die chemische Analyse hat, hat in der Botanik das Mikroskop.Durch dieses ist man im Stande in das innere Leben der Pflanzen einzu-dringen , ihren inneren und äusseren Bau in seiner Grundbildung zu be-trachten und so gewissermassen die Pflanze zu analjsiren. Zerlegt manauf diese Weise irgend einen The.il einer Pflanze, es sei dies ein Theilihrer Blüthe, Blätter, Stengel, ein Stück Holz etc. in die kleinsten Grundgebilde,so kommt man auf der letzten Grenze stets auf kleine Körperchen, die, ob-wohl sie nach den Orten, wo man sie antrifft in ihrer Gestalt abweichen,bei näherer Betrachtung nicht nur in ihrer Grundform übereinstimmen,sondern auch überall dieselbe Grundbestimmung haben: den Le-bensprozess der Pflanze zu vermitteln. Diese Körperchen tretenals kleine häutige Schläuche auf, deren Form nach ihren näheren Bestim-mungen nicht immer genau dieselbe ist, im Wesentlichen aber auf dieGrundform einer kugeligen dünnwandigen Zelle hinausläuft und hiervonauch die Bezeichnung Pflanzezelle oder Zelle erhalten haben.
Sieht man bei der Zergliederung eines Pflanzentheiles von der Be-trachtung der einzelnen Zelle ab, betrachtet man dieselbe vielmehr in Be-ziehung zu ihren Naehbarzellen, so findet man dieselben, ganz besondersbei den höher entwickelten Pflanzen, in eine Nachbarschaft gestellt, inwelcher sich mehrere, oder unendlich viele Zellen, durch ihre besondere Ge-stalt vollständig gleichen. Bleibt man bei der Betrachtung der Gestalt diesersich gleichenden Zellen nicht stehen, sondern verfolgt auch die Zwecke,die sie zu erfüllen haben, so wird man gewahr, dass sich die Grundbe-stimmung der Pflanzenzelle in ihren ersten elementaren Anordnungen aufdiese gleichgesta.ltigen Zellenanhäufungen überträgt. Solche Zellenanhäu-fungen sind die Oberhaut, die Röhren und die Gefässe der Pflanze.
Nach dieser ihrer einfachsten Zusammensetzung und nach ihrer Grund-bestimmung hat man die Pflanzenzellen und die daraus gebildeten Gefässe,Röhren und Oberhaut als die einfachen oder Elem entar-Organe derPflanze bezeichnet.
Zusammengesetzte Organe. Das Leben und die Entwiekelungder Pflanze geschieht vor unsern Augen in einer gewissen Aufeinander-folge , die wir nach Begriffen, die aus den Erscheinungen unseres eigenenLebens- und Entwickelungsprocesses entnommen sind, bezeichnen. Wirverfolgen die keimende Pflanze, wir sehen sie wachsen, ihre Gestalt ent-wickeln, an Masse zunehmen, und betrachlen diese Zunahme als den Aktder Ernährung der Pflanze. Verfolgen wir diesen, so beobachten wir, dassdie Entwiekelung jeder einzelnen Pflanze und die aller zusammen auf ei-nen mit der steigenden Entwickelnng immer schärfer hervortretenden inne-ren Lebenszweck hinausläuft. Dieser innere Lebenszweck der Pflanze,der sich so offenbart, ist: ihreFortpflan zung und Vermehrung. Auchdie Erscheinungen, welche zu diesem inneren Lebenszwecke der Pflanze ge-schehen , haben wir nach den Begriffen gemodelt, welche uns die Lebens-erscheinungen der animalischen Vermehrung und Fortpflanzung boten.
Nach diesen Begriffen geht die Vermittelung der erwähnten beidenProzesse des Pflanzenlebens gleich wie die des animalischen Lebensproces-ses, ; ; besonders von bestimmten Theilen der Pflanze aus. Wurzel, Blätter.Blüthe, Samen etc. sind solche Pflanzentheile. Sie sind sämmtlich aus deneinfachen Organen, aus Zellen, Röhren und Gefässen zusammengesetzt und