Botanik.
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Ein weiterer Schritt in der Beobachtung der Pflanze in dem unterge-ordnetsten Entwickelungsstadium offenbart den Zweck der Bewegungser-scheinung und der funktionellen Thätigkeit der Organe: die Entwicke-lung und das Wachsthum derPflanze vonlnnen heraus. DiesenZweck, von welchem wir in der Aufeinanderfolge der Jahreszeiten undder verschiedenen Entwickelungsstadien der Pflanzenwelt Jahr aus Jahr einZeugen sind, kann man sehr deutlich mit bewaffneten Augen an den ein-fachsten Pflanzenwesen z. B. den Hefenzellen, den Schimmelpilzen etc. ver-folgen.
Ein derartiger Verfolg, ob im Bereich der untergeordnetsten Pflan-zenwesen, oder in dem der grossen Erscheinungen der Pflanzenwelt, offen-bart als einen weiteren charakteristischen Unterschied der Pflanzenzelle vondem Mineral: das Vermögen der Pflanzenzelle, diejenigenStoffe, welche die Quelle ihrer Entwickelung sind, umzu-bilden. Die Quellen, woraus die Pflanze ihr Wachsthum schöpft, sindwesentlich die Kohlensäure , das Wasser und die Ammoniakverbindungen,welche derselben theils aus dem Boden, theils aus der Luft zugeführt wer-den. Aus dieser ihrer eigentlichen Nahrung schafft die Pflanze die mannig-fachen Kohlenwasserstoff- und Stickstoffverbindungen, welche dann theilsihre Organe bilden, theils in eigenen Behältern abgelagert werden. Einer-seits die Bildungsprodukte der Pflanze z. B. die Holzfaser, das Stärkemehl,der Zucker, die ätherischen und fetten Oele etc., sowie der Kleber, dasEiweiss, die stickstoffhaltigen Pflanzenbasen etc., andererseits die Quel-len, aus denen sie stammen: Kohlensäure, Wasser und Ammoniak sindganz heterogene Körper. Während also das Wachsthum eines Mineralesnur durch Anhäufung von Aussen und nur durch Aufnahme gleichartigerTheile möglich ist, ist es eine Bedingung für das Wachsthum der Pflanzevon Innen heraus und durch Umbildung der aufgenommenen Substanzenzu wachsen.
Von diesen in ihrem innersten Wesen verschiedenen Erscheinungen,welche sich in der Betrachtung und Vergleichung der Minerale und der Pflan-zenwelt bieten, sind die systematischen Unterschiede- abhängig, welche wirim Besondern zwischen einem Mineral und einer Pflanze, im Allgemeinenaber auch zwischen dem Mineralreich und dem Pflanzen- und Thierreieh,oder dem unorganischen und organischen Naturreiche machen. Die Summeder Erscheinungen, welche wir an der Pflanze beobachten, ihr Erstehen,ihre Entwickelung, die Aufnahme von Nahrungsstoffen, die Umbildung deraufgenommenen Stoffe und die Zunahme an Masse nehmen wir als auseiner Quelle fliessend an, welche der Krystall und das Mineral nicht be-sitzen. Wir nennen die Pflanze lebend, den Krystall leblos, die Quellejener Erscheinungen an der Pflanze Leben.
Als Vermittler der Erscheinungen des Lebens der Pflanze sind ein-zelne Theile derselben besonders thätig, von denen im Einzelnen die Aus-führung besonderer Lebenszwecke, von ihrer Gesammtthätigkeit aber, vondem Ineinandergreifen aller Sonderzwecke der Gesammtzweck der Pflanzeerfüllt zu werden scheint. Diese besondern Theile der Pflanze nennen wirihre Organe, und rechnen die Pflanzen zu den organisirten Wesen.
Diejenige Wissenschaft, welche uns die Pflanzen kennen lehrt, istdie Botanik, oder Pflanzenkunde.
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