IV, Abtheilung.Botanik.
Einleitung.
Das Mineral und die Pflanze. Die Gleichartigkeit der einzelnenBildungstheilchen, der Mangel aller eigentlichen Lebenswerkzeuge und Le-benserseheinungen, so wie der Mangel jedes uns wahrnehmbaren Periodis-mus sind die allgemeinen charakteristischen Merkmale eines Minerales. DiePflanze dagegen ersteht vor unsern Augen, wir sehen sie sich ernährenund entwickeln, durch die Thätigkeit ihrer Lebensorgane von Innen her-aus vrachsen, sich fortpflanzen und endlich verwelken.
Diese allgemeinen charakteristischen Merkmale der Pflanze, welchesie von dem Mineral trennen, offenbaren sich, sowohl in allen Entwicke-lungszuständen der Pflanzen, als auch in den verschiedenen Erscheinungen,welche diese begleiten. In der einfachsten Form und dem niedrigsten Ent-wickelungszustande erscheint uns die Pflanze als ein kleines dünnwandigesBläschen, in welchem diese Wandung und der Inhalt des Bläschens den gan-zen Bestand der Pflanze ausmachen. Im Wesentlichen stellt ein solchesBläschen eine Pflanzenzelle vor, wie denn eben die allereinfachsten Pflan-zen nur aus einer Pflanzenzelle bestehen. Aber auch in dieser ist dieGleichartigkeit der Bestandteile eines Minerales nicht mehr vorhanden.Die Wandung der Pflauzenzelle und ihr Inhalt sind sehr deutlich von ein-ander zu unterscheiden.
Charakteristischer aber als dieser sachliche Unterschied erscheint derUnterschied zwischen Mineral und Pflanze dadurch, dass auch in der ein-fachsten Pflanze Erscheinungen vor sich gehen, welche alle einem bestimm-ten fassbaren Zwecke dienen und welche von der Thätigkeit bestimmterOrgane ausgehen.
Wenn man nur die einfachste Form der Pflanze im Auge behält,so ist die erste, auffallendste und unterscheidensteErscheinung: die Bewe-gung, welcher der Inhalt der Pflanzenzelle ausgesetzt ist.
Die nächste Folgerung aus dieser Erscheinung ist: die Thatsacheeiner funktionellen Thätigkeit bestimmter Organe. In dereinfachsten Pflanze übt, wie dies später noch erörtert werden wird, dieZellenwandung diese Thätigkeit aus.