Vulkane und vulkanisches Gestein.
801
gebüsst hatte, theils weil auch die Reactionen des Erdinnern seltener und be-schränkter wurden, wurde auch die mechanische Gewalt der Wasserströmun-gen weniger mächtig, die aufgewühlten emporgehobenen Gesteinstheilchenweniger schwer und hierdurch sowohl, als durch das Mangeln der Bindemittelund durch den geringen Druck gestalteten sieh die späteren Gesteinsschich-ten, die secundären oder Flötzgebirgsschichten, Muschelkalk, bunter Sand-stein, Kreide, Quadersandstein etc. weniger dicht, aber um so mächtigerdurch ihre Masse, Ausdehnung und Verbreitung.
Tertiäre und quaternäre Bildungen. Aber auch nach derBildung des Plötzgebirges sind die Ursachen und Wirkungen der Verän-derung der Erdoberfläche vorhanden geblieben, nur haben sie sich in ihrerIntensität nach und nach verringert. Sowohl die chemische Lösungsfähig-keit der Gewässer, als die mechanische Gewalt derselben ist nach und nachschwächer geworden. Dieserhalb verloren die später entstehenden Gesteineden festeren Zusammenhang und den Charakter gewaltsamer Veränderun-gen. In dieser Weise sind die Schichten entstanden, die unter der Bezeich-nung tertiäre und quaternäre Bildungen die obersten Lagen der Erdenrindebilden.
Vulkane und vulkanische Gesteine, Nach unserer Vorstellungist nach der Bildung der Urfelsarten die innere Masse der Erde nochnicht vollständig erhärtet geworden. Der Kern unserer Erde — nach jenerVorstellung der überwiegend grösste Theil dieser — • befindet sich noch ge-genwärtig in feurig-flüssigem Zustande. Die erkaltete Erdmasse ist nichteine absolut dichte Masse, sondern ist in ihrem Innern durch eine grosseMenge von Klüften und Spalten zerrissen, die nicht selten in ausgedehntemMaasse zusammenhängen und einerseits bis auf die glühende flüssige Erd-masse, andererseits bis dicht an die Erdoberfläche reichen. Gelangt in dasSystem von Klüften und Oeffnungen Wasser, so stürzt dies, von Kluft zu Kluftweiter dringend, endlich auf die glühend flüssige Erdmasse. Die Wirkung da-von steht im Einklang mit dem dadurch erzeugten plötzlichen Entstehen furcht-bar überhitzter und gespannter Wasserdämpfe. Die mit den Klüften in unmit-telbarer Verbindung stehenden Gesteine werden durch die fürchterliche Ge-walt in ihren Grundfesten erschüttert und theilen die Erschütterung ausge-dehnten Länderstrecken, oft ganzen Welttheilen mit. Das Phänomen selbstist das Erdbeben. Finden die erhitzten Dämpfe Auswege an die Ober-fläche der Erde, so entweichen sie hier und führen dabei Asche, leichteGesteine, Bimstein etc. mit sich. Sowie aber diese Auswege verschlossenbleiben und die auf so furchtbare Art erhitzten und durch die Absperrungvon Aussen gewaltig gespannten Dämpfe unmittelbar auf den innerenflüssigen Erdkern drücken, so zwingen sie denselben zu einer Erhebung,Durch die der flüssigen Erdmasse innenwohnende hohe Temperatur werdenalle Gesteine, die von dem Flusse berührt werden, geschmolzen und mit inden Fluss hineingezogen. Es durchbricht die feurig flüssige Masse, getrie-ben von dem Druck der Dämpfe, endlich die absperrende Erddecke undfliesst in glühenden Strömen so lange aus, bis die Spannkraft der Dämpfenachgelassen und die Gewalt über jene eingebüsst hat. Die durchKlüfte und Spalten mit dem Erdinnern verbundenen und bis an die Erd-oberfläche reichenden ungeheuren Schlote nennt man Vulkane. Fig. 270.Die Oeffnungen derselben nach der Oberfläche der Erde liegen in kegelför-migen Erderhebungen, in denen trichter- oder kesseiförmige Vertiefungen (Kra-ter) gebildet sind. Der Aetna hat an 700 Krater, welche aber fast alle durch er-härtete Lavamassen geschlossen sind. Bei den noch jetzt thätigen Vulkanen stei-Ziurek, Elementar-Handbuch der Pharmacie. 51
2a
I