Druckschrift 
Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
Entstehung
Seite
765
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Amorphe, vmkrystallinische Mineralien.

T65

Ausbildung erlangt, geschehen. Man nimmt, wenn man ein Mineral zer-bricht oder zerschlägt einen mehr oder weniger regelmässigen inneren Baudesselben gewahr. Diese innere Gestaltung nennt man die Structur derMineralien. Die Flächen, nach welchen ein Mineral vermöge seiner Struc-tur sich spalten lässt, heissen die Spalt u n gs flächen. Sie sind beikrystallisirten Mineralien den äusseren Krystallflächen vollkommen ähnlichund stehen mit ihnen in so genauem Zusammenhange, dass man an ihnendas Krystailsysfem der Minerale erkennen kann. Dies ist selbst dann mög-lich, wenn das Mineral nicht vollkommen krystallisirt ist. Die an einerSfelie beobachteten Spaltungsflächen und die Spaltbarkeit eines Mineralesfinden durch die ganze Masse desselben Statt Auch diess ist für die Un-terscheidung der Mineralien sehr wichtig. Es gleichen sich nämlich ausdiesem Grunde alle die durch die Spaltung eines Minerales erhaltenen klei-nen Blättchen selbst dann, wenn die äussere Krystallform auch sehr ver-schieden ist. Ausgezeichnet z. B. durch die Verschiedenheit seiner Kry-stallformen ist Kalkspath. Spaltet man aber einen Kalkspathkrystall, so er-hält man in den kleinen und kleinsten BläUchen immer kleine Rhomboeder.Diese durch die Spaltung der Krystalle erhaltenen Flächen nennt man Blät-terdurchgänge. Nicht bei allen Mineralien kann man die Blätterdurch-gänge gleich vollkommen charakterisirt erhalten. Nach relativer Vollkom-menheit unterscheidet man: sehr vollkommene, vollkommene undunvollkommene Blätterdurchgänge. Ferner beachtet man die Zahl unddie Art der Blätterdurchgänge. Ein-, zwei-, drei-, vier- und sechsfache Blät-terdurchgänge. Die dreifachen sind entweder rechtwinklig oder cubisch oderschiefwinklig und rhomboedrisch. Die vierfachen Blätterdurchgänge sindentweder regulär octaedrisch oder rhomben-octaedrisch. Alle krystallini-schen Mineralien, welche auf den Spaltungsflächen eine glänzende oder spie-gelnde Oberfläche zeigen, werden Späthe und späthig genannt, so z. B.Kalkspath,Schwerspath, Spatheisenstein etc. Wahrscheinlich, weil dieBildungder Mineralien oft in ungeheuren Massen erfolgt ist, haben die einzelnenKrystalle derselben sich nicht regelmässig entwickeln können, sie sind ohnebestimmte Ordnung miteinander verbunden und bilden dichte Massen vonausserordentlich kleinen und vielen Krystallen. Solche Mineralien nenntman krystallinisch. Die ursprünglich befolgte Anordnung der Krystallelässt sich auch hier bei dem Zerschlagen wahrnehmen. Derartige Minera-lien bezeichnet man als: körnig, blättrig, schuppig, strahlig,stänglig oder faserig, je nachdem dieselben durch ihre verschiedeneAusdehnung nach Länge, Breite und Dicke jene Bezeichnungen verdienen.

Amorphe, unkrystallinische Mineralien.

Mineralien, welche keine regelmässige Oberfläche haben, weder eineKrystallbildung, Blatterdurchgänge noch krystallinische Textur erkennenlassen, nennt man amorphe oder unkrystallinische Mineralien.

AeussereFormen. DieBezeichnuugihrer äusseren Formen entnimmtman aus ihrer verschiedenen Ausdehnung nach Länge, Breite und Höheund aus ihrer empyrischen Vergleichung mit andern Körpern.

Mineralien, deren Ausdehnung nach den drei Richtungen ziemlich gleichist und die entweder mit andern Mineralien verwachsen, oder als ganze Ge-birgsmassen, immer aber in formloser, unbegrenzter Masse vorkommen, be-zeichnet man als derb, jene die in andere Mineralien eingewaschen immereng begrenzt sind und selten Haselnussgrösse haben als eingesprengt.Kommen die Mineralien frei oder leicht trennbar von der sie umhüllendenMasse vor, so nennt man sie je nach ihrer Grösse Körner oder Sand.

1,