Druckschrift 
Elementar-Handbuch der Pharmacie : mit Berücksichtigung der sämmtlichen deutschen Pharmacopöen und Medicinalordnungen
Entstehung
Seite
363
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Vorgang der chemischen Verbindung.

363

In gleicher Weise treten die Atome zusammengesetzter Körper zuweiteren chemischen Verbindungen zusammen.

Bedingungen für die Wirkung der chemis c hen Verwand-schaft. Günstige Bedingungen für die Bildung chemischer Verbindungensind alle jene Processe, welche die erforderliche innige Berührung derKörper entweder unmittelbar herbeiführen oder vermitteln. Alle solchenBedingungen fördern die Bildung chemischer Verbindungen. UngünstigeBedingungen für die Aeusserungen der chemischen Verwandschaft sind allejene Processe, welche die Berührung verhindern oder verringern. Allesolche Bedingungen verhindern entweder die Bildung chemischer Verbindun-gen oder veranlassen chemische Zersetzungen.

Der Affinität entgegen wirkt die Cohaesion der festen Körper. DieAufhebung der Cohaesion, sei es durch Wärme oder durch Auflösen, istdaher, bis zu einem gewissen Grade, eine der günstigen Bedingungen zurBildung chemischer Verbindungen. Durch hochgesteigerte Temperaturgradewerden aber wiederum die meisten chemischen Verbindungen zerlegt.

Gleiche Erscheinungen bietet das Licht. Viele chemische Verbin-dungen werden durch denEinfluss des Lichtes gebildet, Chlorgas und Was-serstoffgas , das sich gemischt im Dunkeln nicht verbindet, vereinigt sicham Sonnenlicht unter Feuererscheinung zu Chlorwasserstoffgas. Eine un-endliche mannigfaltige Reihe von Verbindungen im Pflanzenreiche wirdnur unter dem Einflüsse des Lichtes gebildet. Andere chemische Verbin-dungen werden durch das Licht zerlegt. Die Schwärzung der Silbersalze,das Erscheinen der Lichtbilder gründet sich darauf, dass die chemischeVerbindung der Silbersalze durch den Einfluss des Lichtes zerlegt wird.

Die Elektrizität unterstützt in vielen Fällen die chemische Verwand-schaft, in andern, wie z. B. in der Galvanoplastik zerlegen sich unter ihremEinfluss die chemischen Verbindungen.

Contactsubstanzen. Gewisse Körper, z. B. Platinschwamm be-sitzen die Eigenschaften andere Stoffe innerhalb ihrer Poren zu verdich-ten , und so durch eine innigere Berührung die chemische Verbindungderselben zu vermitteln. Solche Substanzen nennt man Contactsub-stanzen. Auf diese Weise wird durch Vermittelung von Platinschwammaus Wasserstoffgas und Sauerstoffgas Wasser, aus Alcohol, Essigsäureu. s. w.

Die Fähigkeit dieser Vermittelung und Erzeugung chemischer Ver-bindungen bezeichnet man mit dem Begriff der katalytischenKraft.

Isomerie. In den Verbindungen der Körper tritt uns]; zuweilendie auffallende Thatsache entgegen, dass zwei zusammengesetzte Kör-per, welche genau dieselbe Bestandtheile und auch dieselbe Zahl der Aequi-valente, und dabei doch nicht dieselben Eigenschaften besitzen. Besondersauffallend ist diese Verschiedenheit unter den Verbindungen des Kohlen-stoffes und Wasserstoffes. Amylum z. B. hat genau dieselbe Zusammen-setzung, wie sie Holzfaser hat, und ist doch in ihren Eigenschaften ausser-ordentlich von dieser verschieden. Mehrere ätherische Oele haben genaudieselbe Bestandtheile und Zusammensetzung und doch ist z. B. Citronenölund Terpenthinöl durch seine physikalischen Eigenschaften sehr von einan-der unterscheidbar. Derartige Verbindungen nun, welche dieselben Be-standtheile und dieselben Verhältnisse dieser enthalten, dabei aber dochverschiedene Eigenschaften zeigen, nennt man isomerische Verbin-dungen.