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Wahlverwandtschaft.
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Bringt man z. B. zusammen: Salpetersäure und Silberoxyd (als sal-petersaures Silberoxyd) und Chlor und Natrium (als Chlornatrium, Koch-salz), so tritt Silberoxyd (nachdem es seinen Sauerstoff abgegeben) andas Chlor zu: Chlorsilber, Natrium (nachdem es Sauerstoff aufgenommen)an die Salpetersäure zu: Salpetersaurem Natriumoxyd zusammen. Die Ur-sache ist, dass das Silber zum Chlor eine grössere Verwandtschaft be-sitzt, als das Silber zum Sauerstoff und als Silberoxyd zur Salpetersäure.Man betrachtet diese wechselseitigen Zersetzungen als Erscheinungender doppelten Wahlverwandtschaft.
Wenn eine chemische Verbindung durch die Gegenwart eines be-stimmten Körpers zersetzt wird, so betrachtet man dies als Erscheinungder prädisponirenden Verwandtschaft.
Vorgang der chemischen Verbindung. Das Körperatomhat man sich zu denken, als entstanden aus der formlosen, absolutträgen Materie unter dem Einflüsse der elementaren Kräfte. Jedes Atomist umgeben mit einer Aetherhülle. Eine Vereinigung ungleichartigerAtome zu einem neuen Körper geschieht nur, wenn die Atome sichso nahe berühren, dass die chemische Verwandtschaft den Widerstandüberwindet, welchen die das Atom umgebende Aetherhülle derselbenentgegengesetzt. Für das Zustandekommen einer chemischen Verbindungist daher eine ihrer Affinität entsprechende innige Berührung der Körpererforderlich.
Legt man ein Stück Schwefel auf ein Stück Eisen, so werdenkeine bemerkbaren Veränderungen an den beiden Körpern vor sich gehen.Aehnliches bemerkt man, wenn man salpetersaures Silberoxyd und Chlor-natrium in ganz trockenem Zustande miteinander in Berührung bringt.Selbst gasförmige Körper z. B. Sauerstoff und Wasserstoff genau in demVerhältniss, als sie Wasser bilden zusammengebracht, können nebenein-ander bestehen, ohne dass sie die Verbindung eingehen. Schmilztman aber den Schwefel, bringt denselben mit Eisen, das bis zur Roth-gluth erhitzt war, in Berührung, so wird sich aus ihnen unter heftigerFeuererscheinung ein neuer Körper Schwefeleisen bilden. Vermittelt manferner die Berührung von salpetersaurem Silberoxyd und Chlornatrium nurdurch einige Tropfen Wasser, so wird sich sogleich Chlorsilber und salpe-tersaures Natron bilden, und lässt man durch das Gasgemisch (Sauerstoffund Wasserstoff) einen starken electrischen Funken schlagen, oder bringtman das Gemisch durch einen hineingelegten Platinschwamm in innigereBerührung, so wird sogleich, im ersteren Falle unter heftigem Knalle, imzweiten allmälig die Bildung von Wasser vor sich gehen.
Ist die Berührung in dem erforderlichen Grade vorhanden, so durch-brechen die Atome der einfachen heterogenen Körper ihreAetherhülle, legen sich aneinander, sind fortan nur von ei-ner Aetherhülle umgeben und bilden das Atom eines zusam-mengesetzten Körpers, welches mechanisch ebenso untheil-bar, als das Atom des einfachen Körpers und nur durch che-mische Theilung in die elementaren Atome zerlegbar ist. Dieeine chemische Verbindung constituirenden Grundstoffe nennt man Radi-cale. Zwei Radicale, die sich zu einer chemischen Verbindung vereinigen,geben eine Verbindung erster Ordnung. Durch die Vereinigungzweier Verbindungen erster Ordnung entsteht eine Verbindung zweiterOrdnung, durch zwei Verbindungen zweiter Ordnung eine Verbindungdritter Ordnung.