138
Der praktische Apothekenbetrieb.
Mancher Laborant ist den ganzen Tag emsig beschäftigt und dochwird die Arbeit wenig gefördert, ein anderer leitet mit viel geringerer eige-ner Anstrengung die gesammte Fabrikation mit Leichtigkeit und Sicherheit.Der Unterschied liegt immer in der verschiedenen Eintheilung der Ar-beiten.
Als Grundlage einer richtigen Arbeitseintheilung ist zuerst die Kennt-niss des ungefähren Verbrauches erforderlich, welcher in einem Geschäftefür die anzufertigenden Präparate stattfindet. Dafür erhält der Laborantanfänglich Aufschluss von dem Principal und gewöhnlich auch durch denUmfang der vorhandenen Vorrathsgefässe.
Aus dieser Schätzung , aus der Erwägung der zu Gebote stehendenUtensilien, Apparate und Arbeitskräfte ergibt sich im Allgemeinen die Be-stimmung über die in Arbeit zu nehmende Menge des Rohmateriales. Esist unzweckmässig , sehr kleine Mengen in Arbeit zu nehmen , namentlichfür solche Präparate, welche gangbar und haltbar sind; aber noch unzweck-mässiger ist es, so grosse Mengen in Arbeit zu nehmen , dass man diesel-ben mit den einmal vorhandenen Arbeitskräften nicht bewältigen kann undauch die vorhandenen Gefässe den für die Arbeiten erforderlichen Raumin-halt nicht gewähren. Hier die rechte Mitte zu halten, ist sehr nöthig.
Wenn im Allgemeinen über die Verhältnisse der in Arbeit zu neh-menden Mengen des Rohmateriales entschieden ist, so hat man auch dieArbeiten selbst richtig zu vertheilen. Und zwar hat dies ebensowohl inRücksicht auf die Personen, von denen die Arbeiten zu leisten, als inRücksicht auf die Zeit, in welcher dieselben vorzunehmen sind, zu ge-schehen. Der Laborant hat zu bestimmen: welchen Theil der Arbeiten erselbst, welchen Theil der im Laboratorium beschäftigte Lehrling zu über-nehmen hat, und welcher andere Theil den Arbeitsleuten zufällt. Der rich-tige Gesichtspunkt für diese Restimmung ist nur der eine : die möglichstgrosse Förderung der Arbeit. Der verständige und umsichtige Laborant wirdsich selbst vor keiner Arbeit scheuen, er wird, wo es nöthig ist, mit Handanlegen, jede Arbeit ausführen, und er muss sie alle bis zum Stossen, Sie-ben, Gefässe reinigen zu üben verstehen, aber er wird wissen, dass erdurch die eigene Ausführung dieser Arbeiten gezwungen ist andere undwichtigere zu vernachlässigen und damit die Gesammtarbeit wenigerzu- fördern. Eben so fehlerhaft, als diese Anordnung ist eine andere,nach welcher der Laborant die Arbeitsleute von ihrer Arbeit fortwährend da-durch abzieht, dass er für eine Menge Handleistungen ihrer Dienste bedarf.Der Laborant muss wissen, dass fast alle die von den Arbeitsleuten aus-zuführenden Arbeiten doppelt gefördert werden, wenn dieselben mög-lichst ununterbrochen, hintereinander weg ausgeführt werden können. Esmuss sein unablässiges Bemühen sein, die Arbeiten für den Stösser so ein-zutheilen, dass dieser, nachdem die tägliche Reinigung der Gefässe undApparate und Lokale vollzogen, die nöthigen Geschäftsgänge abgemachtsind, eine möglichst grosse und ununterbrochene Zeit zur Anfertigung der Pul-ver, Species oder der sonst erforderlichen Arbeiten verwenden kann. Er hatdarauf zu sehen, dass derselbe nur durch die nöthigsten Arbeiten davonabgezogen wird und der Prinzipal wird ihn gewiss darin unterstützen. Esist daher ganz fehlerhaft, wenn er selbst den Arbeitsmann für eine Mengekleiner Handleistungen, z. B.Kohlen anlegen, Anspülen von Gefässen etc., dieer eben so gut selbst vollziehen kann , abruft , oder wohl gar ihm Arbei-ten aufträgt, die nur von dem Laboranten selbst vollzogen werden sollen.Eine derartige Eintheilung bringt es dann wohl zu Wege, dass der Arbeits-mann Defectarius wird, und sich dann zum Nachtheil dieses und des Ge-schäftes als solcher gerirt.