Defectur.
111
Beuteltuch, auch wohl aus Seide. Die Verschiedenheit der Feinheitsgrade derPulver, die eigenthümlichen Eigenschaften und Wirkungen der zu pulverndenArzneistoffe verlangen das Vorhandensein von sehr verschiedenen Sieben.
Nothwendig nicht nur für die Erhaltung der Siebe, sondern auch für dieErzeugung gleichmässiger Pulver und für die Förderung der Arbeit ist einesorgsame Behandlung der Siebe. Das anzuwendende Pulversieb muss trockenund rein sein. Darauf muss die Behandlung abzielen. Es muss daher nachjedem Gebrauche gereinigt und wenn diese Reinigung es nöthig machtgetrocknet werden. Die Reinigung der Siebe ist eine unerlässliche Bedin-gung. Man muss streng darauf halten. Man bedient sich zu diesem Be-hufe einer Bürste mit aufrechtem Stiel und starken Haaren. Die Siebewerden entweder trocken ausgerieben, wenn die gepulverte Substanz da-durch vollständig aus dem Siebe entfernt werden kann. Im andern Fallewerden sie ausgewaschen und getrocknet. Ebenso muss auch währenddes Siebens Acht sowohl auf die Erhaltung des Siebes als auf die Förde-rung der Arbeit genommen werden. Die Substanzen müssen nur gehörigzertrümmert in das Sieb gebracht werden. Die Menge der auf einmal indas Sieb aufzunehmenden Masse darf nicht zu gross sein. Das Durchfallender Pulvertheilchen darf durch kein anderes Mittel als durch Hin- und Her-bewegen zwischen den Händen geschehen.
Decantirungsgefässe. Sehr häufig hat man Flüssigkeiten vonfesten Körpern, welche darin suspendirt sind zu trennen.
Die einfachste Art der Trennung der Flüssigkeiten von darin suspen-dirten festen spec. schwereren Körpern besteht darin, dass man es der spec.Schwere der suspendirten Körper überlässt sich in den Flüssigkeiten zuBoden zu setzen und die Flüssigkeit dann durch allmäliges sanftes Neigender Gefässe abzugiessen oder zu decantiren versucht. In Fällen, wo diesmöglichst vollständig geschehen soll, wendet man den Heber an. SollenFlüssigkeiten von einander getrennt werden, so verwendet man den Schei-detrichter, oder die florentiner Flasche, oder die Pipette.
Filtrir-Apparate. Sehr häufig erfolgt eine solche Trennung durchdie spec. Schwere nicht oder nur sehr unvollkommen. Es ist erforderlichdurch mechanische Hülfsmittel die Flüssigkeiten von den festen, darinsuspendirten Körpern zu trennen. Entweder sind dies feste Arzneikorper,aus denen durch die Flüssigkeiten die löslichen Stoffe ausgezogen wordenwaren, oder es sind Unreinigkeiten, fremdartige Stoffe. Man verwendetzum Zweck der Trennung Filtrirapparate: das Collatorium und das eigent-liche Filtrum.
Colatorium. Das Seihetuch aus wollenem, leinenem oder Haar-gewebe verrichtet zu jenem Zweck seine Dienste durch die Eigenschaft,die es vermöge seiner Porosität besitzt. Es verwehrt, je nach dem Durch-messer seiner Poren, den gröberen oder auch den feineren in den Flüssigkeitensuspendirten Körpern den Durchgang. Man hat es daher bis zu einem ge-wissen Grade in der Gewalt die Klarheit der Flüssigkeiten durch die Wahlgröberer oder feinerer Gewebe zu bewirken.
Für den Zweck des Colirens ist es erforderlich der Flüssigkeit eine mög-lichst grosse Colatoriumfläche zu bieten. Man spannt daher die Colatoria aufviereckige in den Ecken mit Stiften versehene Rahmen, Tenakel. Auchverwendet man das Colatorium in Form von spitzen Säcken, Spitzbeutel.Unerlässliche Bedingung ist es, dass die Colatoria sauber gehaltenwerden. Reinlichkeit ist nirgend dringender erforderlich als hier. Nichtnur, dass dieselbe zur Erhaltung der Colatoria beiträgt, fördert sie auchdie Arbeit und schützt vor der grossen Unannehmlichkeit, dass Arzneien,die ihren Weg durch das Colatorium genommen und darauf in den
■