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Die chemischen Heilmittel und Gifte oder praktische Anleitung zur Erkennung und Prüfung ihrer Eigenschaften mit steter Berücksichtigung der preussischen Pharmakopoe : für Aerzte, Physiker und Apotheker, in alphabetischer Ordnung entworfen
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Trübung hervorgebracht wird, filtrire abermals, fälle das Filtrat durchSchwefelwasserstoffgaa vollkommen aus, filtrire von Neuem, lasse biszur Trockene verdunsten und erhitze den Rückstand bis zum Glühen.Die geglühete Masse wird mit wenigem Wasser aufgenommen, con-centrirt und endlich mit geröthetem Lackmuspapier und Weinstein-Säurelösung auf Kali geprüft.

Der durch die Bleiauflösung verursachte, auf dem Filter gesam-melte Niederschlag wird in Wasser vertheilt, durch einen Uebermaassvon Schwefelwasserstoff zerlegt, die vom Schwefelblei getrennte Flüs-sigkeit durch Verdunsten concentrirt und endlich mit blauem Lack-muspapier und essigsaurem Kali auf Weinstcinsäure geprüft.

Veratrium.

Veratrine. Veratrin.

§ 464. Veratrin. Das Veratrin gehört zur Klasse der orga-nischen Alkalien, findet sich in den Saamen von Veratrum Sabadillaund in den Wurzeln von Veratrum album, und ist daraus in isolirterGestalt abgeschieden worden. Es ist ein weisses, in der Wärme zueiner harz - ähnlichen Masse zusammenfliessendes Pulver, schmecktscharf, brennend, aber nicht bitter, ohne Geruch, aber sein Stauberregt in der Nase heftiges Niesen, welches leicht gefahrlich wer-den kann. Es ist in kaltem Wasser unlöslich, von kochendem bedarfes gegen 1000 Theile zur Auflösung; leichter auflöslich ist es inWeingeist, etwas weniger in Aether. Von concentrirter Salpetersäurewird es roth, dann gelb, von Schwefelsäure erst gelb, dann blutroth,zuletzt schön violett gefärbt. Verdünnte Säuren werden durch Vera-trin vollständig neutralisirt, und es erzeugt damit zum Theile kry-stallisirbare Salze, welche noch giftiger wirken, als das säurefreieVeratrin. Man hat in letzterer Zeit angefangen, das Veratrin alsArzneimittel anzuwenden, doch kommt es im Handel sehr häufig mitfremden Substanzen verfälscht oder verunreinigt vor, und es ist da-her unerlässlich, es vor der Anwendung einer prüfenden Untersuchungzu unterwerfen.

§ 465. Erkennung. Man erkennt das Veratrin an den ebenbeschriebenen Erscheinungen, welche es mit concentrirter Salpeter-säure und Schwefelsäure darbietet. Die Reinheit bedingt:

Prüfung-, a. eine vollständige Verbrennung beim Erhitzen aufPiatinblech über der Weingeistlampe;

b. eine unmerkliche Verminderung des Gewichtes, wenn genau10 Grane davon auf einem gewogenen Filter mit ungefähr dem Hun-dertfachen Wasser übergössen werden, das Filter dann nebst Inhalt nachdein Abflüsse des W r assers getrocknet und von Neuem gewogen wird;

e. eine vollständige Auflöslichkeit in 50 bis 60 Theilen Wein-geist und Nichtgefälltwerden dieser Auflösung durch Platinsolution.

Vimim.

Vin. Wein.

§ 466. Wein. Der Wein kann eben so wenig als der Essigals eine selbstständige chemische Verbindung betrachtet werden, son-