276
Kalk mit etwa dem achten Theile kohlensauren Kalkes. Durch Glü-hen bei Zutritt der Luft werden die organischen Bestandteile, LeimFett u. d., welche zwischen 43 und 47 Proc. betragen, zerstört, ausdem Rückstände wird mittelst Schwefelsäure die Phosphorsäure aus-geschieden und durch Desoxydation dieser letzteren mittelst Kohle inder Glühhitze der Phosphor isolirt, und in Stangenform in den Han-del gebracht.
Der Phosphor erscheint entweder farblos oder von blassgelberFarbe, ist durchscheinend oder auch vollkommen durchsichtig, in derKälte spröde, bei mittlerer Temperatur weich und biegsam wie Wachsschmilzt bei 43° zu einer farblosen ölartigen Flüssigkeit und krystal-lisirt beim Erkalten. Sein spec. Gew. ist = 1,77. An der Luft stosster weisse, eigenthümlich knoblauchartig riechende Dämpfe aus, wel-che im Finstern leuchten, indem er sich langsam oxydirt und phos-phorige Säure bildet; daher muss man den Phosphor unter Wasseraufbewahren, damit er nicht mit der Luft in Berührung komme, umso mehr, als, wenn mehrere Stängelchen mit einander in Berührungstehen, die in Folge der Oxydation freiwerdende Wärme endlich denGrad (-1- 75°) erreicht, wobei der Phosphor sich an der Luft vonselbst entzündet und unter Verbreitung eines dicken weissen Raucheszu Phosphorsäure verbrennt. Auch beim Reiben entzündet sich derPhosphor leicht, daher er auch mit Behutsamkeit gehandhabt werdenmuss, da die Brandwunden, welche er verursacht, zu den bösartig-sten gehören.
Phosphor löst sich nicht in Wasser auf, aber ein wenig in Aetherund Weingeist, je reiner beide sind, desto mehr. Wasserfreier Aetherlöst l / ia Phosphor auf, der gewöhnliche officinelle Aether höchstensy ; die Auflösung ist der sogenannte jMether phosphoratu»,welcher nicht lange unzersetzt aufbewahrt werden kann. Aetherischeund fette Oele lösen den Phosphor in grösserer Menge; die letzternAuflösungen bilden die sogenannten Phosphorliniuicnte, enthaltenim Durchschnitte höchstens 3 Proc. Phosphor und leuchten an derLuft im Dunkeln; das Leuchten kann durch Zusatz einiger TropfenTerpentinöls oder Citronöls verhindert werden. Das beste Lösungs-mittel des Phosphors ist Schwefelalkohol, er nimmt, ohne seinen flüs-sigen Zustand zu verlieren, gegen 20 Theile davon auf.
§ 384. Erkennung. Man erkennt den Phosphor leicht anden eben beschriebenen Eigenschaften; die Auflösungen besitzen eben-falls denselben knoblauchartigen Geruch, röthen Lackmuspapier undfällen das Silber aus seiner Auflösung in Salpetersäure als ein schwar-zes Pulver metallisch nieder. Die ätherischen und geistigen Lösun-gen werden durch Wasser und wässerige Flüssigkeiten getrübt undder Phosphor als ein weisses Pulver abgeschieden, ebenso auch dieäetherisch-öligen Lösungen durch Weingeist und weingeistige Flüs-sigkeiten; man muss daher vermeiden, derartige Flüssigkeiten, z.B.Mixtura oleosa-balsamica zu Auflösungen von Phosphor in ätherischenOelen zuzusetzen, indem dadurch Phosphor in Substanz abgeschiedenwird und in Folge dessen leicht gefährliche Verbrennungen herbeige-führt werden können.