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Grundriss der Pharmakognosie des Pflanzenreiches : zum Gebrauche bei akademischen Vorlesungen, so wie für Aerzte, Apotheker und Droguisten entworfen
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Farbige Pflanzenstoffe.

Die erst angeführte Pflanze, welche auf den canarischen Inseln und denAzoren häufig vorkommt, wurde früher vorzüglich zur Lackmusbereitung verwen-det, allein sie ist durch die zweite beinahe ganz verdrängt, die im südlichenFrankreich häufiger vorkommt, und in einigen nördlichen Ländern sehr gemeinist. Die Lackmusbereitung war früher ein Geheimnifs. Die Darstellung scheintallerdings einigen Schwierigkeiten zu unterliegen. Das Verfahren ist folgendes:Die getrockneten und gepulverten Flechten vermengt man mit dem gleichen Ge-wichte Pottasche und bildet mit zugegossenem Urin einen Teig daraus. Derselbewird öfters mit frischem Urin begossen, um den verdunsteten Theil zu ersetzen.Die Masse bleibt sich 40 Tage lang überlassen , in welcher Zeit sie fault undeine purpurrothe Farbe annimmt. Mit neuem Urin vermengt wird die Farbe blau,man bringt die Masse in kleine Gefäfse und durchknetet sie mit Urin. DurchZusatz von kohlensaurem Kalk macht man den Teig so fest, dafs man ihn inkleine, längliche Würfel theilen kann, die man auf luftigen Böden trocknet. Siesind mehr oder weniger blau wegen gröfserer oder geringerer Menge Kreide,lassen sich leicht zerreiben, besitzen weder Geschmack noch Geruch, Wasser undWeingeist ziehen eine blaue Farbe aus, die durch geringe Mengen von Säurengeröthet wird. Daher die Tauglichkeit als Reagens auf Säuren zu dienen. Ue-ber die Eigenthümlichkeit des FarbestolTs, schnell desoxydirt zu werden, stellteDesfosses Versuche an. Die Parmelia Roccella analysirte Nees (1826): nachihm ist der rothe Farbestoff eine seifenartige Verbindung der harzigen Tlieile die-ser Flechte. Heeren zeigte (1830), dafs ein krystallinischer Körper, den erErythrin nennt und der farblos ist, unter gewissen Umständen in Flechten-roth oder Flechten blau umgewandelt werden könne. Das Erythrin kann inErythrin bitter übergeführt werden, so wie es durch Ammoniak und Sauer-stoffgas in Fleehtenroth, welches dann in leichtlösliches Flechtenblau umgewan-delt werden kann, übergeht. Das Erythrin ist sehr leicht zersetzbar und stelltdann das Ps eudoery thrin dar. Ausserdem fand Heeren noch die Roccell-säure. Parmelia tartarea untersuchte Nees (1826). Nach ihm ist der Farbe-stoff ein weifses Halbharz, welches mit Ammoniak blaue oder rothe Verbindun-gen giebt, Heeren's Erythrin: noch fand er kleesauren Kalk. Aus den zweiangeführten Flechten werden noch zwei andere Farbproducfe bereitet. Obschonsie nicht officinell sind, mögen sie doch hier eine Stelle finden, da sie früheröfters mit dem Lackmus verwechselt wurden.

Persio. Cudbear. Cudhbert. Cuthbeard. Rot her Indigo. Cud-bears färbe. Den Persio lehrte zuerst Cudbear bereiten, daher sein Name.Man kratzt alle fünf Jahre von den Felsen die oben genannten zwei Flechten undwahrscheinlich mehrere andere, reibt sie zu einem groben Pulver, welches manin Wasser einweicht, um den zu Boden fallenden Sand zu entfernen. Man über-giefst es jetzt mit Urin, knetet Kuchen daraus , die man in aufgehängten Beu-teln trocknet und so versendet. Eine dunkel pongeaurothe, gröblich pulverigeMasse von eigenthümlichem, urinartigem Geruch und schwachem Salzgeschmack,den Speichel roth färbend. Mit Aezkalk zusammengerieben entwickelt sich Am-moniak; Wasser wird schön dunkelroth gefärbt. In Norwegen bereitet man kleine,den Zuckerplätzchen ähnliche Stücken aus dem Färbermoos, die als Korkeka-ger bekannt sind und in den Färbereien dienen. Parmelia contorta , Parmeliasaxatilis Ach., Parmelia omphalodes Ach., Lecidea pustulata Ach. Meth., Cla-