1904
Hypericineae.
trauben, die vereint ein rispenartiges Ansehen haben. DieSegmente des Kelches sind spitz, ganzrandig und viel kürzer alsdie länglichstumpfen, auf einer Seite fein gekerbten, am Randeschwärz punktirten Blumenblätter. Die zahlreichen Staubfaden,welche fast die Lange derCorolle haben, sind in drei Händel ver-wachsen, und ihre Staubbeutel an der Spitze mit einer dunkelro-then Drüse versehen. Der Fruchtknoten trägt drei ausgebrei-tete Griffel und hinterläfst eine etwa 3—4 Linien lange, oval-längliche, stumpf dreieckige, mit einem braunrothen harzigenUeberzuge bedeckte und mit den Griffelresten gekrönte Kapsel.
Decandolle führt folgende Varietäten dieser Pflanze an:
a. la tiglandulosum : mit weniger, aber breiterenDrüsen, an der Spitze dichter stehenden Blättern nnd steife-ren wenigblumigen Rispen.
b. elatum: mit höherem Stengel und weiter von ein-ander abstehenden Knoten , kleineren am Rande umgerolltenBlättern, geraden Zweigen und wenigblumigen, schlaffenRispen.
c. punctatum: mit niedrigerem Stengel. stumpferem,an dem Rande etwas drüsigem Kelche, und schwarz punk-tirter Corolle.
d. microphyllum : eine in allen Theilen kleinere undmehr gedrängte Form, mit steifen vielblumigen Rispen.
e. albiflorum: mit weifsen Blumen.
Beichenbach erwähnt als Varietäten noch ein Hyperi-cum veronense Schkuhr, mit linienförmig-länglichen,grofs punktirten Blättern und pyramidenförmigen Zweigen,von denen einige steril sind und die - andern nur wenige Blu-men tragen, sodann eine schmalblätterige Form, H. songa-ricum Ledebour, ausgezeichnet durch zugespitzte KeJch-segmente und schief abgestutzte Blumenblätter.
Officinell ist das Kraut mit den Blumen oder die blü-henden Spitzen: Herba cum floribus, seil SummitatesHyperici , ehedem auch die Saamen: Semina Hyperici.Man sammelt die Blumen mit den kurzen zarten Stengelnund obern Blättern, so wie mit den unreifen Saamenkapselnein, welche letzteren wohl die am meisten wirksamen Stoffebesitzen. Alle Theile der frischen Pflanze, zumal die Blumenund harzigen Saamenkapseln riechen eigenthümlich balsamisch,welcher Geruch auch zum Theil im trocknen Zustande derPflanze bleibt, dann besonders beim Zerreiben sich entwik-kelt, und einige Aehnlichkeit mit dem des Fichtenharzes zeigt.Die Blumenspitzen schmecken bitterlich-harzig, etwas herb;kaltes Wasser färbt sich mit denselben gelb , der Auszugwird von salzsaurem Eisenoxyd stark dunkelgrün gefärbtj,während Weingeist aus den Blumen eine rothe Tinctur aus-