Druckschrift 
Bd 2. Welcher die pharmaceutische Mineralogie, Botanik und Zoologie enthält Abt. 2. Pharmaceutische Botanik 1 (1839)
Entstehung
Seite
255
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Orchideae.

255

lange, drei bis vier Linien breite, mehr oder minder flachge-drückte , dunkelbraune , fettig-glänzende, weiche , etwas flei-schige und biegsame Schoten; im Innern liegen in einer wei-cheren, markigen Substanz die oben beschriebenen Saamen.Sehr oft findet man die äussere Seite mit sehr zarten, nadel-fönnigen, glänzend weissen Krystallen bedeckt, die man fürBenzoesäure hält. Die Vanille muss, ausser den angegebenenEigenschaften, sich auch durch einen sehr feinen, aromatisch-angenehmen und ganz eigenthümlichen Geruch und süsslich-ge-Würzhaffen Geschmack auszeichnen, wonach besonders ihre Gütezu beurtheilen ist. Sie enthält nach Bucholz: Ein eigen-tümliches, fettes Oel, von unangenehmem Geschmack 10,8, einin Aether lösliches Harz 2,3, einen schwach-bittern Extractiv-stoff 16,8, einen herb-säuerlichen Extractivstoff 9, süssen Ex-tractivstoff 1,2, Zucker mit Benzoesäure 6,1, Gummi 17, Stärke-mehl 2,8, Benzoesäure 1,1 p. C.

Mehrere in der neuesten Zeit in den Handel gekommeneVanill-Sorten sind theiis viel breiter, theils dreieckig, und sol-len sämmtlich der ächten Vanille an Aroma weit nachstehen.Nur die kleine Frucht der Vanilla microcarpa soll eben-falls sehr gewürzhaft sein. (Th. Martius im Repert. derPharm. XXVI. p. 203.)

Die Blätter einer auf den Masca rinisch en Inseln parasitischlebenden Orchidee Angraecum fragrans Pet T h. sind in der neuemZeit als Thee unter dein Namen Folia Angraeci, s. Faam, Fahana, Thea de insnla Bourbon bekannt geworden^ sie sind gross,loderartig, gan/.randig, dreinervig, an der Spitze zweispaltig und Stumpf,und besitzen einen angenehmen T o n c o - Geruch.

Im Allgemeinen können wir nur wenig über die chemischenVerhältnisse dieser sonst so ausgezeichneten Familie sagen. Siescheinen, ausser dem eigenthümlichen flüchtigen Riechstoff, der,so viel mir bekannt, «och nicht als ätherisches Oel dargestelltwerden konnte, nur indifferente Stoffe zu enthalten. Der un-angenehme bockartige Geruch, der an den frischen Knollen un-serer Orchideen überall, nur oft sehr schwach, vorkommt, er-reicht in unserem L o r o g 1 o s s u m h i r c i n u m die grössteStärke. Bei Orchis coriophora wird er mehr wanzenartig.In andern Arten verbreiten die Blumen eine« angenehmen Va-nillen-Geruch, an dem viele exotische Arten, aber auch unsereNigri tella alpina sehr reich ist, und der endlich in denFrüchten der Gattung Vanilla so auffallend stark, mit fettemOel und Harz verbunden, auftritt.

I