Druckschrift 
3 (1848) [F - H]
Entstehung
Seite
970
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

970 Hyoscyaniin.

Das Silbersalz isl in kaltem Wasser schwer löslich, etwas leichterin kochendem. Nach dem Trocknen bei 100°, wobei es sich nichtschwärzt, besitzt es die Formel: C^B^NO^, . AgO. Stkr.

HyoscyaruiD. Vegetabilische Salzbase, im Jahre 1833 vonGeiger und Hesse im Hyoscyamus niger, dem schwarzen Bilsenkraut,entdeckt. Es ist wahrscheinlich auch in dem Hyoscyamus albus und an-deren Bilscnkrautarlen enthalten.

Am besten wird das Hyoscyaniin aus dem Samen dargestellt, obwohles auch in dem Kraute enthalten ist. Die zerquetschten Samen wer-den mit heifsem Weingeist, dem 2 Procent Schwefelsäure zugesetzt wur-den , ausgezogen; die abgepresste Flüssigkeit versetzt man bis zu starkalkalischer Reaction mit zu Pulver gelöschtem Aelzkalk, filtrirt, übersät-tigt wenig mit Schwefelsäure, filtrirt und destillirt den Weingeist bisy 4 ab. Man verdünnt darauf den Rückstand mit Wasser, verjagt beigelindester Wärme den Rest des Weingcisles, fügt vorsichtig eine con-centrirte Lösung von kohlensaurem Kali hinzu (wenn Trübung entstehtfiltrirt man nochmals), setzt dann viel überschüssige kohlensaure Kali-lösung zu und schüttelt mehrmals mit Äetber, bis dieser nichts mehraufnimmt. Letzterer, von der wässerigen Flüssigkeit abgenommen undabdestillirt, hinterläfst das Hyoscyaniin im unreinen Zustande. Dieswird alsdann so lange mit Wasser versetzt, bis eine klare Lösung ent-steht, die man mit ihrem doppelten Gewicht Aetherweingeist mischt, dieLösung mit Blutkohle digerirl, und der Aetherweingeist zuerst in gelin-der Wärme und hernach der Rest des Lösungsmittels unter der Luft-pumpe verdampft. Ist der Rückstand noch gefärbt, so löst man ihnnochmals in verdünnter Säure, setzt der Lösung eben so viel Alkohol zu,digerirl mit Blutkohle, zerlegt durch überschüssiges kohlensaures Kali,zieht das Hyoscyamin mit Aether aus und verfährt wie vorher.

Aus dem Safte des frischen Krautes der blühenden Pflanze erhältman es, wenn man denselben aufkocht, filtrirt, mit Kalk versetzt, deinFiltrat viel überschüssiges kohlensaures Kali zufügt, und das Hyoscyamindurch Schütteln mit Aether daraus aufnimmt. Auch aus dem trockenenKraut, jedoch weniger vortheilhaft, lässt es sich erhalten, wenn man esmit säurehaltigem Weingeist auszieht.

Das Hyoscyamin krystallisirt in sternförmig vereinigten, seide-glänzenden Nadeln, häufig aber erhält man es im farblos durchsichtigenamorphen Zustande als eine klebrige Masse. Trocken riecht es nicht, imfeuchten, besonders unreinen Zustande riecht es sehr widerlich, betäubend,tabackähnlich. Es wirkt stark narkotisch, selbst tödtlich, ähnlich wieNicotin. Es bewirkt starke langanhaltende Erweiterung der Pupille, wo-durch es sich von letzterem unterscheidet. Trocken reagirt es nichtalkalisch, im feuchten Zustand färbt es geröthetes Lackmus bleibend blau.Es ist unveränderlich an der Luft, bei erhöhter Temperatur schmilzt es,fliefst wieOel, und sublimirt theilweise unzersetzt. Auch beim Kochen mitWasser verflüchtigt sich etwas und ertheilt dem Destillat seine Eigen-schaften. An der Luft verbrennt es mit heller rufsender Flamme. Mitden Lösungen der Alkalien gekocht, wird es leicht braun und unterAmmoniakentwickelung vollständig zerlegt; in W asser ist es, selbst imreinen Zustande, nicht schwer löslich, das unreine ist sehr leicht löslich,die Lösung reagirt stark alkalisch. In Aether und Weingeist ist es eben-falls leicht löslich. Jodtinctur verdickt die ziemlich verdünnte Lösung