12. Antimon.
ihre Augen mit Stimmi malten *); sie begegneten ferner in Persien der inder Pharmakologie des Abu Mansur 2 ) von 975 bezeugten medizinischen,sowie in Syrien oder Ägypten der chemischen Anwendung der Präparateund unternahmen as in ihrer üblichen Weise, die in allen diesen Beziehungenherrschenden Anschauungen und Lehren zu vereinigen und zu erweitern.Der Tradition zufolge bestrich schon Muhammed seine Augenlidermit Kohol, nicht anders als dies die Beduinen seit jeher gewohnt warenund bis in die neuere und neueste Zeit hinein gewohnt blieben 3 ); der Stift,dessen er sich hierbei bediente, war in einer Moschee zu Kairo als kostbareReliquie zu sehen 4 ). Die Schriften der „Treuen Brüder" überliefern,Stimmi 5 ) entstehe durch völlige Verbrennung seiner Bestandteile, desSchwefels und Quecksilbers 6 ), brauche 10759 Tage bis zu seiner gänzlichen„Reifung" 7 ) und vermöge dann, dieser seiner Natur gemäß, selbst nichtmehr weiter zu schmelzen oder zu verbrennen 8 ). Nach Alrazi (850—923oder 932?) ist Stibi oder Kohol kalt, trocken, adstringierend und nützlichbei vielen Krankheiten, vor allem bei denen der Augen 9 ); ähnlich äußert sichin Spanien Abtjlkasis (912—1013 ?) und läßt beim „Brennen" der SubstanzBlei entstehen 10 ). Avicenna (980—1037) erklärt im „Kanon der Medizin"ausführlich das Wesen des Stimmi 11 ), das er auch Itmid (Atmed oderAtemed) nennt und als „faex plumbi" (Hefe = Abfall des Bleies) ansieht 12rühmt die treffliche bei Ispahan in Persien vorkommende Sorte 13 ) und führtes (unverändert oder gebrannt) als Bestandteil zahlreicher bewährter Re-zepte an, besonders solcher für die Augensalben und -kollyiien 14 ). Diespätarabischen und -persischen Ärzte sowie ihre Jünger wiederholen inbekannter Weise, und ohne Stimmi und metallisches Antimon stets genügendauseinander zu halten, die Aussprüche dieser klassischen Autoritäten: soz. B. der sog. jüngere Sekapion (12. Jahrhundert ?) 15 ), der auch den Aus-druck Itmid gebraucht 16 ); ferner die unter dem Namen „AI Kahhäl"(= die Schminker) bekannten Augen-Spezialisten des 11. und 12. Jahr-hunderts 17 ); sodann der Armenier Mechithar, der im „Trost bei Fiebern"
*) Chwolsohn 2, 36, 308. 2 ) Lippmann, „Abh." 1, 87.
3 ) Vgl. Niebuhr, „Reisebeschreibung" (Kopenhagen 1774) 1, 292, 304: „Köchhcl(= Kohol) aus Bleierz". 4 ) Reitemeyeb, a. a. O. 220.
5 ) üb. Dieterici 1, 127; 5, 130. 8 ) ebd. 2, 15; 5, 114. 7 ) ebd. 8, 66.
8 ) ebd. 8, 7. 9 ) „Opera exquisitoria" (Basel 1544) 78; 104, 139, 166; 267;120, 154, 165, 173, 359 und oft.
10 ) „Liber servitoris", in Mestje „,Opera" (Venedig 1570) 277.
11 ) „Canon", üb. Andreas Bellttnensis (Venedig 1544) 101.
12 ) ebd., Erklärung der Namen 21. 13 ) ebd. 564.
14 ) ebd. 224, 227—229, 231, 233, 363, 563—565; Sontheimer, „Die zusammen-gesetzten Heilmittel der Araber" (Freiburg 1845) 160, 216—218, 227—231. Dast «sTo d6S AviCKNNA zitiert noch Thurneisseb in der „Magna Alchymia" (BerlinloSS) 81. i5) üb Gbrhabd von Ckbmona (Venedig 1530) 83 ff., 154, 156; Tschirch2, 605. ») e bd. 154.
7 ) Pagel-Sudhoff, a. a. O. 147. Nach Hibschbbrg - Lippekt ist Kahhäl(— attft/tl^iov, Schminker) häufig ohne weiteres = Augenarzt (a. a. O., 1, Vorr. 23).JJie von ihnen übersetzten Augenärzte gebrauchen Spießglanz (Itmid, Atmud) sehr,n, 'f™" 1 ^ ZWM ' als gewöhnlichen (a. a. O. 1, 45, 62, 89 ff., 103, 171; 2, 36, 68,101, 109, 138, 142, 179, 185, 259), als gewaschenen (ebd. 1, 163 u. oft) und alssolchen aus Ispahan (ebd. 1, 172, 190 194, 210, 236, 273, 277 ff., 298; 2, 78, 102).