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[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
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6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.

noch zu Beginn unserer Zeitrechnung nach den großen Hafenplätzen dervorderindischen Westküste eingeführt wurde, anscheinend aus Ostafrika 1 );vermutlich waren also dessen Landschaften seine Heimat.

Die in Syrien und Palästina übliche Augenschminke wird in denBüchern des alten Testamentes entweder „Puch" benannt 2 ), was sieh inder „Septuaginta", der zur ptolemäischen Zeit verfertigten griechischenBibel-Übersetzung, mit Stimmi wiedergegeben findet, oder „Kahhäl" 3 );dieses Wort bezeichnet als „Kuchli" auch die Schminke, die König Hiskia701 als Tribut an König Senacharib (Sanherib) abzuliefern hatte 4 ) undbesagt in den semitischen Sprachen, als „Kohol", schließlich oft nichtsweiter wie ein sehr feines, im übrigen aber ganz beliebiges Pulver.

Aus Vorderasien oder Ägypten, wo das Stimmi außer als Zusatzzu Augenheilmitteln und -kollyrien auch sonst als trocknende, blutstillende,fäulniswidiige Substanz vielfach in der Medizin benützt wurde, dürftendie griechischen Ärzte seine Anwendung entlehnt haben. Für die ältesteErwähnung pflegt man die an einer Stelle der hippokratischen Schriftenanzusehen, woselbst bei Erläuterung eines Rezeptes vom rezQaymvov (Teträ-gonon = Viereckigem) die Rede ist, und zwar ohne jede nähere Angabe 5 );es bleibt indessen durchaus zweifelhaft, was unter diesem Teträgonon zuverstehen sei und ob sich das Wort nicht etwa bloß auf die äußere (vier-eckige) Form der verschriebenen Pastillen beziehe 6 ), denn dem Grauspieß-glanz kommt keineswegs charakteristische „viereckige" Gestalt zu, undvon metallischem Antimon, dessen Rrystalle zuweilen viereckige Pyramidenbilden sollen 7 ), kann im betreffenden Zusammenhange nicht wohl dieRede sein. Daß man aber Stimmi tatsächlich bei der Herstellung gewisserPastillen benützte, zeigen die Auszüge aus späteren griechischen (im Originalnicht erhalten gebliebenen) Werken bei den Autoren der beginnenden römi-schen Kaiserzeit: Celstts (um 30 n. Chr.) verordnet sehr oft Stimmi, rohes,gewaschenes und gebranntes, läßt Pastillen und Zäpfchen aus ihm an-fertigen und rühmt es als wohltätig für die Augen, austrocknend und er-weichend 8 ); Scribokius Laegtjs (um 50 n. Chr.) macht häufig von Stibiumoder Stibi Gebrauch, u. a. von ausgeschmolzenem (coctum) 9 ); Plinitjsund Diosktjbides (um 75) kennen Stimmi auch unter den Namen Stibi,Larbasis (unerklärtes Fremdwort), Alabastron (nach dem Material derGefäße?), Chalkedönion (chalkedonisches), Platyophthalmon (Augen-Er-weiterndes), Kalliblepharon (Augen-Verschönerndes), Gynaikeion (denWeibern Zukommendes), unterscheiden männliches und weibliches, rühmen

!) „Periplus", ed. Fabricitjs 90, 96.

*) Könige II, 9, 30; Jeremias 4, 30; nach Pinner, „Kahlbaüm- Gedenkbuch"199. 3 ) Ezechiel 23, 40; nach Pinner ebd. l ) Hommel 153.

5 ) üb. Fuchs 2, 536, 541; Grot, in Koberts „Histor. Studien" (Halle 1891)1, 93. 6 ) Nies, PW. 1, 2436.

') Hierüber berichtet schon Bergman, wo er von 1748 aufgefundenen Stückchenregulinischen Antimons spricht, sowie von dem 1784 durch Mongez entdeckten Kunst-griffe, die geschmolzene Masse im Tiegel zum Teil erstarren zu lassen, die Kruste zudurchstoßen und den noch flüssigen Rest von den gebildeten Krystallen abzugießen(„Opuscules chymiques et physiques", ed. Morveaü, Dijon 1785; 2, 27, 454, 18).

8 ) Celsus, üb. Friboes, Register 808; 321.

9 ) „Compositiones", ed. Helmreich (Leipzig 1887) 14, 16, 17.