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6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.
die immer noch verbreitete Ansicht aber, die Entwicklung einer Eisenzeithabe von ihm aus ihren Ursprung genommen, ist völlig unhaltbar, undkeine einzige geschichtliche oder technische Überlieferung gereicht ihr zurStütze. In dieser Hinsicht genügt es, daran zu erinnern, daß das Erhitzenund Schmelzen festen gediegenen Eisens bei 1500—1600° oder darübersehr erhebliche Anforderungen an den Kunstfertigen und an seine Werk-vorrichtungen steht, daß sich hingegen aus vielen Erzen das Eisen mittelsKohle ohne besondere Schwierigkeit bei verhältnismäßig niedriger Tempe-ratur (etwa 700°) in erweichtem (nicht in geschmolzenem) Zustande ge-winnen und sodann mehr oder minder schlackenfrei ausschmieden läßt*);beide Vorgänge sind freilich in ihrem Gelingen von vielerlei Umständenund Wechselfällen in so weitgehender Weise abhängig, daß es nicht wunder-nehmen darf, wenn die Untersuchung alter Fundstücke nach den modernenmetallographischen Verfahren zur Erkenntnis führt, es könne bei ihnenvon irgend regelmäßiger Zusammensetzung und von scharfen Grenzenzwischen Eisen und Stahl nicht im entferntesten die Rede sein.
Die besondere Natur des Eisens und die durch sie bedingte Eigenartseiner Behandlung brachte es mit sich, daß erst mit dem Anfange der Eisen-zeit jene eigentliche Entwicklung der Schmiedekunst einsetzte 2 ), die inerster Linie den Eisenschmied zum „Schmiede" machte und seine Be-deutung und Stellung in bemerkenswerter Weise beeinflußte. Der Schmiedist in seiner Tätigkeit an das Vorhandensein bestimmter Rohstoffe gebunden,er haust im Waldgebirge, wo ihm das Nötige an Erz, Holz oder Holzkohlezur Verfügung steht, er kann den Ort, den andere noch mit nomadischerUnbeständigkeit wechseln, nicht ohne weiteres verlassen, wird dadurchfrühzeitig seßhaft, hierdurch aber wieder für die Nachrückenden ein Fremd-ling, dessen Kunst überdies einen unheimlichen, ja zauberischen Charakterträgt. Aus diesen Umständen erklärt es sich, daß zahlreiche Völker derverschiedensten Herkunft den Schmied als außerhalb des Stammes undder Gemeinschaft stehend betrachten, auch ihm und den Seinigen die Ein-heirat versagen; während sie ihn als unentbehrlich, sein Erzeugnis alswichtiges Bedarfs- und Tauschmittel, sein Haus daher als öffentlichen undneutralen Platz anerkennen 3 ), begegnen sie zugleich seiner Person mitScheu und Mißtrauen, wenn nicht mit Abneigung und Haß, da sie ihneinerseits verachten, andererseits fürchten, auf alle Fälle aber gebrauchen 4 ).Nach einer von Lenobmant eifrig verfochtenen Behauptung d' Ecksteins(1854) wären turanische und finnische Völker, die ihre ursprünglichenSitze im Gebiete des Altai, des Paropamisos und des Kaukasus hatten,die den Glanz der Metalle verehrten und ihn mit ihren Mythen und Lehrenvon den „Göttern der Tiefe" in Zusammenhang brachten, auch die ersten
*) Vgl. die ausführliche Debatte zwischen Beck, Belck, Blankenhorn,Kiessling, Of-pebt, Pinner, Wedding, Weeben (M. G. M. 6, 632), die im übrigennach Feldhaus („Technik" 232) nicht viel Entscheidendes zutage förderte.
2 ) Schbader, „R. L." 177; 293, 725; Hoebnes, „Urzeit"" 2, 11.
5 ) So berichtet noch Hesiod.
4 ) Lipperi 2, 215 ff.; Zippelius, M. G. M. 1,168; Seligmann 1, 89; Er>. Meyer,„Alt." 1 (1), 68, 76; 1 (2), 364; Bbockelmann, „Geschichte der christlichen Lit-teraturen des Orients" (Leipzig 1907), 236.