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6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.
Eskimos noch um 1800 in Benützung standen 1 ). — Die Frage, auf welcheWeise das Zinn nach Mitteleuropa gelangte, läßt sich nicht eindeutig undendgültig beantworten, doch spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, daßes ursprünglich dahin nicht den unmittelbaren Weg aus Britannien ein-schlug, sondern den Umweg über die Mittelmeerküsten, denen (als denStätten des Bedarfes) die uralten westlichen Handelsstraßen zur See undzu Lande zustrebten 2 ); in Übereinstimmung hiermit steht auch das Vor-kommen von zinnernen Fundstücken der oben beschriebenen Axt in denPfahldörfern des einst ligurischen Po-Gebietes 3 ). Der germanische Nametin, zin, angelsächsisch tan, mittelhochdeutsch zein, d. i. Stäbchen (nochin der Münztechnik erhalten), leitet sich nicht aus dem Keltischen ab;auch hat, entgegen früheren Angaben, das keltische Wort „mein" nicht dieBedeutung Zinn, sondern bezeichnet jedes rohe Metall und daher auchdessen Fundstätte (rom. mina, germ. Mine) 4 ).
Während des frühen Mittelalters wurde das Zinn zur Herstellungwertvoller Gefäße und Geräte und zu Zwecken des Kunstgewerbes ver-wendet, wie dies z. B. die einschlägigen Schriften des sog. Herakliusund Theophilus Presbyter aus dem 9. bis 11. Jahrhundert zeigen B ),sowie das „Livre des metiers" des Boileatj von 1252 6 ); wohl auf dieAutorität griechischer und arabischer Vorschriften hin blieb es auch inder Medizin gebräuchlich, so - z. B. spricht um 1260 Johannes de SanctoAmando in den „Areolae" von „rasas, id est stagnum" 7 ). Als markt-beherrschender Erzeuger kam zunächst nur England in Betracht, dessenZinn aber als Rohmetall nach Nordfrankreich, der Provence, Majorka,Genua und Venedig ausgeführt, dort durch Umschmelzen gereinigt undnun als hochwertige Ware weiterverkauft wurde. In Gallien gab es nachVenantitjs Fortunatus bereits gegen 600 n. Chr. verzinnte Kupfer-dächer 8 ), und in England deckte man schon frühzeitig ganze Kirchen„mit Zinn statt mit Blei" völlig ebenso ein, wie das noch im 15. Jahrhundertder Ritter Rozmital in seiner Reisebeschreibung mit großer Verwunderungerwähnt 9 ). Venedig und Genua lieferten ihr Feinzinn bis in das 16. Jahr-hundert hinein nach Konstantinopel, Kleinasien, Oypern, Persien undÄgypten 10 ); wie Peqolotti versichert, war um 1300 in der ganzen Levantedas venetianische Zinn als das beste bekannt u ) und aus ihm bestandenauch die prächtigen Gefäße, die man nach Leo Africantjs in Kairo biszur Zeit der türkischen Eroberung (1517) mit feinstem Geschmacke undin mannigfachster Auswahl anfertigte 12 ).
!) Beckmann 4, 364. a ) Forsee, „Urg." 316.
3) Blümner, PW. 5, 2142 ff.
«) Scheader, „R. L." 990; „Urg." 91 ff.; „Ling." 130 ff.
') Lippmann, „Chemiker-Zeitung" 1916, 1; 1917, 1.
6 ) ed. Depping 76, 253. — Lächerliche Gründe für die Anwendung von Zinn(und Blei) bei der Herstellung der Spiegel führt Thomas von Aqtjino an (üb. Schneideb11 770) ') ed Pagel (Berlin 1893) 12. 8 ) Beckmann 4, 370.
9 ) „Ritter-, Hof- und Pilger-Reisen"' 1465—1467 (Stuttgart 1844) 46.
10 ) Heyd 1, 595; 2, 44, 133, 415. Einzelheiten s. bei Schaube, „Handels-geschichte der romanischen Völker . . ." (München 1906) 811.
11 ) Merrieield 2, 895.
lä ) Reitemeyeb, „Beschreibung Ägyptens im Mittelalter" (Leipzig 1903) 229.