8. Zinn. 589
Inseln, deren Zinnreichtum noch den Entdeckern des 16. Jahrhundertssehr überraschend erschien 1 ), sondern sogar aus China.
In China war das Zinn bereits seit undenklicher Zeit gut bekannt,wie schon die beiden ersten, um 1800 und um 1000 v. Chr. einsetzendenBlüteperioden der Bronzeindustrie beweisen 2 ), sowie die spätestens dem12. Jahrhundert v. Chr. angehörigen Vorschriften über Verfertigung vonsechs verschiedenen Kupfer-Zinn-Mischungen zwecks Herstellung vonallerlei Gefäßen, Idolen usf. 3 ); es wird schon zur Zeit des völlig mythischenKaisers Yü neben Gold, Silber und Kupfer unter den empfangenen Tributenaufgezählt*) und war zweifellos ein uralter Gegenstand de3 inneren Handels,der hauptsächlich aus dem Süden kam 5 ), wie denn z. B. noch um 250 v. Chr.„die wertvollen Schätze des Zinnes und Goldes geliefert werden aus demGebirge Kiang-Nan" 6 ). Über das Wesen des Zinns war man sich jedochauch in späterer Zeit noch im unklaren: einige sahen es als ein edleresoder geläutertes Blei an, andere glaubten, es sei die Asche besonderer,nur in gewissen fernen Gegenden wachsender Pflanzen 7 ).
In Mitteleuropa beginnt das Zinn gegen Ende der Kupferzeitaufzutauchen, also etwa um 2000, und zwar zunächst als Blattzinn, das zurVerzierung von Tongefäßen 8 ) und von Schmucksachen dient und letzterenur auf der Schauseite bedeckt, weshalb Vogel vermutet, daß derlei Ver-suche, kupferne Gegenstände mit Blattzinn, später auch durch Eintauchenin das geschmolzene Metall, zu verzinnen, erst zur Entdeckung der Bronze-darstellung führten 9 ). Ein wenig häufiger wurde das Zinn im Laufe derBronzezeit. Unter den immerhin sehr spärlichen Eundstücken aus denPfahlbauten, z. B. jenen des Neuenburger und Züricher Sees, sind u. a.zu verzeichnen: Tongefäße und Schilde mit Ein- und Auflagen aus Zinn 10 ),zinnerne Dolchspitzen, Spatel, Nadeln, Stäbchen, Stifte, Rädchen, Ringe,Perlen, Spiralen, Spiralscheiben, sowie allerlei kleinere und größere „Klum-pen" u ); diese, zu denen auch eine 1800 g schwere, an einem Bronzeringbefestigte „Scheibe" gehört 12 ), sind nach Forrer nichts weiter als platt-gedrückte Kugeln, die ursprünglich, gleich den bleiernen, als Gewichtedienten 13 ). Erwähnenswert sind ferner zinnerne Fäden, wie sie u. a. auchin Gräbern der Nordseeinsel Amrum aufgefunden wurden und bei den
l ) Beckmann 4, 739; vgl. Pigafettas „Reisen" (Gotha 1801) 123.
a ) Richthofen, „China" 1, 319, 373. ») Bapst 22. «) Fattlmann 279.
') Lknormant, „Anf." 1, 62ff.; Speck 1, 205.
*) Grubeb, „Litt." 197; Nan = Süden, wie in Nanking = Stadt des Südens.
') Pfizmaier 24, 26; so hält auch noch der treffliche Gabcia da Obta, 1533bis 1563 Leibarzt des portugiesischen Vizekönigs in Goa, Zinkoxyd für die Asche einesUewachses (Lippmann, „Geschichte des Zuckers" 78).
8 ) Feldhaus, „Technik" 1368.
") Vogel, „Zeitschrift für angewandte Chemie" 1909, 44; Bronzefibeln, dienur auf der Schauseite verzinnt sind, kennt man ebenfalls.
! °) Fobber, „R. L." 930; Abbildungen bei Schlemm, a. a. O. 668. — Schild:bei Genthe 48.
n ) Genthe 134; Schbader, „R. L." 990,; JJrg." 91 ff.; Bapst 23 ff., 28 ff.;Fokber, „Urg." 316; „R. L." 632. ™) Bapst, a. a. O.
13 ) Fobber, a. a. O. 79, 94, 283; eine dieser Kugeln wiegt 735 g (ebd. 932).