588
6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.
von da aus zum Teil nach anderen Punkten der persischen und arabischenKüste weiter verfrachtete 1 ), und dieser Import okzidentalischen Zinnsdauerte bis in die späte Kaiserzeit fort 2 ). Wie schon hieraus hervorgeht,sind die Behauptungen Bapsts 3 ), die Phönizier hätten das Zinn aus Malakkaund Banka geholt und mit ihm zugleich den indischen Namen „Kastira"nach Europa gebracht, leere Phantasien; das indische kastira ist vielmehrumgekehrt, wie schon Movers 4 ) und Lenormant 5 ) mutmaßten, ausKassiteros entstanden, wofür ebenso die Benennung „yavanestha" =„abendländisches" (Metall) zeugt 8 ) wie der einheimische Name sisa undtrapu (= dunkles), der ursprünglich das Blei bezeichnete, als dessenAbart das Zinn auch hier zunächst angesehen wurde 7 ).
Wann das Zinn der malaiischen Inseln und der hinterindischen Halb-insel zuerst nach dem Westen gelangte, ist bisher nicht bestimmt ermittelt,doch fanden es die Araber, deren Schiffahrt im 8. und 9. Jahrhundertihre erstaunliche Entwicklung nahm, in Vorderindien noch nicht vor;die schon weiter oben erwähnten Erzählungen Sindbads (um 800), sowiedie bei Abu Sa'id (9. Jahrhundert), bei Almas'udi (gest. 956), bei Almtj-QADdasi (um 975), bei Jaqut (1178—1229) und bei anderen Reisenden, Geo-graphen und Enzyklopädisten erhaltenen Berichte stimmen dahin überein,daß das Zinn zuerst in Qalah geholt wurde, worunter aber nicht das jetzigePoint de Galles auf Ceylon zu verstehen ist 8 ), sondern Qalah auf Malakka.Nach diesem Orte soll das Zinn den volkstümlichen Namen „Blei al Qalai",abgekürzt auch Alqalai oder Qalai empfangen haben 9 ), der als Alcalai,Algalai, plumbum alcalai, plumbum akaleum, alsbald auch in die wissen-schaftliche und namentlich in die medizinische Litteratur überging 10 ) undsich in den entstellten Formen Alkalir, Alkardir, Alardir bis in das 18. Jahrh.hinein erhielt 11 ). Doch wird auch vermutet, daß umgekehrt der Ort nachdem Metall benannt wurde, das den Arabern bereits unter der BezeichnungQalai oder Qalja bekannt gewesen sei, wie denn z. B. Zinn im Georgischengala, im Ossetischen kala, im Armenischen galjak, im Türkischen kalaiheiße usf. 12 ). Während Zinn aus dem malayischen Archipelagus und ausBirma, wie u. a. der in einem früheren Abschnitte angeführte indischeMineraloge Narahaei berichtet, nach Bengalen erst im 12. oder 13. Jahr-hundert gelangt zu sein scheint, brachten es gemäß den Angaben desberühmten Geographen Alidbisi (um 1150) und des Ibn Alwabdi (gest.1232?) die arabischen Kaufleute und Händler schon im 10. und 11. Jahr-hundert bis nach Aden 13 ), und zwar nicht nur aus den hinterindischen
!) ebd. 65, 75; 45, 65. 2 ) Speck 1, 195, 200; Bapst 15. 3 ) Bapst 9 ff.4 ) „Die Phönizier" (Berlin 1856) 3 (1), 63. 6 ) „Anf." 1, 98 ff.•) Schbadeh, „R. L." 990; Wecker, PW. 9, 1316.') Schrader, „R. L." 990; „Urg." 91 ff.
8 ) Reinaud, „Relation des voyages . . ." (Paris 1845) 1, Vor. 62; 1, 94; 2, 48.
9 ) Heyd, „Geschichte des Levante-Handels im Mittelalter" (Stuttgart 1879)1, 37; 2, 655; Schrader, „R. L." 990; Reinaud, a. a. O.
10 ) Andreas Bellttnensis, „Interpretatio arabum nominum", beigedrucktseiner Übersetzung von Avicennas „Canon" (Venedig 1544) 4, 14, 18, 22.u ) Haller, „Onomasticon" (Frankfurt 1755) 10, 19.
12 ) Lenormant, „Anf." 1, 98 ff.
13 ) s. Marco Polo, ed. Patjthier (Paris 1865) 703.