8. Zinn.
587
hatte 1 ). Ganz irrtümlich ist die Ansicht, Kassiteros leite sich vom etru-. rischen „cassis" ab, denn dieses nur zufälligerweise anklingende Wortbezeichnet den charakteristischen etrurischen Eisenhelm, der überdiesbei den Eömern erst zur Zeit der Republik in Gebrauch gekommen seinsoll 2 ); zudem heißt das Zinn im Lateinischen ursprünglich nicht Kassiteros,sondern „plumbum album" oder „plumbum candidum", d. i. weißes oderfeines Blei 3 ), so noch bei Punkts, zu dessen Zeit die campanische Bronzevielfach mittels spanischen „plumbum argentarium" bereitet wurde 4 ),unter welchem mehrdeutigem Ausdrucke an dieser Stelle vielleicht auchnichts anderes als Zinn zu verstehen ist 5 ). Erst im Laufe der Kaiserzeittaucht das dem Keltischen entlehnte stannum, sowie das dem Griechischenentnommene Kassiterum auf, und Festtjs führt z. B. beides gleichzeitigan, neben Gold, Silber, Orichalkum, Eisen und Blei 6 ). Äußerst mannigfachwaren die Verwendungen des Zinns; hervorzuheben ist unter ihnen dieeur Herstellung der Glasspiegel, von denen eine Anzahl mit Zinn-, aberauch mit Blei- oder Gold-Folie belegter und mit Firnisüberzug versehener,in Ägypten, in der Rheinprovinz, im Taunus und anderwärts aufgefundenwurde 7 ).
Daß Indien wie kein Kupfer so auch kein Zinn besitze, sagt schonPlxntus b ). Die Angabe, Ktesias erwähne es als Erzeugnis dieses Landes,ist unzutreffend 9 ) und stützt sich nur auf ein unrichtiges Zitat in den,,Wunderberichten" des späten alexandrinischen Grammatikers Apol-lonios Dyskolos (im 2. Jahrhundert n. Chr.), demzufolge nach Ktesiasein in Indien vorkommendes Holz alle Metalle anziehen soll, auch dasZinn 10 ). Bloße Fabel ist ferner, was Euhemebos (um 280 v. Chr.) vomZinnreichtume der „indischen" Insel Panchaia erzählt 11 ), — fehlte ja sonstmit dem kostbaren Metalle ein unvergleichlicher Schatz auf dieser „glück-lichen Insel" {vfjaog evöaificav) 12 ), die übrigens keine andere ist, als dieschon in ägyptischen Märchen des 2. Jahrtausends vorkommende Pa-anchoder Pen-en-ka (= Weihrauch-Insel), d. i. Sokotora 13 ). Daß Vorder-indien zu Beginn unserer Zeitrechnung tatsächlich kein Zinn besaß 14 ),bestätigt auch der um 40 n. Chr. verfaßte „Periplus" 1B ), das berühmtekaufmännische Handbuch der Küstenschiffahrt im Roten und im nördlichenIndischen Meere: nach dem indischen Haupthafen Barygaza (südlich derIndus-Mündung) eingeführt wurden damals u. a. Stimmi (Schwefelantimon),Arsenikum, Sandarach, Blei, Kupfer und Zinn 16 ), welche letzteren man
J ) Speck 3, 290; 4, 386.
2 ) Isidobus 18, 14, 1; Skütsch, PW. 6, 776; Schbadeb. „R. L." 365.
3\ n.------3:J___ • n- ...... . . . .-------
3 ) Candidus im Sinne von „fein" findet sich auch auf Silberbarren aufgestempelt13). «) lib. 34, cap. 95. ') Fobbeb, „R. L." 115.
(Willbrs, „Bronze-Eimer" 23.,,.
•) Beckmann 4, 370; Rossionol 291.) Beckmann 3, 512; Bücher 3 273; Forreb, „R". L." 753; Daeert, „Monats-hefte für Chemie" (Wien 1910) 781. '•) lib. 34, cap. 48. •) „Tndika", cap. 18.
) Ideler, „Physiei et Medici araeci minores" (Berlin 1841) 1, 196; cap. 17.) Diodor, hb. 5, cap. 46; fr. 6, 1. ") Jacoby, PW. 6, 960; Blümner 3, 45.ls ) Golenischeff und Glaser, PW. 2, 1391, 1403.
u ) Rohde, „Der griechische Roman"' (Leipzig 1900) 240; Ausfeld, „Dergriechische Alexander-Roman" (Leipzig 1907) 94. ") Tkaö, PW. la, 1465.lB ) „Periplus", ed. Fabricitts (Leipzig 1883) 91, 97.