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6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.
haben (?), können aber, gemäß allen vorliegenden Angaben, entgegeneinigen Forschern, unmöglich als die Kassiteriden angesehen werden 1 ).Das nämliche gilt von den mit diesen iberischen Inseln zuweilen ver-wechselten oestrymnischen vor der Bietagne 2 ), die zwar erst Avientjs im4. Jahrhundert nach Chr. anführt 3 ), jedoch auf Grund von Quellen, diedem 4. oder 5. Jahrhundert vor Chr. entstammen, zu welcher Zeit kartha-gische Handelsschiffe sie noch besuchten 4 ). Ungewiß ist auch hier, obihre Bewohner selbst Zinn ausschmolzen, oder ob sie es von jenem Teileder keltischen Ostrymnier (auch Osismier genannt) empfingen, der dasäußerste Ende der Bietagne, gegenüber den Inseln, bewohnte 5 ); dort,am Cap Pennestain oder Penstain, in dessen Namen die Silbe „Stain"das lateinische stannum = Zinn bedeuten soll, in einigen benachbartenGegenden des westlichen und in einigen des mittleren Galliens, gab estatsächlich uralte Zinngruben, deren Ergiebigkeit allerdings nur sehr mäßigwar 6 ), und den dortigen keltischen Völkerschaften wird auch die Erfindungdes Verzinnens von Gefäßen zugeschrieben, die noch Plcntcts 7 ) als einevon den Biturigern gemachte überliefert 8 ). Die wirklichen Kassiteriden,der Endpunkt der phönizischen und karthagischen Entdeckungsfahrten,waren die der Südwestspitze Britanniens vorgelagerten heutigen Scilly-Inseln, Hauptsitz des Zinn-Zwischenhandels der Eingeborenen mit demZinn (und Blei) aus Cornwall, und daher auch (wie in so vielen ähnlichenFällen) irrtümlich selbst als „Heimat des Zinns" angesehen 9 ). Wann esden Phöniziern gelang, sie zu erreichen, bleibt vorerst ungewiß; die Tat-sache aber überliefert noch Plinius 10 ) mit den Worten: „Zinn brachtezuerst aus der kassiteiidischen Insel (ex cassiteride insula) Midacritus",unter welchem Namen unschwer jener des phönizischen Schutzgottes undHeros Melkart zu erkennen ist. Desgleichen weiß Strabon zu melden,daß die Phönizier das Zinn ursprünglich im Tauschhandel gegen festesSalz erwarben 11 ), das also sichtlich noch etwas Neues und Schätzbaresfür die Bewohner der Kassiteriden war. Daß letzterer Name kein ausdem Keltischen stammender und von den Phöniziern nur weiterverbreiteterist, wurde bereits oben angeführt; wie die Bernstein liefernden „elektri-dischen" Inseln ihre Bezeichnung dem Elektron (Bernstein) verdanken undnicht umgekehrt, so wurden offenbar auch die Zinn liefernden „kassiteri-dischen" nach dem Kassiteron (Zinn) benannt, — in beiden Fällen kannteman eben die Erzeugnisse seit undenklicher Zeit, ehe es gelang, ihre Ur-sprungsstätte ausfindig zu machen; ausdrücklich sagt überdies Plinius 12 ),
>) Hübner, PW. 3, 859 ff.; Berges, PW. 6, 1304 ff.; Schulten, PW. 8, 1987,2008. 2 ) Schulten, a. a. 0.; Siebt, M. G. 31. 8, 106. 3 ) Berger 235, 356.*) Ed. 31eyer, „Alt." 3, 674, 679.E ) Ed. Meyer, a. a. 0.; Kiesslino, PW. la, 879.•) Bapst 3, 15ff.; Sadowski, Vorr. 20. 7 ) üb. 34, cap. 17.
8 ) Bapst (49 ff., 51 ff.), dessen Unwissenheit zuweilen fast unglaublich ist,— Dioskubides ist z. B. bei ihm ein Herausgeber der Werke des Hippokrates (54) ■—,läßt sie diese Kunst „schon in Asien, von den Zigeunern" lernen!
9 ) Hübner, PW. 3, 859 ff.; Berger, PW. 6, 1304 ff.; Schulten, PW. 8, 1987.10 ) lib. 7, cap. 56. ll ) Schleiden, „Das Salz" (Leipzig 1875) 29, 41, 46.
12 ) lib. 4, cap. 22.