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[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
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6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.

Mittelmeerländern versehen 1 ), da deren Küsten zu so entlegener Zeit,nach allem was man weiß, weder selbst solches besaßen, noch überseeischemVerkehre erreichbar waren. Die größte Wahrscheinlichkeit spricht alsodafür, daß die Ägypter gleich der Bronze auch das Zinn zuerst aus demOsten erhielten, und zwar auf den nämlichen Wegen, die dem uralten,sich durch ganz Vorderasien erstreckenden Handel seit jeher als Bahnendienten 2 ). Wie in Asien selbst, so blieb aber auch in Ägypten das Zinnspärlich, kostbar und gesucht; diese Umstände waren es, die im Laufedes 2. Jahrtausends, als die Schiffahrt sich wesentlich vervollkommnethatte, kühne Seefahrer, wie die Phönizier, veranlaßten, anfänglich denSpuren des Handels mit Zinn nachzugehen, dem sie vermutlich zuerstim südwestlichen Spanien zufällig begegnet waren, späterhin aber auch dieStätten seiner Herkunft ausfindig zu machen. Es liegt auf der Hand, daßkein Kauffahrer daran denken konnte, von den Grenzen der bewohntenWelt her mit unsagbaren Gefahren und Kosten eine Ware heranzuholen,über deren Verwendbarkeit und Wert nicht schon längst völlige Gewiß-heit bestand; entgegen der üblichen Tradition lernte man also nicht vomZinne Gebrauch zu machen, als die Phönizier solches einführten, sonderndiese schafften es herbei, weil sie wußten, daß die heimische Nachfrage dasAngebot weitaus übersteige und daher ein ungewöhnlich hoher Handels-gewinn sicher sei 3 ). Mit der fortschreitenden Entwicklung der West-schiffahrt bei den Phöniziern, neben denen vielleicht eine Zeitlang auchsardinische und etrurische Seefahrer in Betracht kamen 4 ), nahm daheretwa von 1600 an die Menge des verfügbaren Zinns im Osten und so auchin Ägypten merklich zu, mit ihr aber auch jene der erzeugten Bronze 8 );selten und kostspielig blieb es jedoch noch viele weitere Jahrhunderte lang,so daß noch der gegen 1200 verfaßtePapyrus Habeis" von Ramses III.,,den Göttern gemachte Geschenke" verzeichnet, die 95 und später 2130Pfunde Zinnaus den Tributen" betrugen 6 ). Ein altägyptischer Namedes Zinns fehlt nicht völlig (wie man bis vor einiger Zeit annahm), er lautetaber nicht trän, welches Wort erst imLeidener Papyrus", also ganzspät, auftaucht 7 ), sondern nach dem Ägyptologen W. M. Müllerdilti techt" =Blei, weißes", stimmt also völlig mit dem lateinischen,noch zu Beginn der Kaiserzeit allein üblichenplumbum album" oderplumbum candidum" überein 8 ). Hinsichtlich der Zinneinfuhr nachÄgypten in der Periode vom 12. bis etwa zum 4. Jahrhundert ist Näheresnicht bekannt; andauernd groß und umfangreich gestaltete sie sich unterden Ptolemäern und bildete die Grundlage einer höchst vollkommenenBronze-Industrie (namentlich Kunstindustrie), deren Blüte auch während

*) Schulten, FW. 8, 2032.

2 ) Lenobmant,Anf." 1, 97; Bafst 9 ff.; Ed. Meyeb,Alt." 1, 151, 745;2, 156ff.; warum gerade Iran nicht mit in Betracht kommen sollte (ebd. 1, 744), istnicht recht ersichtlich. 3 ) Lippmann,Abh." 2, 9. *) Gsell 34.

5 ) Ob Zinn auch zu anderen Zwecken verwendet wurde, ist ungewiß; vonPlatten mit Inschriften und Figuren aus Mumiensärgen" spricht Sempeb (2, 462),jedoch ohne jede Zeitangabe für deren Alter.

6 ) Brtjgsch,Äg." 271 ff.; Lippmann, a. a. O.

7 ) Bbuosoh,Äg." 398, 401. s ) Schbadeb,R. L." 990.