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6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.
Mit großer Wahrscheinlichkeit, wenn auch nicht mit Gewißheit,läßt sich behaupten, daß den Bewohnern Sinears, des Zweistrom-landes, die sich mit der Bronze, wie oben angeführt, schon gegen 3000v. Chr. wohlvertraut zeigten, das Zinn bereits in noch früherer Zeit be-kannt geworden war und daß es ihnen in dieser bereits ebenso wie im Laufedes 3. Jahrtausends x ) aus nördlich oder nordöstlich gelegenen Gegendenzukam. Daß das Metall außer von diesen auch noch von der kaukasischenLandschaft Iberien geliefert wurde, deren Gruben jedoch sehr frühzeitigerschöpft worden seien 2 ), ist eine haltlose Vermutung, und tatsächlichkonnten bisher nirgendwo im Kaukasus Lagerstätten von Zinnerz auf-gefunden werden 3 ). Nachgewiesen sind solche dagegen in den südöstlichdes kaspischen und Aral-Sees verlaufenden Gebirgszügen Chorasans undTransoxaniens, im Paropamisus, ferner in der Drangiana, im östlichen Iranund im Tale des Etymandros (jetzt Hilmend), woselbst sich bis tief indas Mittelalter hinein, ■— so lange nämlich die (später dem sagenhaftenRustem zugeschriebenen) Kanäle in Stand erhalten wurden ■—, ein reichbewässertes und daher überaus fruchtbares Kulturland erstreckte *}■; ihrVorhandensein ist bezeugt durch das Vorkommen von Zinnschmuck innordpersischen Gräbern aus der Zeit um 2000 bis gegen 1500 5 ), durch dieErwähnungen bei Stkabon 6 ), Ibn Hatjqal (902—968), Alistaketbi (um970) und anderen arabischen Schriftstellern, sowie durch Bestätigungenaus neuerer Zeit 7 ).
Wie der geringe Zinnzusatz der ältesten Bronzen ersehen läßt, wardas Metall anfänglich sehr kostbar und selten; von wann an es etwas häufigerwurde, läßt sich nicht mit Sicherheit angeben, um so mehr als auch nichtgenügend feststeht, welcher Periode die Wandflächen babylonischer Ge-bäude entstammen, die völlig durch sehr schöne Ziegel mit einer durch-scheinenden zinnhaltigen Glasur überkleidet sind 8 ). Daß es auch in ver-hältnismäßig später Zeit hochgeschätzt und gesucht blieb, zeigt z. B. dieTatsache, daß noch 842 König Jehtj von Israel an Salmanassab III.neben Gold und Silber in Barren sowie goldenen Gefäßen auch Zinn alsTribut abzuliefern hatte 9 ). Bei den Babyloniern (und nach ihnen beiden Syrern und Arabern) hieß das Zinn änak, welches Wort ursprünglichnur Blei bezeichnet haben soll, als dessen Abart das Zinn fast allerortengalt; änak findet sich auch in den biblischen Schriften, jedoch nur einmal,
1 ) Baumstark, PW. 2, 2714, 2715.
2 ) Lenormant, „Anf." 85ff.; Faulmann, 99.
3 ) Bapst, ,,L'etain" (Paris 188-1) 5 ff.
4 ) Tomaschek, PW. 5, 1666; Kiessling, PW. 6, 806; Bapst 5 ff., 8, 26; Gsell36ff.; Lenormant, „Anf." 85ff.; die Anführung von Zinn und verzinnten Gefäßen(ebd. 1, 86) im „Vendfdad des Zoroaster" (!) ist natürlich nicht beweisend.
5 ) Montelius, M. G. M. 2, 151. 6 ) Strabon 15, 2, 10.
7 ) Polack und Tomaschek, M. G. M. 2, 152. Die von Bapst angeführte Stelledes Hiuen-Thsang (1, 19) bezieht sich hingegen nicht auf den Hilmend, sondernauf den Tarim im westlichen chinesischen Turkestan, und dieses Auftreten von Zinnerzkommt daher hier ebensowenig in Betracht, wie das am Ural, am Altai und in derNähe des Baikalsees (s. Sadowski, „Die Handelsstraßen der Griechen und Römeran die Gestade des baltischen Meeres", Jena 1877, Vorr. 5; Berthelot, Ma. I, 364, 368),.
8 ) Sempkb, „Der Styl" 2, 149. 9 ) Hommel 132.