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[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
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6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.

Wendung zur Herstellung der schon weiter oben erwähnten sog.Fluch-tafeln", deren gegenwärtig etwa 400 griechischen, etruskischen und helle-nistischen Ursprunges bekannt sind 1 ). Der Gebrauch derartiger Tafelnerhielt sich bis in die späte Kaiserzeit 2 ); sie tragen, wie schon Tacitusangibt 3 ), als Inschriftencarmina et devotiones" (Fluch- und Bannsprüche),weisen aber zuweilen auch merkwürdige Zeichnungen auf, z. B. die Gestaltdes verderblichen Typhon-Seth und bei den gnostischen Sethianern auchjene des Chkistus-Seth-Typhon, mit dem von den sog. Spottkruzifixen herbekannten Kopfe des Esels, als des dem Seth-Typhon heiligen Tieres(das ursprünglich das Okapi gewesen sein soll) 4 ).

Bei den Arabern stand das Blei seit der Eroberung Perstans inganz allgemeinem Gebrauch; bleierne Marken, die an einer Schnur umden Hals getragen wurden, dienten u. a. als Quittung für die Bezahlungder Kopfsteuer seitens der Ungläubigen 6 ). Die größten Mengen liefertenTransoxanien 6 ) sowie das eigentliche Persien 7 ); Ray und Demäwend er-zeugten treffliche Bleiglätte 8 ), und aus Ispahan kam das schönste Blei-weiß, dessen Güte auch die Pharmakopoe des Abu Manstjb (um 975)rühmt 9 ). Endlich waren die Araber wenn nicht Erfinder so doch Ver-breiter der mit Bleiglasur versehenen Tonwaren, deren Anfertigung sie inallen von ihnen eroberten Ländern auf das eifrigste betrieben, u. a. inÄgypten, Sizilien, Spanien, Südfrankreich und den Inseln des westlichenMittelmeeres, von deren einer, dem heutigen Majorka, sich der NameMajolika herschreiht 10 ).

,Im südlichen Mitteleuropa wurde das Blei schon während desVerlaufes der Bronzezeit bekannt, im nördlichen erst gegen deren Ende 11 ).In einigen der Schweizer Pfahlbauten fanden sich plattgedrückte, mitÖsen versehene Bleiklumpen und -kugeln, die anscheinend als Gewichtedienten oder doch ursprünglich solche waren. Die ältesten sind nach baby-lonischen, ägyptischen oder kretischen Minen (von 618 g) ausgewogen,die jüngeren (um 1000 v. Chr.) nach phönizischen (von 728 g), die jüngstennach karthagischen (von 392 g) 12 ); derartig geformte Bleigewichte warenin Phönizien und Karthago seit altersher üblich 13 ) und fanden zugleichmit anderen Maßen bereits sehr frühzeitig Aufnahme in den westlichenMittelmeer-Ländern, wie denn z. B. die Leuge, d. i. die alte, namentlichin Gallien gebräuchliche Wegmeile von 2200 m Länge, 50000 phönizischeEllen von 44 cm Länge beträgt 14 ). Bronzen der älteren Eisenzeit (900 bis800 v. Chr.) enthalten nicht selten 45% Blei 15 ), doch sollen hierbei aus-schließlich solche südlichen Ursprunges in Betracht kommen, währenddie in Mittel- oder Nordeuropa selbst bereiteten entweder kein oder nur

i) Wünsch, A. Rel. 12, 37 ff., 45; Ziebarth, PW. 6, 2771; Skutsch, PW. 6,786; Dietbeich,Abraxas" 77, 78.

2 ) Dziatzko, PW. 3, 565; Kuhnert, PW. 4, 2376; Drexler, Bo. 3, 500;Koscher, Ro. 4, 776. 3 )Annalen", üb. 2, cap. 69.

*) Roeder, Ro. 4, 774ff. 6 ) Kremer 1, 62. ") ebd. 1, 329, 375; 2, 283.

7 ) ebd. 1, 303. 8 ) ebd. 1, 334; 2, 223. 9 ) Lippmann,Abb.." 1, 88.

10 ) Semper,Der Styl" 2, 145. n ) Hoöps 1, 293.

12 ) Forrer,R. L." 79, 94, 283;Urg." 362ff.; Schrader,R. L." 1013.

13 ) Hultsch,Die Gewichte des Altertums" (Leipzig 1898) 49, 50.

14 ) Forrer,Urg." 362 ff. l5 ) Forrer,R. L." 94, 108.