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[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
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6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.

6. Messing.

Da es mit Gewißheit feststeht, daß metallisches Zink in Asien nichtvor dem späteren Mittelalter, in Europa aber erst gegen 1600 bekanntwurde (s. unten), so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die Messinggenannte Kupfer-Zink-Legierung ursprünglich allein durch gemeinsamesVerschmelzen von Kupfer oder Kupfererzen mit zinkhaltigen Mineralien,namentlich Galmei (Zink-Carbonat, zuweilen auch -Silikat), gewonnenwurde und daher keine gleichbleibende Zusammensetzung und Färbungbesaß, vielmehr, je nach der Höhe des Zinkgehaltes, einen rötlichen, gelb-lichen, goldgelben bis weißen Farbenton zeigte 1 ).

In welchem Lande oder welchen Ländern und zu welcher Zeit dasMessing zuerst dargestellt wurde, steht bisher nicht fest; in Babylonien,in der Ägäis, in Troja und während der älteren mykenischen Periode scheintes nicht, während der jüngeren nicht sicher nachgewiesen zu sein 2 ); aberauch betreffs Ägyptens bleibt es fraglich, ob Messing unter jenem Kupferzu verstehen sei, das unter der Regierung Ramses III. (12691244)mitder Färbung des Goldes dritter Feinheitsgüte" aus Etek (im Sinai?) kam,oder unter jener Kupfermischungvon der Farbe des guten Wüstengoldes",die nach Angabe desPapyrus Harris" (13. Jahrhundert) erst gegossenund dann gehämmert wurde 3 ).

Frühzeitig sollen die Perser die Kunst der Messing-Gewinnung be-trieben haben, und aus Messing bestanden nach aller Wahrscheinlichkeitdie Trinkschalen des Königs Dabius, von denen dieWundergeschichton"des Pseudo-Aristoteles berichten, daß sie glänzend, leuchtend, unverrost-bar wie Gold und von diesem nicht der Farbe, sondern nur dem Geruchnach unterscheidbar gewesen sein 4 ); daß nämlich, abweichend vom Golde,die unedlen Metalle tatsächlich einen gewissen, besonders beim Reiben undErwärmen hervortretenden Geruch zeigen, bestätigten schon im 16. Jahr-hundert Las Casas, im 17. und 18. Becher sowie A. von Haller und nochneuerdings (1907) Gruhn 5 ). Persien ist sehr reich an dem zur Herstellungdes Messings unentbehrlichen Galmei; dessen BenennungTutia", dieschon im frühen Mittelalter auftaucht, ist nichts anderes als das persischeDüd" = Rauch und bezog sich urspiünglich auf die für die Galmei-öfen charakteristische Wolke zartesten weißen Zinkoxydes, das zufolgeaugenblicklicher Verbrennung des zunächst in feinsten Tröpfchen abge-schiedenen metallischen Zinks entsteht und in dichten Massen an die Ofen-decke emporsteigt 6 ). Der chinesische BuDDHA-Pilger Hitjen-Thsang er-zählt 629 n. Chr. von der Darstellung des Messings in Persien aus Kupfer

x ) Gsbll, a. a. 0. 71; Luschin von Ebengreuth, a. a. O. 34.

2 ) Troja: K. B. Hofmann,Zur Geschichte des Zinks bei den Alten" (Leipzig1882);Berg- und Hüttenmännische Zeitung" 1882.

3 ) Gsell 8, 51 ff. ') s. Lippmann,Abh." 2, 112.

6 ) Becher,Physica subterranea" (Leipzig 1703) 558. Stoll, a. a. O. 814;nach Las Casas sonderten so die Caraiben das Gold vomGuanin" und später auchvom Messing, das sie sehr hoch schätzten.

*) Lippmann,Abh." 2, 264. Ruska glaubt, Tutia sei sowohl im Persischer!wie im Sanskrit ein Fremdwort (Steinbuch des Aristoteles" 175).