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6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.
„glockenförmige" Eimer und Mischgefäße zu den althergebrachten Er-zeugnissen der dortigen Künstler, denen auch die zum Gusse der erstenGlocken erforderliche, keineswegs gering zu veranschlagende Geschicklich-keit und Erfahrung zuzutrauen ist 1 ). Ob nun, wie anzunehmen, die Glockenden Namen „Campana" nach dem des Landes Campanien und Capuasempfingen, •— denn Vabro sagt ausdrücklich, daß das richtige Wort füralles aus Capua stammende campanus ist und nicht capuanus 2 ) —, oderetwa nach dem campanischen Erze, dem aes campanum des Plinitts,oder nach der Art ihrer Aufhängung, d. i. jener der längst gebräuchlichen„statera campana", der campanischen Schnellwage 3 ) usf., muß vorerstdahin gestellt bleiben; jedenfalls erhielten sie ihn aber erst gelegentlichihrer Weiterverbreitung, also schon außerhalb Campaniens oder Capuas.In dieser Stadt selbst aber, in der, wie in ganz Süditalien, der griechischeEinfluß jederzeit ein herrschender und die griechische Sprache eine all-gemein gebräuchliche blieb 4 ), dürften die Künstler, die zum ersten Maledie Glocken „dumpf zusammen hallen" ließen, dem Glockengute die Be-zeichnung %alxdq ßQovxiqoioQ oder xgäfia ßgovzrjoiov, „donnerschallendesKupfer oder Erz", erteilt haben, sei es, daß sie sie selbst erdachten, oderschon samt den unvollkommeneren Vorbildern vom Osten her übernahmen;aus diesem Brontesios oder Brontesion gingen dann, als seine Bedeutungund Herkunft in Vergessenheit gerieten oder nicht mehr verstanden wurden,die entstellten Namen Brandisium, Brindisium, Brondkono usf. hervor,und aus diesen wieder, oder mit ihnen zugleich, die im Volksmunde ver-mutlich längst gebräuchlichen Abkürzungen Brontea oder Brontia 5 ), dieunmittelbar zu „Bronzo, Bronza, Bronze" hinüberleiten. Diminutiva tech-nischer Namen auf -fov sind nach Schmidt charakteristisch für die späte,vulgär-griechische Arbeitersprache 6 ), und dieser Umstand spricht dahergleichfalls für die Ableitung des Wortes ßgovitfoiov von ßgovTrj, dem Donner;aus ihr erklärt sich auch Ducanges Angabe, daß Bronzina, neben ,,vasbronzinum" die älteste der einschlägigen, frühmittelalterlichen Bezeich-nungen, ein „tormentum bellicum" bedeutet 7 ), also eine jener Kriegs-maschinen, die bei Angriffen und Belagerungen nach zahlreichen Berichten„unter donnerartigem Getöse" mächtige Steine und Felsblöcke schleuderten.Des weiteren macht der dargelegte Zusammenhang verständlich, daß nichtnur „Bronzo" bis in das 17. Jahrhundert hinein ohne weiteres als Synonymvon „Glockenspeise" gebraucht wird, — so noch von Becher (1635 bis1675) 8 ) —, sondern auch umgekehrt „Glockenspeise" jederlei Bronzegußbezeichnet; so z. B. sagt Vitalis de Furno (1247—1327), „unter Erz ver-stehe man das, woraus die Glocken gegossen werden" (aes vocamus, undefiunt campanae) 9 ), und Veranzio spricht um 1595 von der zum Bau einerBrücke erforderlichen Glockenspeise 10 ). Doch sei hervorgehoben, daß in
!) ebd. 56, 205. 2 ) Hülsen, a. a. 0.
3 ) Bossi 40; Willebs, „Bronze-Eimer" 203 ff.; Schbadeb, „R. L." 1018.
4 ) Hülsen, PW. 3, 1437. 5 ) S. den „Donnerstein" des Plinitjs und Isidobtjs.6 ) Schmidt, „Kulturhistorische Beiträge" (Leipzig 1914) 170.
') Schbadeb, „Urg." 73.
8 ) „Opusoula chymica rariora", ed. Roth-Scholz (Nürnberg 1719) 113, 133.
9 ) Vitalis de Fueno (Mainz 1531) 146. 10 ) Feldhaus, „Technik" 153.