5. Bronze.
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man gemäß der Vorschrift eines Engels gebraucht; ... die Lateiner hin-gegen läuten mit Glocken" 1 ).
Was nun die angebliche Erfindung des campanischen BischofsPaulinus von Nola anbelangt, so handelt es sich hierbei offenbar umeine Sage, wie schon die Tatsache zeigt, daß bereits bei dem spätrömischenDichter Avienus (um 350) das Glöckchen am Hundehaisbande „nola"heißt 2 ); aber völlig dürfte sie des geschichtlichen Hintergrundes nichtermangeln. Wie schon oben erwähnt, hatte nämlich die römische Bronze-Industrie ihren Hauptsitz in Campanien, insbesondere aber in Capua.Diese Stadt, um 600 v. Chr. von den Etruskern ins Leben gerufen undüber 150 Jahre lang ein rein etrurisches Gemeinwesen, scheint u. a. auchdie Kunst des Bronzegusses von ihren Begründern übernommen und inden folgenden Jahrhunderten sorgfältig und unter ausschließlicher Ver-wendung der besten Rohstoffe gepflegt zu haben 3 ); von maßgebenderEinwirkung war hierbei jener in Süditalien („Groß-Griechenland") stetsmächtige griechische Einfluß, der Capua zu einem Mittelpunkte der Kunst-industrie überhaupt und zur berüchtigten Stätte des Luxus und Wohl-lebens machte, die noch Ciceeo ein zweites Rom (Roma altera) benannte 4 ).Capuanische Bronzewaren fanden bereits seit dem 5. Jahrhundert v. Chr.,in größerem Umfange aber seit der Begründung Aquilejas zu Beginn des 2.,ihren Weg nach dem Norden (teils über den Brenner, teils durch Pannonien)und bleiben unter den dortigen Funden, trotz allen Wechsels der Verhält-nisse, bis in das 3. nachchristliche Jahrhundert hinein nachweisbar, nament-lich in Gestalt charakteristischer Bronze-Eimer 5 ). Aber auch im Inlandewaren sie hochberühmt 6 ); der alte Cato (gest. 149 v. Chr.) rät, Bronze-gefäße nur in Capua einzukaufen, zur Zeit des Axjgustus bewirkten grie-chische Künstler daselbst einen neuen Aufschwung der Industrie 7 ), Hobazpreist sein campanisches Bronzegeschirr (campana supellex) 8 ), Plinitjslobt das campanische Erz als das beste, reinste, von Blei freie 9 ), und wennauch im späteren Verlaufe der Kaiserzeit ein Rückgang in künstlerischerHinsicht eintrat, so dauerte doch die Massenerzeugung stets weiter fort,wie u. a. noch der HoBAZ-Kommentator Poephybio im 3. Jahrhundertbezeugt 10 ). Um diese Zeit hatte aber das Christentum schon seit langemin Capua Boden gefaßt, die Stadt besaß bereits eine größere christlicheGemeinde 11 ) und eine „Basilika der Apostel" 12 ), und es ist daher durchaus• glaublich, daß sich die Umgestaltung der Lärmtafel oder des oben erwähntenSchallgefäßes (vas) zur eigentlichen Glocke hier vollzog 13 ); gehörten doch
*) Richter, „Quellen der byzantinischen Kunstgeschichte" (Wien 1897) 62.
Demgemäß erzählt Albert von Aachen, daß in Jerusalem „soni et Signa" erst
durch die Kreuzfahrer eingeführt wurden (Prtjtz, „Kulturgeschichte der Kreuzzüge";
erim 1883, 504) Über die Glocken in Jerusalem und Accon vgl. Röhricht,
„^osciiicüte des Königreiches Jerusalem" (Innsbruck 1898; 464, 447). Siehe aucha. i\at. ö, loo ff.
») Eeldhatjs, „Technik" 465. ») Willers, „Bronze-Eimer" 207; 101, 137.Hülsen, PW. 3, 1555; Willers, a. a. ö. 135.
* Willers, ebd. 101, 136; „Untersuchungen" 28 ff., 59 ff., 192.
«) ders., „Bronze-Eimer" 203 ff. ') ders., „Unters." 73.
8 ) „Satiren 1, 6, 116. ») lib. 34, cap. 95. 10 ) Willers, „Unters." 79, 84."■) Harnace, „Ausbreitung und Mission . . ." 502. 12 ) Hülsen, a. a. O. 1437.1S ) Auch Willers kam schon 1901 zu diesem Schlüsse („Bronze-Eimer" 205).