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6. Abschnitt (Anhang): Zur älteren Geschichte der Metalle.
„durch den die Christen ihren Ruf ergehen lassen" 1 ), die Erzählungen,,1001 Nacht" berichten vom Schlagen der Metallplatte auf dem Dache einerchristlichen Kirche 2 ), und die Schriften der „Treuen Brüder" erörterndie Fortpflanzung solchen Schalles durch die Luft. Wo und wann zuerstder Gedanke verwirklicht wurde, mehrere metallene Bleche zu einem schall-gebenden Gefäß (vas) zusammen zu nieten, ist bisher nicht ermittelt,doch scheint dies bereits in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnunggeschehen zu sein 3 ), da ein angeblich 613 angefertigtes, jedenfalls aberaußerordentlich altes Exemplar, bestehend aus drei mit Bronzenägelnvernieteten Eisenplatten, in Köln erhalten geblieben ist 4 ). Den weiterenPortschritt, derartige „vasa" in einem Stück zu gießen, knüpft die Über-lieferung an den Bischof Paulintts von Nola in Campanien, um 400,und findet es hiernach erklärlich, daß bald darauf eigentliche große Glockenunter dem Namen „signum" oder „campana" und kleine unter der Be-zeichnung „nola" bekannt zu werden beginnen 6 ). Erwähnungen derCampana aus dem Anfange des 6. Jahrhunderts •) sind nicht ausreichendsicher bezeugt 7 ), 580 aber kennt der Geschichtsschreiber Gregor vonTours die Glocke schon am Seile hängend 8 ), 613 läutet man bei der Be-lagerung von Sens durch den merowingischen König Chlotar I. die Glockeder Kirche, „um das Volk zusammen zu rufen" 9 ), und um etwa die näm-liche Zeit wird des Signums oder der Campana auch in Paris gedacht 10 ).Beda Venerabilis (gest. 735) nennt den Schall der Glocken, „der dieGemeinde versammelt", einen wohlbekannten (notum campanae sonum) 11 ).Alktjin (gest. 804) sagt in „De divinis officiis", „es sei nicht neu, die Glockenzu weihen, zu ölen und zu benennen" 12 ); Karl der Grosse verbietet dieseTaufe der Campanae, „deutsch CJocae genannt" 13 ), und 874 stellt die Kirchedas Läuten gegossener Glocken als rituale Vorschrift auf 14 ), obwohl nochPapst Leo IV. (gest. 855) „eine Glocke mit einem bronzenen Hammer"gestiftet hatte (campana cum malleo aereo) 1S ). Bemerkenswert ist es,daß 864 der Doge Orso Patritiaco dem Kaiser Michael zwölf großeGlocken für die Sophien-Kirche als Geschenk zusandte, denn da die Byzan-tiner mit dem Erzgusse sehr vertraut waren und den Venetianern vieleseiner Feinheiten erst beibrachten 16 ), so muß man annehmen, daß sie selbstsich damals der Glocken nicht bedienten; dies scheinen sie auch später nichtgetan zu haben, denn noch gegen 1200 meldet Antonius von Nowgorodin seinem „Pilgerbuche": „...in der Sophien-Kirche haben sie [dieGriechen] keine Glocken, sondern kleine Handklopfer aus Eisen (?), . . . die
!) üb. Loth (Leipzig 1882) 63. 2 ) üb. Gbeve 10, 332. 3 ) Buches 3, 68.4 ) Hoors 2, 262; Feldhaus, „Technik" 465; Vogeleb in „Geschichts-Blättern"1, 85. 5 ) Hoops 2, 262; Feldhaus, „Technik" 465; Bucheb 3, 68; Bossi 29.6 ) Schbadeb, „R. L." 1018. 7 ) Bossi 44. 8 ) Feldhaus, a. a. O.
9 ) Bossi 41. 10 ) ebd. 37.
u ) ebd. 39, 131; vgl. Hase, „Kirchengeschichte" (Leipzig 1909) 154.
12 ) Bossi 49; Migne, „Dictionnaire des sciences occultes" (Paris 1848) 1, 384.Der Gebrauch ist spätestens 789 nachgewiesen (Bossi 51).
13 ) Bossi 53; das Wort „Glocke" soll keltischen Ursprunges sein (Kluge,„Etymologisches Wörterbuch", Straßburg 1910, 176); s. aber ebd. die Erklärungvon „Glucke". ") Hoors 2, 262. 1S ) Bossi 39, 41.
10 ) Bossi 43; Molmenti, „La vie privee a Venise", ed. Ongania (Venedig1895) 1, 92.