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der Sache nach nicht wundernehmen *); völlig fehlt es dagegen an Be-richten über große Glocken im Sinne der unsrigen, sowie an Überrestenvon solchen. Ebenso alt wie die Glocken, ja vermutlich noch älter, warenin China die gleichfalls durch Umwandlung der hölzernen Lärmbretter ent-standenen Gongs, runde, meist zum Aufhängen, oft aber (durch Anbringeneines schrägen Randes) auch zum Aufstellen eingerichtete Bronzeplatten,denen man mittels eines Schlägels laute, weithin hörbare Töne entlockte 2 );auch derlei Vorrichtungen genossen im westlichen Asien weite Verbreitungund können daselbst ebenso selbständig erfunden worden sein wie in China.Nach der „Glockenkunde" Bossis 3 ), des gelehrten Mitgliedes der päpst-lichen „Liturgischen Akademie", steht es nun fest, daß sich die erstenchristlichen Gemeinden im Orient, ihnen nachfolgend aber auch die desOkzidentes, zur Berufung ihrer Versammlungen, sowie zu anderen litur-gischen Zwecken anfänglich großer hölzerner Tafeln bedienten, die ent-weder gegeneinander gestoßen oder mit schweren hölzernen Hämmernbearbeitet wurden 4 ). Im Orient blieb diese Sitte sehr allgemein lebendigund wurde in späteren Jahrhunderten, als nach Ausbreitung des Islamsden Christen das Glockenläuten verboten war, sogar wieder alleinherrschend;aber auch das katholische Ritual bewahrte „als Eiinnerung an die alte,noch glockenlose Zeit" den Gebrauch, daß während der Passionszeit, wenndie Glocken zu schweigen haben, „statt ihrer das Crotalum, d. i. eine starkeHolzplatte, mittels schwerer Holzkugeln geschlagen wird" 5 ). Vielfach tratjedoch, sowohl im Osten wie im Westen, an Stelle der hölzernen Tafel einebronzene oder eiserne, die man in der Nachbarschaft der Versammlungs-stätten an hohen Bäumen, an passenden Gerüsten, oder an eigenen frei-stehenden Türmchen befestigte und mit metallenen Hämmern anschlug 6 );derlei Vorrichtungen zum Geben gewisser, bürgerlichen und häuslichenBedürfnissen dienlicher Signale, daher „Signa" genannt, besaß übrigensschon das spätere Altertum 7 ). Im Okzident erhielten sie sich bis gegenEnde des Mittelalters zu allerlei Zwecken, und zwar namentlich zum„Schlagen" der Stunden durch besondere Wächter und durch die mitZeitmessern und Uhren verbundenen „Schlagwerke" 8 ); aber auch derOrient bediente sich ihrer, so z. B. spricht schon der arabische DichterIbn Almu'tazz (861—909) vom Schlage „der den Morgen verkündet" und
1 ) Feldhaus, ebd. 464; Hoops 2, 262; ein Glöckchcn zum Wecken des Gesindeserwähnt Lukian (Beckmann 4, 123).
2 ) Bucheb 3, 109; in Japan sind sie etwa um 650 n. Chr. nachgewiesen (ebd. 110).
3 ) Bossi, „Le campane" (Macerata 1897).*) ebd. 17; 11, 15 ff., 18. 6 ) ebd. 236 ff.
) ebd. 18, 19; auf diese Weise entstanden also die freistehenden italienischenGlockentüime. ') e bd. 29; Feldhaus, „Technik" 1203.
V iqq - Fel ° haits > ebd - 269 > H23; s. die Erwähnung in Dantes „Paradies", Ges. 10,Vers UJ. —. Gestalten, die die Stunden mit dem Hammer auf die Glocke schlugen,wie man sie z B. noch gegenwärtig auf den Proeuratien in Venedig, sowie in manchenniederländischen Städten sieht, waren im Mittelalter weit verbreitet und sehr beliebt;sie hießen Glocken-Hans, Glocken-Putz, Glocken-Jakob, und noch Shakesfeaeeerwähnt in Richard IL (Akt 5, Szene 5) einen „Jack o'the clock" (s. Rabelais, üb.Regis, Leipzig 1839, 2, 21; vgl. auch das bekannte Spiel „Glocke und Hammer").— Ihre ältesten Voibilder sind vermutlich im Orient zu suchen (s. E. Wiedemann,„Über die Uhren . . .", Halle 1915, 14 ff.).