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1. Abschnitt: Die Überreste der alchemistischen Litteratur.
Blei ist seiner Natur nach weich, läßt sich aber^urch Zusatz vonKupfer, Sandarach und „Krapp" (Deckname!) derart härten, daß es demMetalle der Denare gleicht 1 ). Anderen Behandlungen [deren Zweck nichtangegeben ist] unterwirft man es durch Schmelzen mit Minium aus Amida,cyprischem und ägyptischem Oker, cyprischem Vitriol, ägyptischem Alaunund phrygischem Stein [Pyrit?] im „Ofen der Glasmacher" gemäß derVorschrift des Hephaistion (= Hephaistos, Ptah) 2 ); auch hat manMittel [Firnisse ?], um Gefäße aus Blei oder Zinn so aussehen zu machen,als beständen sie aus Erz (Bronce) 3 ).
Quecksilber findet sich als Hydrargyros, „silbernes Wasser", inPhrygien und Spanien und ist flüssig, von großer Kälte und bei innerlicheroder äußerlicher Einwirkung ein furchtbares Gift *); aus Zinnober wirdes frei gemacht, indem man es nebst Blei oder Zinn in einem Mörser ver-reibt, am besten in einem aus Eisen oder Basalt [ßdarvig; auf ägyptischenUrsprung deutend] 5 ); das aus Zinnober odor Sandarach Sublimierende(ävaßißdCcov = nach oben Steigende) ist gleichfalls Quecksilber [bzw.Arsen] 6 ). Wie alles Reine in allen Künsten gefälscht wird, z. B. Weine,Öle und Drogen durch habgierige Kaufleute, ja die Philosophie durch un-erfahrene Schwätzer, so geschieht es auch mit dem Quecksilber, denn dieFälscher sind überall zahllos und verstehen das Gefälschte dem Echtengenau gleich zu machen; das Quecksilber fälschen sie, unter Benützungchemischor Schriften, durch Diplosis [Auflösung von Blei, Zinn, . . . ?] u. dgl.,und während sie als Einkäufer die ihnen bekannten vielen Proben derReinheit anwenden, schwören sie als Verkäufer auf ihren Kopf, sie hättenvon derlei Proben noch nie etwas gehört 7 ). — Zosimos beschrieb Ge-winnung und Benützung des Quecksilbers besonders genau, und zwar ineinem Werk, das er „Buch der Schlüssel" nannte; denn so wie im „Mysteriumder neun Buchstabon König Salomons" der Schlüssel alles Sichtbaren undder ganzen Welt steckt, so enthalten auch die verschiedenen Arten desQuecksilbors [das wahre und das metallische Arsen] den Schlüssel dergroßen Kunst, da alles Flüchtige zu den Schwefeln gehört, die Schwefelaber, wie schon Mabia richtig lehrte, das eigentlich Färbende sind 8 ).
Ein in den syrischen Manuskripten enthaltener und aus diesen vonBerthelot ausgewählter „Pharmazeutischer Traktat", den Zosimos gleich-falls der Priesterin und Königin Theosebeia gewidmet haben soll 9 ), be-trifft hauptsächlich die medizinische Anwendung der „nützlichen Stoffe"und erweist sich für jeden Kenner des Dioskttbides und Galenos alsbloße Kompilation aus deren Schriften, — was Bebthelov später auchselbst zugestand 10 ). Dem Galenos folgend boschreibt der Verfasser diewiederholten Reisen nach Cypern, Syrien, den griechischen Inseln, Thrazien,Mazedonien und Italien, auf denen er vielerlei Berg- und Hüttenwerkebesuchte; der Leiter (eniXQOTtoq) der cyprischen Unternehmungen erklärteihm die Bildung des „Diphryges" genannten Rückstandes in den Kupfer-
!) Mä. I, 254. 2 ) ebd. I, 256, 257. 3 ) ebd. I, 255.
4 ) ebd. I, 246, 247, 248. 6 ) ebd. I, 245, 246 ff. 8 ) ebd. I, 229.
7 ) ebd. I, 249 ff. 8 ) ebd. I, 242, 243. 9 ) ebd. I, 297 ff. ») Aroh. 243 ff.