Druckschrift 
[1] (1919) Ein Beitrag zur Kulturgeschichte, mit einem Anhang: Zur älteren Geschichte der Metalle
Entstehung
Seite
91
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Zosimos.

91

liehen Materialien zusammenschmilzt, womöglich unter Zufügung von einwenig echtem Silber 1 ).

Das Elektron, das eine Legierung von Silber und Gold ist, erfandAlexander der Grosse, und ließ daraus Amulette anfertigen, die manals Schutz gegen den Blitz bei sich trägt oder auch in das Erdreich ein-gräbt, ferner auch einen zauberischen, beim Beschauer Selbsterkenntniserweckenden und ihn vor allen Übeln schützenden Spiegel, den nachherdie Priester des „Tempels der sieben Pforten" aufbewahrten. Aber nachdem echten „Buch der sieben Himmel", das spätere Kommentatoren ab-änderten und entstellten, bereitete schon der König Salomon 2 ), den dieÄgypter fälschlich auch als Verfasser des genannten Buches ausgeben,das wahre Elektron, fertigte daraus sieben, den sieben Planeten entsprechendeFlaschen an, sperrte die Dämonen in sie und beschrieb sie hierauf vonaußen mit Zauberformeln; diese Talismane wirken gegen Dämonen ebensokräftig wie Gebete oder wie die neun Buchstaben König Salomons [dieden wahren Namen Gottes wiedergeben]. Auch zum heiligen Werke ge-hören neun Bestandteile, über die aUes Nähere in den jüdischen Schriftenzu lesen steht; desgleichen ist die Kenntnis von den Einflüssen der Gestirneauf die Anfertigung des philosophischen Steines in den „heiligen und gött-bchen Vorschriften" enthalten 3 ).

Kupfer findet sich in Cypern 4 ), in Ägypten 5 ), in Nicäa 6 ) und inSpanien 7 ). Aus ihm bereiten „geschickte Leute" das „gelbe oder per-sische, vöUig dem natürlichen Gold gleichende", sowie das „helle undlichte" Kupfer [d. i. Messing und Bronce], und der erste Erfinder dieser„Farben" soll der Erzgießer Pabapnidos gewesen sein, der Sohn des Sitos,der Fälscher und Betrüger. „Wie herrlich, großartig und bewunderungs-würdig sind doch die Entdeckungen solcher Künste 8 )!"

Zinn wird im fernen Westen gewonnen, woselbst eine Quelle ausder Erde aufsteigt und zuweilen über ihren Rand hinausstürzen will; wenndies geschieht, stellen die Einwohner „ihm" (ihrem Dämon, einem furchtbargiftigen Drachen ?) ein schönes nacktes Mädchen hin, die, sobald er aufsie zueilt, um sich ihrer zu bemächtigen, hinweglaufen muß; sowie er ihrgefolgt ist, stürzen eine Anzahl mit Hacken bewaffneter junger Leute ausihren Verstecken und töten ihn; im Sterben nimmt er die Form eines Guß-stückes an, indem er sich fixiert und hart wird, und darauf zerschlagen dieLeute seinen Leichnam und benützen die Stücke, die eben das Zinn sind 9 ).

Eisen ist schwer zu bearbeiten, und manche Kunstgriffe gelingenüberhaupt nicht „ohne göttliche Hilfe" [d. h. vermutlich: ohne Hersagenvon Zaubersprüchen] 10 ).

x ) Mä. I, 210 ff., 217 ff.; vgl. das Asem aus Zinn, Blei und Silber (Coli II, 36).

2 ) Der Orient glaubte ihn seit jeher im Besitz höchster Zauberkraft und weit-gehendsten magischen Wissens.

3 ) Mä. I, 265 ff.; hier handelt es sich sichtlich um spätere Zusätze, zum Teilaus gnostischen Quellen. 4 ) ebd. I, 210 ff. u. sehr oft. 5 ) ebd. I, 227.

6 ) ebd. I, 240, 288. 7 ) ebd. I, 217. 8 ) ebd. I, 228.

9 ) ebd. I, 244. Das Anlocken und Fangen von Dämonen und Ungeheuerndurch reine Jungfrauen ist ein alter, weit verbreiteter Aberglauben.10 ) Mä. I, 257.