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Die nektarabsondernden Blüten von Antennaria dioeca sind unvollkommen dioecisch. Alle sind röhren-förmig; die weiblichen sind aber zuweilen sehr lang und eng, so dass sie fadenförmig (Fig. 228h) erscheinen. Nebenden reinzwitterigen Köpfchen lassen sich alle Uebergangsstadien, die insgesamt fruktifizieren, konstatieren. Dasreinmännliche Stadium wird allerdings nur selten erreicht, dagegen das rein weibliche, so dass wir gewöhnlichzwischen weiblichen (Hüllblätter rot) und zwitterigen (Hüllblätter weiss) Individuen unterscheiden. Die Staub-fäden der männlichen Blüten sind i reizbar und krümmen sich bei Berührung. Dadurch wird der Antheren-zylinder herabgezogen und es kann dann der Pollen herausbefördert werden. Die an und für sich kleinen undunscheinbaren Blüten verdanken ihre Augenfälligkeit den weiss oder rosa bis purpurrot gefärbten Hüllblättern.Als Bestäuber kommen besonders Falter, gelegentlich auch Schwebfliegen und Grabwespen, in Betracht. Vielleichtist auch Parthenogenese, wie solche 1900 H. O. Juel für die zirkumpolare A. alpi'na Gaertner endgültig nach-gewiesen hat, vorhanden. Diese ursprünglich zweihäusige Art entwickelt nunmehr nur noch weibliche Stöcke,während die männlichen nicht oder doch nur höchst selten ausgebildet werden. Dadurch wird eine geschlecht-liche Befruchtung unmöglich gemacht. Uebrigens vermehrt sich A. dioeca auch vegetativ mit Hilfe der an derSpitze sich leicht bewurzelnden Ausläufer. Diese erzeugen zunächst Blattrosetten, aus denen im zweiten Jahrein Blütenstengel hervorgeht.
1. Pflanze oberirdische, beblätterte Ausläufer treibend. Hüllschuppen rosa oder weiss. Verbreitetund häufig von der Ebene bis in die Alpen................A. dioeca nr. 423.
1*. Pflanze ohne Ausläufer. Hüllblätter bräunlich. Alpen......A. Carpatica nr. 424.
423. Antennaria dioeca Gaertner (= Gnaphälium dioecum L., = Cyttärium dioecum
Peterm.). Gemeines Katzenpfötchen. Franz.: Patte de chat, pied de chat, herbe
blanche, oeil de chien, hispidule; engl.: Cat's foot, cat's ear, mountain everlasting, cudweed;
ital.: Gnaphalio. Taf. 261, Fig. 2 und 2a; Fig. 228e bis h und Fig. 231.
Der Name Katzenpfötchen (vielfach auch volkstümlich) bezieht sich auf die weichbehaartenStengel und Blätter. Hieher gehörige Volksnamen sind: Kattenp oo tj en (niederdeutsch), Katzenpötchen(Oberharz), Kotzapfütla (Riesengebirge), Katzenpfötl, -kraller (Böhmerwald), Katzenbr ankerl(Niederösterreich), Katzendöbele (Baden), Katzen däppl ein (Schwaben), Chatzatöpli (Schweiz);Hundspr atzerln (Böhmerwald), Bernbrazerl (Niederösterreich), Bärentatzel (Kärnten), Mausöhrle(Schwaben), Buser-öri [Bus = Katze] (Schweiz). Auf die trockene, einem eigentlichen Verwelken nur wenigausgesetzte Beschaffenheit der Pflanze weisen die schweizerischen Benennungen Bapir-Rösli, Strau(w)-Blüemli hin. Den trockenen Standort geben die Volksnamen Stenblöm (Altmark), Ameisblümel(Steiermark) an. An vielen Orten Schwabens (und auch Frankens) suchen die Mädchen am Himmelfahrtstag(oft noch vor Sonnenaufgang) unsere Pflanze, das Himmelfahrtsblümle, winden daraus Kränzchen und hängendiese als Schutz vor dem Einschlagen des Blitzes im Hause auf. Im romanischen Graubünden heisst unserePflanze Maimora immortela (Berninagebiet) und metgas.
Pflanze 6 bis 20 (35) cm hoch, ausdauernd. Wurzelstock walzlich, kriechend,oberirdische, mit spateligen Laubblättern besetzte, bewurzelte Ausläufer treibend. Stengelbis zum Blütenstand einfach, seidig-wollig behaart, beblättert. Laubblätter oberseits meistgrün, kahl oder behaart, unterseits seidig-wollig; die unteren spateiförmig, stumpf, dieoberen lanzettlich bis lineal, spitz. Köpfe 6 bis 10 mm lang, gestielt, zu 3 bis 12 an derSpitze des Stengels einander doldig genähert. Hüllschuppen dachig angeordnet, aussen (in derunteren Hälfte) wollig (Fig. 228 e), in der oberen Hälfte trockenhäutig, rundlich oderelliptisch; die inneren lineal-länglich, die der zwitterigen Köpfchen meist weiss, seltenerrosaweiss oder rot, stumpf und kürzer als die Blüten. Hüllschuppen der weiblichen Köpfchendunkelrot, rosa oder seltener weiss, spitz (wenigstens die inneren) und oft länger als dieBlüten (Fig. 228g). Krone der Zwitterblüten meist weisslich-gelb oder rot; Pappus schwachrötlichweiss bis rötlich. Krone der weiblichen Blüte weiss, rosarot bis tief purpurrot.Pappus weiss. Früchte 1 mm lang, glatt oder rauh. — V, VI, im Gebirge bis VII.
Verbreitet und häufig auf Heiden, in lichten, trockenen Wäldern (besonders inKiefernwäldern), auf Magermatten, an sonnigen, buschigen Abhängen, auf Waldblössen, inHolzschlägen, auf trockenen Flachmooren, im Alpenrosen- und Ileidelbeergestrüpp, auf dergrauen Düne, in Humuspolstern; von der Ebene bis in die alpine Stufe (in Graubünden