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Stelle der Randblüten als Schauapparat (Xeränthemum, Carlina). Sind die Blütenköpfchen sehr klein, so treten siezuweilen zu grösseren und daher auffallenderen Gesamtblütenständen zusammen (Eupatdrium, Adenostyles, AchilleaMillefolium, Senecio-Arten). Fast alle Kompositen sind Insektenblütler; windblütig sind nur Xanthium undeinige verwandte Gattungen sowie einzelne Artemisia-Arten. Die Entfernung des Blütenstaubes aus den An-theren erfolgt bei allen Kompositen in sehr übereinstimmender Weise und zwar sowohl bei den zwitterigen alsbei den scheinzwitterigen, tatsächlich aber männlichen Blüten. Die Blüten sind stets proterandrisch und dieAntherenröhre entleert den Pollen nach innen zu einer Zeit, wo der Griffel noch kurz ist und mit den zusammen-gelegten Narbenlappen etwa in der Höhe des Antherengrundes steht; steht er ausnahmsweise höher, so strecken
sich die Staubfäden, bis er in die richtige Lage kommt. Sobald aberder Pollen entleert ist, streckt sich der Griffel, und die oben er-wähnten an dessen Spitze befindlichen Borsten, die „Fegehaare"(die Narbenlappen liegen noch eng aneinander), die anfangs demGriffel dicht anlagen, nehmen eine schräg aufrechte Stellung an undfegen nun den Pollen aus der Antherenröhre nach oben zu heraus(Fig. 206 d). Manche Kompositen, z.B. Centaurea, besitzen ausserdemreizbare Staubblätter. Wenn diese berührt werden, verkürzen sie sich,wodurch ein sofortiges Herausheben des Pollens aus der Antherenröhreerfolgt. Da zu dieser Zeit, wo die Pollenhäufchen auf den Blütenliegen, die Narbenlappen, welche nur auf der Innenseite Narbenge-webe tragen, eng aneinander liegen, kann eine Befruchtung mit demeigenen Pollen nicht erfolgen. Die durch ihre unebene, rauhe, oftstachelige und dabei klebrige Oberfläche leicht anhaftenden Pollen-körner (Fig. 204) bleiben an den Füssen und an den Mundteilen derdie Blüten besuchenden Insekten leicht haften und werden von diesenauf ein anderes, im zweiten weiblichen Stadium befindliches Köpfchen,mitunter auch auf die rein weiblichen Randblüten desselben Köpfchensübertragen. In diesem zweiten Stadium streckt sich der Griffel nochweiter, bis er die Kronröhre überragt, und jetzt erst treten die Narben-auseinander (Fig. 206c, e, f), so dass nun die mit Pollen beladenen Insekten,die das Köpfchen besuchen, den Blütenstaub auf der mit Narbenpapillenbesetzten Innenseite den Narbenlappen abstreifen können. Honig wirdbei den Kompositen nur in geringer Menge und zwar am Grundeder Blüte abgesondert und ist bei der Enge der Kronröhre einzigInsekten mit dünnem Rüssel, wie Tagfaltern, zugänglich; doch werdendie Köpfchen der Kompositen auch von allerlei pollensammelndenInsekten besucht.Die Blüten eines Köpfchens blühen nicht alle gleichzeitig auf, sondern allmählich nacheinander undzwar von aussen nach innen, so dass sich keineswegs alle Blüten gleichzeitig im männlichen oder weiblichenStadium befinden. Es ist demnach auch sehr leicht Wechselbefruchtung der Blüten eines Köpfchens möglich.Bei ausbleibendem Insektenbesuch ist bei vielen Kompositen Selbstbefruchtung möglich, sei es durch Hinein-fallen von Pollenkörnern zwischen die Griffelschenkel, sei es dadurch, dass die Griffelschenkel sich soweit zurück-rollen, dass ihre Innenseite den Griffel berührt und so mit allenfalls an demselben haftenden Pollenkörnernbefruchtet wird. Manche Kompositen besitzen Schutzeinrichtungen gegen Beschädigung des Pollens bei Regen.So schliessen sich bei Carlina, Bellis und Sonchus die Köpfe bei feuchter Witterung. Parthenogenese ist beieinzelnen Hieracien, bei Taraxacum und Antennaria nachgewiesen worden (siehe dortl).
Die kleinen, meist dünnhäutigen, mit dem einzigen Samen fast verwachsenen Früchtchen (Achaenen)der Kompositen werden bei den meisten Arten durch den Wind verbreitet; hiebei dient der verschiedenartigausgebildete Kelchsaum, „der Pappus", als wirksames Flugorgan. Selten ist derselbe als ein einseitiges flügel-artiges Organ ausgebildet; bei zahlreichen Anthemis-Arten ist er als unbedeutender Kelchsaum vorhanden (vgl.Chrysanthemum, Achillea) oder er fehlt überhaupt ganz (Bellis perennis [Taf. 258, Fig. 4 c], Buphthalmum [Taf. 263,Fig. 1 c, 1 d], Arnoseris, Calendula). Meist besteht er aus einer oder mehreren Reihen von einfachen oder gefiedertenHaaren, die in ganz gleicher Weise wie die Federn auf einem Federball dem Früchtchen eingefügt sind und ingleicher Weise wie diese wirken (Fig. 205). Bei manchen Gattungen (z. B. Taraxacum, Tragopogon) sinddiese Pappushaare zur Fruchtzeit einer stielartigen Verlängerung der Frucht eingefügt (Taf. 275, Fig. 2 a) undzuletzt wagrecht ausgebreitet, so dass sie direkt als Fallschirm wirken. Verhältnismässig selten werden dieFrüchte durch Tiere verbreitet; meist ist es dann die Hülle, in der die Früchte eingeschlossen bleiben und dieals ganzes abfällt, die mit widerhackigen Stacheln besetzt ist (Arctium, Xanthium); seltener sind es einzelne
Fig.205. Bliitenköpfe von A st er A m el 1 us L.
Einzelne Früchte (Achaenen) mit Flugapparat
(Federkrone oder „Pappus").