Druckschrift 
6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
Entstehung
Seite
354
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

354

Kelchzipfel fädlich, etwa halb so lang als die Blumenkrone, wagrecht abstehend. Blumenkrone mittelgross,blauviolett, gegen den Schlund oft weisslich (An Felsen im Schneeberggebiete und im Gutensteiner Tale inNiederösterreich). Aendert weiter ab: rar. Breym'na Beck. Kelchzipfel zurückgeschlagen, mitunter selbst demBlütenstiele angedrückt. Laubblätter schmäler, die untersten höchstens 3 mm breit.

Goebel (Flora Bd. 82 und 95) hat experimentell gezeigt, dass die sog.Rundblätter" dieser ArtErstlingsblätter darstellen. Sie bilden sich an der Keimpflanze zuerst aus und sind auf geringere Lichtintensi-täten abgestimmt als dieLangblätter" der blühenden Sprosse. Wird ein derartiger Spross schwach belichtet,so erzeugt er Seitenknospen mit Rundblättern. In einem Laubwald bei Schieissheim nächst München wurde einePflanze beobachtet, die an der verlängerten Hauptachse Rundblätter und am Ende derselben sogar eine Blüteaufwies; also eine blühende, fortpflanzungsfähige Jugendform, eine Beispiel vonPaedogenesis" der Zoologen.Vgl. auch Familler, Die verschiedenen Blattformen von C. rotundifolia, Flora Bd. 87 (1900), Schramm undW. Vischer in Flora Bd. 104 und 108. Die meist trüb himmelblauen, doch zuweilen auch dunkelblauen bisweissblauen, nach abwärts gerichteten Blüten sind verschieden gross. Im Blütengrunde spielen die weissenBasen der Staubfäden die Rolle als Saftmal. Bei ausbleibendem Insektenbesuche kann durch Zurückrollen derNarbenäste Autogamie erfolgen. Als Bestäubungsvermittler kommt nach Knuth in erster Linie die BieneMelitta haemorrhoidalis in Betracht, die überall, wo die Pflanze auftritt, sich einstellt, ferner Eriades campa-nularum und Halictoides dentiventris. Ausserdem sind zahlreiche Dipteren, Apiden, Hymenopteren, sowiemehrere Lepidopteren und Käfer als Bestäuber beobachtet worden. Ueber abweichende Zahlenverhältnisseund Blütenanomalien gibt Witte (Arkiv för Botanik, Bd. IV [1905] nr. 17) ausführliche Angaben. Er konnte22 verschiedene Zahlenkombinationen feststellen; häufig ist eine Vermehrung der 3 äussern Blütenquirle.Gelegentlich wurde C. rotundifolia auch als Ueberpfianze (auf Weiden) angetroffen (Dr. Hegi).

343. Campanula Kladniäna 1 ) (Schur) Witasek (= C. Scheuchzeri Vill. var. KladnianaSchur, = C. consanguinea Simk. nee Schott). Schmalblätterige Glockenblume.

Pflanze ausdauernd, niedrig, 10 bis 15 cm hoch. Wurzelstock dünn, kriechend.Stengel aufrecht, liegend oder überhängend, kahl oder am Grunde ringsum flaumig, ein-oder wenigblütig. Grundblätter langgestielt, nierenförmig,kerbsägig. .Stengelblätter ganz kahl;die unteren lanzettlich bis eilanzettlich, + lang gestielt, die oberen lanzettlich bis lineal, kahl,an der Basis nicht gewimpert, sitzend oder kurz gestielt. Blüten einzeln, endständigoder zu einer wenigblütigen Traube vereinigt. Blütenknospen aufrecht. Kelchzipfel auslanzettlicher Basis pfriemlich bis borstlich, kürzer bis länger als die halbe Blumenkrone,aufrecht, abstehend oder zurückgeschlagen. Blumenkrone glockig, tief blauviolett, 2 bis2,5 cm lang. Antheren etwas länger als die Staubfäden. Kapsel nickend, nahe dem Grundemit 3 Löchern aufspringend. VII bis IX.

An Felsen und an steinigen Abhängen. Einzig in Oesterreich in den Sudetenim mährisch-schlesischen Gesenke (Köpernik, Altvater, Peterstein, Kessel), vielleicht auchim Riesengrund des Riesengebirges. Fehlt in Deutschland und der Schweiz gänzlich.

Allgemeine Verbreitung: Karpaten, Sudeten.

Eine auffallende Pflanze, die im Habitus lebhaft an Campanula Scheuchzeri erinnert und auch vielfachdafür gehalten wurde. Sie unterscheidet sich jedoch von derselben durch die aufrechten Blütenknospen, die amGrunde nicht gewimperten Laubblätter und den oft kurzflaumigen Stengel. Manche siebenbürgische Formen wiedernähern sich sehr der C. hnifolia. Von den verschiedenen Unterarten (vgl. Witasek. Studien über einige Arten aus derVerwandtschaft der Campanula rotundifolia in Ung. bot. Blätter V. Band, 1906), kommt im Gebiete nur vor diesubsp. mentiens Witasek. Stengel niedrig, 8 bis 15 cm hoch, ziemlich kräftig, am Grunde meist kurzflaumig,aufsteigend. Grundblätter herzförmig, kerbsägig, lang gestielt. Stengelblätter gestielt; die unteren lanzettlich, dieoberen schmäler, alle ziemlich stumpf, dicklich, gegen den Stengelgrund zu gehäuft. Blüten in 2- bis 4-blütigenTrauben oder einzeln. Kelchzipfel aufrecht, kürzer als die halbe Blumenkrone (Im Gesenke und in den Beskiden).

344. Campanula Marchesettii 2 ) Witasek (= C. Scheuchzeri Marchesetti nee Vill.,

= C. Scheuchzeri a typica Posp. nee aliorum). Karst-Glockenblume.Ausdauernd, 10 bis 30 cm hoch. Wurzelstock dünn, kriechend. Stengel aufrecht,kräftig, kantig, an den Kanten mit kurzen, nach rückwärts gerichteten Härchen besetzt oder

1 ) Nach dem siebenbürgischen Botaniker Friedrich Kladni benannt.

2 ) Benannt nach Dr. Carlo Marchesetti, geb. 1850, Direktor des botan. Gartens in Triest. VerfasserderFlora di Trieste".