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Wegen der als Gemüse (Salat) genossenen Früchte allgemein in Gärten, mancherortsauch auf freiem Felde gebaut; selten auch verwildert. Stammt aus dem nördlichen Teilvon Ostindien (Südfuss des Himalaja).
Die Kultur von gurkenarügen Gemüsepflanzen reicht bis weit ins Altertum zurück; dafür sprichtauch das Vorkommen eines Sanskritnamens „Lukasa". In Aegypten lassen sich solche unter dem Namen„schupi" schon in Grabbeigaben des mittlem Reiches (12. Dynastie, 2000 bis 1788 vor Chr.) in der Nekropolevon Kahun bei Theben und dem der griechisch-römischen Zeit angehörenden Gräberfelde von Hawara inFajüm nachweisen. Doch ist aus diesen ältesten Angaben nicht immer zu ersehen, ob es sich um Gurkenoder andere Cucurbitaceen handelt. Wahrscheinlich kamen Gurken im 5. Jahrhundert vor Christi Geburt nachGriechenland und nach Italien. Die damals gebauten Gurken waren aber eine grosse, bitterschmeckende, jetztnicht mehr bekannte Sorte, die zur Erfrischung gegessen, auch gedämpft, gesotten und gebraten, mit Beigabenvon Essig, Kümmel, Sellerie und Pfeffer, aber auch in Essig eingemacht, genossen wurden. Die heute von unskultivierten Gurken kamen erst im frühen Mittelalter von Byzanz aus, wo sie mit einem persisch-aramäischenWort als „anguria" bezeichnet wurden, als „agurka" zu den Slaven und dann durch diese im 17- Jahrhundertnach Deutschland. Allerdings wird die Gurke bereits 812 im Kapitulare Karls des Grossen (wahrscheinlichaber als Melone zu deuten), sowie von Albert Magnus als cucumer erwähnt, nicht aber von der HeiligenHildegard und von Konrad von Megenberg. Jedenfalls war sie im Mittelalter in Mitteleuropa noch wenigbekannt. Heute spielt der Gurkenbau eine wichtige Rolle, namentlich im Orient, in Russland (ohne Gurkenkann der Gross- und Kleinrusse nicht leben), in einzelnen Teilen von Deutschland mit ursprünglich slavischerBevölkerung, wie im Spreewald, dessen Hauptort Lübbenau allein jährlich ca. 2 Millionen Stück produziert, fernerbei Erfurt, Diemnitz, Grossmachnow, Zeitz, Halle, Naumburg, Quedlinburg, in Schlesien bei Liegnitz, in Württem-berg bei Ulm, Untertürkheim und Mettingen, in Mähren (Znaim, Bisenz, Brunn, Olmütz), in Böhmen, Ungarn etc.Ein Hauptproduktionsland von Gurken ist ferner Holland, das bereits im April ganze Schiffsladungen von inTreibhäusern gezogenen Gurken nach England sendet. Heute sind die Gurken als beliebtes Salatgemüse überalle Weltteile, soweit sich Europäer angesiedelt haben, verbreitet. Die + reifen Früchte werden entwederfrisch in verschiedenartiger Zubereitung (als Salat), gekocht, in Rahmsauce oder in verschiedenartiger Weisekonserviert als Salz-, Essig- (Cornichon; Fig. 171g), Pfeffer-, Senf- oder Zuckergurken genossen. Der Nähr-wert der Gurken ist aber ein sehr geringer, da sie 94,17% Wasser und nur 1,5% eiweissartige Körper, 0,73%Zucker, 0,69% Zellulose, 0,48% Mineralstoffe und 2,27% sonstige stickstofffreie Substanzen enthalten. Ueber-dies sind sie nicht leicht verdaulich und rufen gern Aufstossen, Blähungen, Durchfall etc. hervor. Um dies zuvermeiden, empfiehlt es sich, die Gurken erst kurz vor dem Gebrauche zu zerkleinern, zu salzen und mit Pfefferund Essig anzumachen.
Die auf freiem Felde kultivierbaren Gurkensorten verlangen einen lockeren, humusreichen, gleich-massig feuchten und gut gedüngten Boden, sowie eine freie, sonnige Lage. Gegen Kälte und Frost ist diePflanze bekanntlich sehr empfindlich. Die Anzucht der jungen Pflanzen aus Samen geschieht entweder imFreien im April, wenn die Nachtfröste vorbei sind, oder besser in Mistbeetkästen unter Glas, um sie späterins Freie zu verpflanzen. In neuerer Zeit werden verschiedene Sorten von „Treibgurken" : (Berliner Aal, Juwelvon Koppitz, Arnstädter Riesenschlange, Königsdörffer Unermüdliche, Becks Namenlose, Weigelts Treibgurke etc.)auch in Gewächshäusern gezogen, wodurch es möglich wird, bereits im März und April frische Gurken zuerhalten. In diesem Falle macht man zur Frühtreiberei im nächsten Jahr im August von reichtragendenPflanzen Stecklinge. Um die heranwachsenden Gurken in ihrer Ertragsfähigkeit zu unterstützen, ist einrichtiges Beschneiden der Pflanze notwendig. Die Haupternte findet im August statt, wobei man von einem Hektarca. 100 000 Stück ernten kann. Im Handel unterscheidet man Treib- und Freilandgurken. Die letztern werdenausschliesslich aus Samen, die ihre Keimkraft bis über 10 Jahre beibehalten, gezogen. Aelterer Samen istdem ganz frischen vorzuziehen. Ausser den Slaven, die noch heute leidenschaftliche Verehrer der Gurken,wussten bereits die Lausitzer W"enden die schönsten Früchte, auch ohne Mistbeete, zu ziehen. Noch heuteist der Spreewald die Gurkenkammer von Berlin. Ueberhaupt spielen in Norddeutschland die nach slavischerSitte in Salz eingelegten „sauren Gurken« oder in Essig, Merrettichstückchen, Pfeffer und Senf eingemachten„Essig- oder Senfgurken" als billiges Volksnahrungsmittel namentlich in den heissen, in den Grossstädtenruhigen Sommermonaten eine grosse Rolle. Die stille Zeit des Sommers, Juli und August, hat der Volks-mund bekanntlich nach Epitheton mit dem Namen „Sauregurkenzeif belegt. Die „sauren Gurken" schmeckeninfolge einer Milchsäuregärung, wobei die in Salzwasser sich entwickelnden Milchsäurebazillen aus dem Zuckerder Gurke Milchsäure bilden, sauer, ohne dass auch nur ein Tropfen Essig dazukommt (Dr. Hegi).
Die Gurken sind mancherlei Krankheiten ausgesetzt, vor allem durch Pilze. Besonders der HymenomyzetHypöchnus cucumeris Frank kann manchmal verheerend auftreten. Sein Myzel tritt von der Erde ausparasitisch auf den Stengel über, überzieht ihn mit einem faserigen, grauen Gewebe und dringt dann in