Druckschrift 
6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
Entstehung
Seite
258
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

258

meist noch ein Blütenquirl in der Achsel des nächstunteren Blattpaares vorhanden. Kelch-zipfel bleibend (Fig. 142 e). Blumenkrone mit enger, 2 bis 3 cm langer Röhre und2-lippigem Saum, gelblich, aussen oft rötlich überlaufen, kahl. Beeren kirschrot. VI, VII.

In Hecken und Gebüschen. In unserem Gebiete nur in der Schweiz (bei Saillon,Conthey [Gundis] und Sitten im Wallis; ehemals auch bei Orselina im Tessin) und inOesterreich (im Küstenlande; in Tirol [bei Bozen] verwildert). Fehlt in Deutsch-land gänzlich. _ .

Allgemeine Verbreitung: Spanien, Südfrankreich, Südschweiz, budtirol,

Italien, Balkanhalbinsel, Kreta, Kleinasien, Syrien.

261. Lonicera Caprifolium 1 ) L. (= L. suavis Salisb., = L. pällida Host, = L. per-foliäta Edwards, = L. Italica Schm., = Caprifolium Italicum Roem. et Schult., - C. hortenseLam., = C. rotundifölium Moench, = C. vulgäre Med., = C. Germänicum Delarbre,= C. perfoliatum Roehling, = C. pallidum Schur, = Periclymenum Italicum Mill.,= P. perfoliätum S. J.Gray). Wohlriechendes Geissblatt, Jelängerjeheber. Franz.:Chevrefeuille des jardins, eh. d'Italie; engl.: Goats-leafs, garden honeysuckle, woodbme;ital.: Madreselva, abbraccia-bosco, caprifoglio, vinci-bosco. Fig. 140 d bis g.

Der Name J elänger j elieb er bezieht sich auf die Verwendung des Schlinggewächses zum Be-kleiden von Lauben, Gartenhäusern usw. Weil die Blüten besonders nachts stark duften, heisst die Pflanze inThüringen auch Nachtschatten, in Steiermark Nachtfräulein. Zu Linnjetal (Nahegebiet) vgl. Liene= Clematis vitalba (Bd. III, pag. 511). Auch der Name Geissblatt (vgl. Anmerk.) ist hie und da volks-tümlich. Hähnakrax'n (Niederösterreich), Bäre(n)tope(n) (Elsass) dürfte auf die Blütenform gehen. AndereBenennungen sind schliesslich noch: Törgarosa (Würzburg), Rose von Jericho (Schweiz), Z^gge-Rose (Zürich), Sügels, Sugerkes, Sügelken [Bezeichnung der Blüten, vgl. Lamium] (Untere Weser)Täterbeere [= Zigeunerbeere] (Hannover), Umlänfer (Nahegebiet), Kampf er foliu m (Weichseldelta),Kamperfoelie [aus Caprifolium] (Westfalen).

Bis ca. 4 (10) m hoher, rechtswindender Strauch. Laubblätter kurzgestielt, elliptischoder verkehrt-eiförmig, stumpf, ganzrandig, kahl, unterseits blaugrün, 4 bis 10 cm lang3,5 bis 6 cm breit; die oberen eines jeden Zweiges am Grunde paarweise kurz verbunden unddie obersten zu einem ovalen oder kreisrunden, vom Stengel durchwachsenen Blatte ver-einigt. Blüten zu 6 dem obersten Blattpaar unmittelbar aufsitzend; zuweilen in den Achselnder nächsten 1 bis 2 Blattpaare noch 6-zählige Blütenquirle vorhanden. Kelchzähnebleibend. Blumenkrone mit enger, 25 bis 28 mm langer Röhre und 2-lippigem Saum,gelblichweiss, oft rötlich überlaufen, innen kahl, aussen etwas drüsig, besonders in denAbendstunden sehr wohlriechend. Fruchtknoten krugförmig. Beeren frei, ellipsoidisch,8 mm lang, korallenrot. Samen ellipsoidisch, flachgedrückt (Fig. 140 f und g), längsfurchig,

4 mm lang. V bis VII.

In Gebüschen, Hecken, an Weingartenrändern, in Auenwäldern. Wirklich wild wohl nurin Oesterreich, vielleicht auch in Mitteldeutschland. Häufig zur Bekleidung vonLauben kultiviert und durch Verwilderung an vielen Orten längst eingebürgert.

In Deutschland wild vielleicht (!) in Thüringen (bei Roschitz, Langenberg, Silbitz, Pforten,Fahner'sche Höhe nördlich von Gotha) und angeblich auch auf dem Kyffhäuser; sonst nur hie und da ver-wildert wie in den Rheingegenden, in Bayern an vielen Stellen, mehrfach in Württemberg, Baden (Konstanz,Heidelberg, Weinheim, Schwetzingen), in Norddeutschland etc. In Oesterreich im nördlichen Zentral-böhmen (um Prag, Teplitz, Saaz, Leitmeritz, westliche Eibniederung), in Mähren (um Brunn, Bisenz, Pollau,Toslowitz, Znaim, Nikolsburg), in Schlesien (Weidenau), In Niederösterreich (um Retz, Wien), in Tirol (umInnsbruck und in Südtiroi), in Steiermark (um Graz, in den Windischen Büheln, im unteren Mur-, Drau- undSavetale sowie im südoststeirischen Bergland), in Krain (besonders in Unter- und Innerkrain), im Kustenlande.

*) Vom lat. cäpraNamens Geissblatt.

= Ziege und fölium = Blatt; also wörtliche Uebersetzung des deutschen