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6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
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232
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besonders auch in Böhmen. Jetzt ist der Anbau des Krapps in steter Abnahme begriffen undfast ganz aufgegeben worden; nur in Schlesien, in Sachsen und im Elsass findet man noch

einzelne Kulturen. Früher kam die Pflanzeauch häufig verwildert vor; jetzt ist siewohl nur noch im Elsass mit Sicherheit soanzutreffen. Sie stammt aus den Mittelmeer-ländern, kommt aber im Wallis zwischenMartignv und Stalden anscheinend auchwild vor.

Allgemeine Verbreitung: Süd-frankreich, Italien, Spanien, Krim, Griechen-land, Kleinasien; in Mitteleuropa vielfachverwildert.

Früher war die Färberröte eine der wichtigstenFarbpflanzen, da aus ihrem Wurzelstock der einst hoch-geschätzte FarbstoffKrapp" gewonnen wird. Zudiesem Zwecke wird der Wurzelstock 2 bis 3 Jahrealter Pflanzen von Oberhaut und Wurzelfasern gereinigtund gemahlen, während das abgemähte Kraut alsViehfutter Verwendung findet. Der so gemahleneKrapp ist wertvoller als der mit der Oberhaut ge-mahlene und stellt ein grobes, safranfarbiges Pulvervon eigenartigem Geruch und säuerlich-süssem Ge-schmack dar, das begierig Feuchtigkeit anzieht unddeshalb gegen Luft und Licht sorgfältig geschütztwerden muss. Durch mehrjähriges Aufbewahren wirdder Farbstoff noch wertvoller; doch nimmt er nach5 bis 6 Jahren an Güte wieder ab. Der geschätztesteKrapp ist der aus Kleinasien kommende Lizari oderAlizari (Levantiner Krapp), der wahrscheinlich vonRübia peregrina L. (siehe oben) stammt. Auch derfranzösische, holländische und Elsässer Krapp galtenals wertvolle Sorten; minder geschätzt war der schlesische (dieBreslauer Röte"). Der Krapp enthält Rub-erythrinsäure (Cjo H28 O14), die sich unter Aufnahme der Elemente des Wassers in Zucker und Alizarin(Cja Hs Oi) scheidet; ferner enthält sie das orangerote Pseudopurpurin, gelbes Purpuroxanthin, Isalizarin undPurpurin. Bei Anwendung des rohen Krapps als Färbemittel wirken die neben den Farbstoffen in der Wurzelenthaltenen Substanzen störend, weshalb jene erst mit Wasser und etwas Schwefelsäure 10 bis 15 Stundenmazeriert, dann abgepresst, getrocknet und gemahlen wird. Aus dem zuckerreichen Waschwasser gewinnt manWeingeist. Mit Metalloxyden gibt das Alizarin unlösliche, gefärbte Verbindungen (mit Tonerde oder Zinn Rot,mit Eisenoxydsalzen Violettrot, mit Calcium- und Baryumsalzen Blau).

Der wichtigste Farbstoff der Krappwurzel, das Alizarin, wurde 1826 von Robiquet und Colinentdeckt. Im Jahre 1868 glückte die künstliche Herstellung des Alizarins aus dem vom Steinkohlenteergewonnenen Anthrazen. Im Jahre 1869 schon kam das erste künstliche Alizarin in den Handel, und jetzt wirdes allgemein im grossen hergestellt. Diese billigere künstliche Gewinnung des Alizarins hat es mit sich gebracht,dass in den letzten Jahrzehnten der Krappbau sehr rasch zurückgegangen ist und nur noch in sehr bescheidenemMasse, besonders noch im Elsass, betrieben wird. Der Elsässer Krappbau stammt aus Frankreich, wo dieKrappkultur vor allem im 19. Jahrhundert zum Färben der roten Hosen und Käppi der französischen Infanterie inhoher Blüte stand. Auch der Türkische Fez wird mit Krapp gefärbt. Uebrigens wurde der Krapp bereits imAltertum von den Griechen und Römern kultiviert; auch Karl der Grosse empfahl ihn zum Anbau.

Nicht selten beobachtet man bei Rubia Stengelfasziationen (Verbänderungen), bei denen die Blatt-quirle in ihrer Gliederzahl sehr stark (bis auf 40) vermehrt sind. Auch Zwangsdrehungen mit Spiralstellungund Verwachsung der Laubblätter kommen vor. Solche Missbildungen sind auch bei den Krappbauern undim Volke wohlbekannt und gelten in Holland, ähnlich wie bei uns der 4-blätterige Klee, als glückbringend. Inder Kultur wird die Pflanze meist vegetativ durch Sprösslinge oder Ableger fortgepflanzt.

Fig. 124. Rubia tin Ctorum L. a Blütenspross ( ! /3 natürl.

Grösse), b Blüte, c Frucht. Rubia peregrina L. d Junge

Pflanze, e Blütenstand. / Frucht.