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6,1 (1918) Dicotyledones : (V. Teil)
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beobachtet. Orobanche purpurea und O. lutea sind jedoch honiglos, und O. gracilis weist sich durch ihreFärbung als typische Wespenblume aus. Als Lockmittel dient vielen Orobanchen ein von der Blumenkrone

ausströmender Geruch. Angenehm nach Nelkenduften z. B. die Blüten von O. caryophyllaceaund gracilis; ekelhaft hingegen riechen die-jenigen von O. Rapum Genistae.

Die Verbreitung der Orobanchendurch die winzig kleinen (0,2 bis 0,5 mm), oftfast staubartigen Samen, die in ausserordent-licher Zahl produziert werden, wird durch denWind, der in den bienenwabig ausgehöhltenTestazellen (Fig. 84k und 90 e) überdies noch vor-treffliche Angriffspunkte findet, sehr gefördert.NachWentz erzeugt z.B. ein einziges Exemplarvon O. minor 70 bis 90 Kapseln, in welchenje 1500, nicht selten aber bedeutend mehrSamen erzeugt werden, so dass also jede Pflanzeüber 100 000 Samen hervorbringen kann. Auchdurch ungeschlechtliche Vermehrung der unter-irdischen Teile kann die Ausbreitung derOrobanchen erhöht werden. Ausserdem behal-ten die Samen ihre Keimfähigkeit im Boden sehrlange (von Orobanche minor wohl 6 bis 8 Jahre).Wegen ihrer Kleinheit werden sie durchdas einsickernde Wasser in die Spalten desErdbodens geschwemmt, wo sie, durch die Erd-partikelchen bis in die Nähe der Wurzel einerNährpflanze gebracht, zu keimen beginnen.Kommen dieSamen aber mit einer solchenWurzelnicht in Berührung, so unterbleibt die Keimung.Der Keimling der Orobanchen ist ganz unge-gliedert. Aus den der Mikropyle zunächstliegenden Zellen des Embryos entwickelt sichein wurzelähnliches Gebilde,während derübrige,in der Samenschale verbleibende Teil aus einen wasserhellen Inhalt führenden Zellen besteht und die wachsendeSpitze mit Nährstoffen versorgt. Diese wächst gegen die Wurzel des Wirtes hin, dringt in das Gewebederselben ein und erreicht schliesslich auch das Leitbündel, während das Rindengewebe der Wurzel mit der Rindedes Schmarotzers verschmilzt. Der nicht in die Nährpflanze eingedrungene Teil des Keimlings entwickelt sichzu einem 1 bis 2 mm breiten Knöllchen, aus dessen unterem Teile zahlreiche, sprossähnlich angelegte Adventiv-wurzeln mit reduzierter Wurzelhaube hervorbrechen. Aus dem obern Teile dagegen bilden sich direkt auf demScheitel oder auch aus sekundären Knollen in normaler Weise die Blütensprosse aus (Fig. 79b bis f), und zwargewöhnlich in der Einzahl, bei günstigen Ernährungsverhältnissen auch in der Mehrzahl. Das primäreHaustorium entwickelt, in der Nährwurzel weiterwachsend, Auswüchse von verschiedener Form, die selbstwiederum Blütensprosse hervorbringen können. Die Wurzeln aber erzeugen zahlreiche höckerförmige, sekundäreHaustorien, die in ähnlicher Weise wie die primären in benachbarte Wurzeln des Wirtes eindringen können(Näheres hierüber bei Koch, Ludwig. Die Entwicklungsgeschichte der Orobanchen. Heidelberg 1887 und beiBeck, G. Monographie der Gattung Orobanche. Bibliotheca Botanica. Heft 19, 1890).

Obwohl die Orobanchen ausgesprochene Schmarotzer sind, die die Wirtspflanzen durch Entnahmezu vielen Nährsaftes zugrunde richten können, treten sie doch nur relativ selten schädigend auf; einerseitsdeshalb, weil sie nur wenige Arten von Kulturgewächsen befallen, andrerseits, weil sie seltener in grossen Mengenerscheinen. Als wirklich kulturschädliche Orobanchen sind zu nennen: O. ramosa auf dem Hanf und auf allenkultivierten Tabak-Arten, O. minor auf Rotklee, zuweilen auch auf Inkarnatklee, Esparsette und Luzerne, O.Aegyptiaca Fers, auf Solanum Melongena, Cucumis sativa, Gossypium herbaceum und Brassica-Arten inAegypten, im Orient bis nach Ostindien, O. crenata Forsk. (= O. sativa DC.) auf Vicia Faba, Pisum sativum,Vicia Lens und V. Ervilia in den Mittelmeerländern und im Orient (diese Orobanche wird oft in BotanischenGärten durch Aussäen gezüchtet), O. cernua Loefl. in den Sonnenblumen-Kulturen im östlichen und südlichenRussland und O. cernua Loefl. in den Tabakfeldern von Ostindien. Der Schaden, den die Orobanchen in den

fig-. 79. a Orobanche gracilis Sm. mit Wirtspflanze (Lotus cornicu-latus) Original, b bis/ Entwicklung; der jungen Pflanze (nach Koch).g Medianer Längsschnitt durch den reifen Samen (stark vergrössert)von Orobanche Hederae Duby (nach Koch), k Diagramm (nachL i chl er).