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selbst, einströmen zu lassen. Infolgedessen gelangt der Parasit im Frühjahr viel schneller, als es sonst möglichwäre, in den Besitz grösserer Mengen von plastischem Baumaterial. Alte Schuppen weisen in den Höhlungennicht selten grössere Mengen von auskristallisiertem kohlensauren Kalk auf, der offenbar mit dem Wasser und
den übrigen Nährsalzen von den Drüsen ausge-schieden wird. In jugendlichen Stadien dienendie Hohlräume der Rhizomschuppen wohl auchder Durchlüftung; mit dem Tierfange dagegenhaben diese Drüsen gar nichts zu tun. LathraeaSquamaria ist daher weder als tierfangende nochals fleischverdauende Pflanze anzusprechen^ wiedies früher öfter geschehen ist. Die vermeint-lichen ausstrahlenden und einziehbaren Fang-arme der Köpfchendrüsen (Fig.76i) sind keinePlasmafortsätze, sondern haben sich als Bak-terienfäden herausgestellt. Mit dem plasma-tischen Inhalt der Zellen stehen sie in keinerWeise in Verbindung, sondern sitzen ihnen nurauf. Bei der Plasmolyse werden sie nicht einge-zogen ; ebenso werden sie bei der Zerstörung desplasmatischen Inhaltes durch Säuren oder durchZersetzung nicht desorganisiert. Uebrigenskönnen diese Bakterienfäden nicht allein aufden Drüsenköpfchen beobachtet werden, son-dern überhaupt an den Höhlenwandungen.Wenn tatsächlich in den Höhlungen kleineTierchen (Infusorien, Aeichen, Rhizopoden)gelegentlich gefangen und getötet werden, soist dies wohl auf den die Höhlen auskleidendenDrüsenschleim zurückzuführen, der die Tierchenso lange festhält, bis sie verenden. An den
Fig. 76. Lathraea Squamaria L. a Querschnitt durch ein jungesSchuppenblatt, b Längsschnitt, c Querschnitt durch ein ausgewachsenesSchuppenblatt, d Schild- und Köpfchendrüsen (a bis d Originalfiguren),e Köpfchendrüse mit ansitzenden Bakterienfäden (nach Scherffel)./Schilddrüsen, von der Fläche gesehen (nach Cohn). g Trachei'denendenunter einer Schilddrüse (nach Haberlandt). h Köpfchendrüsen mit an-sitzenden Bakterienfäden (nach Scherffel). i Ebenso, mit gefangenenInfusorien (nach Reukauf).
Keimpflanzen kann man konstatieren, dass die ersten Blätter nur einfache Schuppen darstellen, denen nochkeine Hohlräume zukommen.
Die Verbindung der Schuppenwurz mit den Wirtspflanzen wird dadurch hergestellt, dass aus derknollenförmigen Verlängerung des Rhizoms nach unten die Hauptwurzel mit den oft zahlreichen gelblichenSeitenwurzeln abgeht. Aus dem Rhizom selbst entwickeln sich für gewöhnlich keine Wurzeln. Die Seiten-wurzeln, die bis zu 8 mm Durchmesser erreichen können, umspinnen die Wurzeln des Wirtes mit einem dichtenGeflecht, dabei im Längsverlaufe zahlreiche bis hanfkorngrosse Haustorien (auch „Saugwurzeln" genannnt)erzeugend (Fig. 77 a). Diese letzteren entsenden aus einer knotigen Anschwellung in das Innere der Nähr-wurzel einen Saugfortsatz, der übrigens leicht abreisst. Die Haustorien entstehen stets hinter dem Vegetations-punkt einer Wurzel, stehen aber oft zu mehreren dicht nebeneinander, so dass derartige Wurzelabschnitte einrosenkranzartiges Aussehen bekommen. Die junge Anlage des Haustoriums erscheint zunächst als eine einseitige,polsterförmige Verdickung der Wurzel, die mit der Wirtswurzel durch Haare innig verbunden ist. Erst hieraufentwickelt sich auf der der Wirtswurzel zugekehrten Seite aus dem „Haustorialknopf der bereits genannteSaugfortsatz, welcher, versehen mit Gefässen und Trachei'den, durch das Gewebe der Rinde bis in das Strang-gewebe oder bis in den Holzkörper der Wirtswurzel vordringt (Fig. 77 b, c,d). Die letzten Endigungen liegen in derZone des Cambiumringes oder in den Holzelementen innerhalb derselben, wo der zellige Verband allmählichverloren geht und die peripheren Zellen, zu Schläuchen auswachsend, oft einzeln in das umgebende Gewebeeindringen. Denn die Haustorialschläuche haben nicht nur die Fähigkeit, die Zellen des Wirtes mechanischauseinander zu treiben, sondern auch das Vermögen, die Zellwandungen aufzulösen und zu durchwachsen.Da diese Haustorien oft in grosser Zahl, zu Hunderten, eine und dieselbe Wurzel befallen, so wird dadurcheine beträchtliche Gewebezerstörung und mithin eine Schädigung der Wurzeln der Nährpflanzen hervorgerufen.Aber ausser der Stoffentnahme und der Gewebezerstörung wirkt der Schmarotzer noch in anderer Weise schädigendauf die Wirtspflanzen und zwar dadurch, dass die Haustorien früher oder später zugrunde gehen, wodurchdann Eintrittspforten für andere Schädlinge (parasitische Pilze, Bakterien) sowie für die Wirkung der Atmo-sphärilien geschaffen werden.
Lathraea Squamaria schmarotzt auf zahlreichen Nährpflanzen und zeigt keine besondere Auswahl derWirte. Die überwiegende Zahl von holzigen Sträuchern und Bäumen dürfte geeignet sein, als Nährpflanze